# taz.de -- US-Eishockey mit zwei Gesichtern: Direkte Verbindung zum Präsidenten
> Nach dem US-amerikanischen olympischen Doppelerfolg im Eishockey grölen
> die Männer MAGA-Lieder, die Frauen lehnen eine Einladung ins Weiße Haus
> ab.
(IMG) Bild: Bekennender Trump-Anhänger: Matthew Tkachuk nach dem Olympia-Triumph des US-Teams
Mike Eruzione hatte nicht zu hoffen gewagt, dass er diesen Tag noch erleben
darf. Vor genau 46 Jahren gewann der heute 71-Jährige als Kapitän des
US-amerikanischen Teams olympisches Gold und schuf beim Halbfinal-Sieg
gegen die Sowjetunion [1][das „Miracle on Ice“.] Nun saß er als Ehrengast
auf der Tribüne der Santa Giulia Arena von Mailand und feuerte seine Erben
an, während sie in der Nachspielzeit des Olympiafinales Kanada besiegten
und beinahe ein halbes Jahrhundert später ein zweites, lange ersehntes,
US-Eishockeywunder vollbrachten.
Die Enkel der Wundermannschaft von Lake Placid erfüllten Eruzione mit
Stolz. Wortwörtlich bis aufs Blut hatten sie sich gegen den Ansturm der
Kanadier auf ihr Tor gewehrt und um ihre Chance auf Gold gekämpft. Das Bild
des grinsenden Helden von Mailand, Jack Hughes, der drei Zähne auf dem Eis
gelassen hatte, wurde zum Sinnbild dieses Finales.
Doch das war nicht der einzige Grund, warum Eruzione stolz war. Hughes
betonte in seinem Interview nach dem Spiel, noch von der Anstrengung und
der Aufregung keuchend, wie viel es ihm bedeute, hier in den Farben der USA
aufzutreten und sein Land zu repräsentieren – „das großartigste Land der
Erde“, wie er anfügte. Und nicht wenige seiner Mannschaftskameraden
stimmten ein, nicht zuletzt auch Matthew, der ältere der beiden
Tkachuk-Brüder.
Tkachuk hat noch nie einen Hehl aus seiner Bewunderung für Donald Trump
gemacht. Als er nach dem Stanley-Cup-Sieg mit den Florida Panthers im
Weißen Haus war, schwärmte er anschließend, was für ein unvergesslicher Tag
dies für ihn gewesen sei. „Ich wache jeden Tag auf und bin dankbar dafür,
Amerikaner zu sein.“
Für die amerikanischen Sportler in Mailand und Cortina, [2][die in der
Trump-Ära ein komplizierteres Verhältnis zu ihrem Vaterland haben,] haben
Tkachuk und Eruzione derweil wenig Geduld. Zum Freestyle-Skifahrer Hunter
Hess, der vor den Spielen über seine gemischten Gefühle gegenüber dem
Staat, den er repräsentieren sollte, gesprochen hatte, hatte Eruzione nur
zu sagen: „Dann soll er doch zu Hause bleiben.“
Eruzione hat wie Tkachuk aus seinen politischen Neigungen nie einen Hehl
gemacht. Er und seine Mannschaftskameraden ließen sich in den 80er Jahren
bereitwillig als Cheerleader für das Reagan- Amerika benutzen. Und als
Trump sie 2020 anrief, um sie zu seinen Wahlkampfveranstaltungen
einzuladen, zögerten die mittlerweile älteren Herren auch keinen
Augenblick.
Ihre Enkel scheinen nun bereitwillig in ihre Fußstapfen zu treten. So
sympathisch sie sich auf dem Eis mit ihrem kämpferischen, mutigen Eishockey
verkauft hatten, so abstoßend benahmen sie sich danach. Noch am Abend
kursierten in den sozialen Medien Videos, wie sie mit [3][FBI-Direktor Kash
Patel] in der Kabine Biere in einem Zug leerten und die MAGA-Hymne
„Courtesy of the Red White and Blue“ von Toby Keith mitgrölten.
Kurz danach stellte Patel eine Leitung nach Washington her und schaltete
den Präsidenten zu. Wie Patel gefiel sich Trump dabei, so zu tun, als sei
er einer der Jungs. Und die Spieler spielten fröhlich mit. So ganz unter
Männern lachte man gemeinsam darüber, dass Trump wohl auch die
US-Eishockey-Frauen einladen müsse, weil er sonst Ärger bekomme. Und zu
Trumps Angebot, sie mit einer Militärmaschine zur „State of the
Union“-Ansprache im Kongress einzufliegen, sagten sie begeistert Ja. Eine
der Stimmen im Hintergrund bat im Siegestaumel Trump, doch bitte die Grenze
nach Kanada dichtzumachen.
Die US-Eishockey-Frauen, die in Mailand noch begeistert ihre männlichen
Kollegen angefeuert hatten, fanden das gar nicht witzig und schlossen einen
Besuch in Washington aus, bevor auch nur offiziell eine Einladung
ausgesprochen wurde.
24 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Sebastian Moll
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