# taz.de -- Werbung beim Super Bowl: Politisch sein ist out
> Einst war der Super Bowl auch eine Bühne für Haltung. In den jetzigen,
> verunsicherten USA setzen Unternehmen aber auf seichte, risikofreie
> Werbung.
(IMG) Bild: Eine absolut apolitische Veranstaltung, dieser Super Bowl, da sind sicher diverse Meinungen willkommen
Amerika hat nicht viel zu lachen in diesen Zeiten. Das Land ächzt unter der
Schwere der politischen Ereignisse. Und so hat die werbende Industrie
beschlossen, wenigstens am kommenden Sonntag, dem [1][Super Bowl] Sunday,
den Menschen etwas Erleichterung zu verschaffen.
In den rund 50 Minuten, die während der dreieinhalb Stunden Übertragung des
Football-Endspiels für Werbespots draufgehen, werden die erhofften 130
Millionen Zuschauer in diesem wohl dunkelsten Jahr der jüngeren
US-Geschichte kaum mit der harten Realität belästigt. Der größte
amerikanische Feiertag nach Thanksgiving soll die Menschen zusammenbringen.
Mit Politik ist das in den USA derzeit kaum möglich. Also zieht man sich
auf das Entertainment zurück.
Man wird in den bis zu 16 Millionen Dollar teuren Werbeminuten sehen, wie
Andy Samberg mit einer Variation auf den Neil-Diamond-Klassiker „Sweet
Caroline“ für Mayonnaise wirbt. Man wird erleben, wie Ben Affleck sich
zusammen mit Jennifer Aniston und Jason Alexander zugunsten der Donutkette
„Dunkin“ darüber lustig macht, dass ihre Ära, die 90er Jahre, vorbei ist.
Kim Kardashian wird für einen Sportwett-Dienst ebenso selbstreflexiv
darüber witzeln, wie schwer es ihr fällt, auf den richtigen Mann zu setzen.
George Clooney wird den Lebensmittel-Lieferdienst Grubhub dafür loben, dass
er keine Sondergebühren erhebt. Und Scarlett Johansson wird zusammen mit
Jon Hamm bei einer Strandparty salzige Cracker verzehren.
## Ansätze einer politischen Botschaft?
Die amerikanische Wirtschaft setzt zum Super Bowl mehrheitlich auf eine
bewährte Kombination: Humor und Stars. Es ist ein Rezept, bei dem man nicht
viel falsch machen kann. Es wird niemand vor den Kopf gestoßen, niemand
gießt Öl in das lichterloh brennende politische Feuer. „Alle haben Angst,
irgendetwas zu triggern“, sagt Peter Daboll, Direktor der
Werbeberatungsfirma Daivid.
Wer wenigstens nach dem Ansatz einer politischen Botschaft sucht, der wird
bei dem Produzenten rezeptfreier Pillen gegen Übergewicht und sinkende
Hormonspiegel – „Hims and Hers“ – fündig. Das Unternehmen behauptet in
seinem Spot, etwas gegen die Unbezahlbarkeit der Krankenversorgung zu tun
und somit gegen die soziale Ungleichheit in Amerika.
Ebenfalls vage politisch ist [2][Lady Gaga] mit ihrer Version von „Will You
Be My Neighbor“, dem Titelsong einer Kinderserie aus den 80er Jahren, bei
der es um den Wert von Gemeinschaft und Nachbarschaft ging – Dinge, die dem
heutigen Amerika offensichtlich fehlen. Das Cover wirbt für eine
Hypothekenbank.
## Halbzeitshow mit Trump-Kritiker Bad Bunny
Die Superbowlwerbung war nicht immer so unpolitisch. Alleine 2017, nach dem
ersten Amtsantritt von Donald Trump, stellten sich zwei Firmen mit ihren
Clips offensiv gegen Trumps Immigrationspolitik und feierten den
amerikanischen Einwanderertraum. Auf der Höhe der
[3][Black-Lives-Matter]-Bewegung blamierte Pepsi sich, indem die
Brausefirma sich unglaubwürdig versuchte an die Proteste anzuhängen. Noch
2023 warb eine Vereinigung christlich gesinnter Spender dafür, sich über
die Grenzen politischer Dogmen hinweg gegenseitig zuzuhören.
Im ersten Jahr von Trumps zweiter Amtsperiode herrscht jedoch eine
Atmosphäre der Paranoia in den USA. Und die Erfahrung hat bislang gezeigt:
Je größer die Organisation, desto weniger ist sie bereit, Risiken
einzugehen. Die werbenden Unternehmen, die acht Millionen Dollar für 30
Sekunden Werbung ausgeben können, sind jedenfalls mehrheitlich nicht
risikobereit.
Erfrischend ist da alleine, dass die Football-Liga NFL, selbst ein
Entertainmentriese, Trump die Stirn bietet und dem Präsidenten-Kritiker
[4][Bad Bunny bei der Halbzeitshow] die Bühne überlässt. Darüber wurde sich
bereits ausgiebig echauffiert – nicht zuletzt von Heimatschutzministerin
Kristi Noem. Es wird aber am Sonntag wohl der einzige Stein des Anstoßes
bleiben.
8 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
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