# taz.de -- Bad Bunny beim Super Bowl: Hase gegen Hass
       
       > Gerade erst bekam er den Grammy für das "Album des Jahres", am Sonntag
       > tritt Bad Bunny beim Super Bowl auf. Wer ist der Künstler, der das
       > MAGA-Lager so reizt?
       
 (IMG) Bild: Bad Bunny bei der Grammy-Preisverleihung in Los Angeles am 1. Februar
       
       Wenn es gefährlich wird, verkriechen sich Hasen in einem Unterschlupf und
       warten ab, bis alles vorbei ist. Bad Bunny hingegen würde gar nicht erst
       einfallen, sich zu verstecken. Stattdessen sucht er die Konfrontation. Und
       ist damit aktuell wohl eine der unbequemsten Figuren der Popkultur.
       
       Bad Bunny heißt eigentlich Benito Antonio Martínez Ocasio und wuchs in Vega
       Baja, Puerto Rico, auf, als Sohn einer Lehrerin und eines Truckers. Und als
       Staatsbürger zweiter Klasse. Denn Puerto Rico ist ein US-Territorium:
       Dollar und US-Gesetze ja, Wahlrecht bei Präsidentschaftswahlen nein. 3,23
       Millionen Menschen ohne Stimme. Amerikanisch genug, um zu dienen und zu
       zahlen, nicht amerikanisch genug, um mitzuentscheiden. Dass von dort ein
       globaler Popstar kommt, der sich weigert, leise zu sein, macht sehr vielen
       Menschen Hoffnung – und manchen Angst.
       
       Als sein Album „DeBÍ TiRAR MáS FOToS“ vor wenigen Tagen als erstes rein
       spanischsprachiges Album überhaupt den Grammy für das „Album des Jahres“
       gewann, nutzte Bad Bunny die Dankesrede, um [1][Donald Trump und das
       brutale Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE] zu kritisieren. Auch in der
       Vergangenheit fiel der Künstler immer wieder mit deutlichen politischen
       Aussagen auf, kritisierte die US-Regierung für ihre Migrationspolitik oder
       setzte sich für die Rechte der LGBTQIA+-Community ein.
       
       Dementsprechend gespannt wird sein Auftritt auf einer der größten Bühnen
       der Welt erwartet: dem Super Bowl. Am 8. Februar 2026 wird er die
       Halftime-Show bestreiten – als erster Puerto-Ricaner überhaupt. Trump
       nannte die Entscheidung „absolut lächerlich“, konservative
       Kommentator:innen sprachen von „wokem Irrsinn“, das MAGA-Lager rief zum
       Boykott der Veranstaltung auf.
       
       ## Beim Musikhören gleichzeitig weinen und den Arsch schwingen
       
       Bad Bunnys Musik ist anschlussfähig, insbesondere für die 65 Millionen
       Latinos in den USA. Mit 20 Prozent der Gesamtbevölkerung sind sie die
       größte Minderheit des Landes. Seit 2018 mischt Bad Bunny Reggaeton mit
       Bachata, Salsa und Trap. Politische Songs stehen neben Liebesliedern, Wut
       neben Tanz. „Tití Me preguntó“ handelt von „mucha‘ novia‘“, seinen „vielen
       Freundinnen“, „El Apagón“ von Gentrifizierung und Widerstand in Puerto
       Rico.
       
       Im [2][Musikvideo zu „NUEVAYoL“] entschuldigt sich ein Trump-Deepfake bei
       Migrant:innen. Der Song endet mit der Zeile: Juntos somos más fuertes,
       zusammen sind wir stärker. Kulturanalytikerin Tefi Pessoa bringt es auf den
       Punkt: Niemand sonst schaffe es, dass man beim Musikhören gleichzeitig
       weinen und den Arsch schwingen will.
       
       Auch ästhetisch sprengt Bad Bunny Genregrenzen: Röcke und lackierte Nägel,
       High Fashion trifft auf traditionelle puertoricanische Kleidung. Im Video
       zu „Yo Perreo Sola“ tritt er in Drag auf, um auf sexualisierte Gewalt
       aufmerksam zu machen. Eine Provokation in Zeiten von Tradwife-Idealen,
       Incel-Kultur und Manosphere-Influencern.
       
       Dass Bad Bunny seine Halftime-Show komplett auf Spanisch spielen wird, hat
       in konservativen Kreisen scharfe Kritik ausgelöst. Auf den Aufschrei
       reagierte er gelassen. [3][Als Gastgeber bei „Saturday Night Live]“ sagte
       er im Oktober, vier Monate seien ja für alle noch genug Zeit, um Spanisch
       zu lernen.
       
       Was ist amerikanischer, als stolz auf seine Herkunft zu sein, sich
       einzumischen? In einem Land, das politisch immer kälter wird, ist Bad Bunny
       eine Stimme des Widerstands. Eine Hoffnung für Latinos, Queers,
       Demokrat:innen – und für alle, die kurz vergessen wollen, wie düster die
       Nachrichtenlage ist. Was wir da jetzt noch tun können? Na, weinen und den
       Hintern schwingen.
       
       8 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwerpunkt-USA-unter-Trump/!t5079612
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=KU5V5WZVcVE
 (DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=uQKGsvLH_Rw
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ann-Kathrin Leclere
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Super Bowl
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Puerto Rico
 (DIR) wochentaz
 (DIR) USA
 (DIR) Bad Bunny
 (DIR) Grammy
 (DIR) GNS
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Super Bowl
 (DIR) Bad Bunny
 (DIR) Superbowl
 (DIR) American Pie
 (DIR) ICE
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Halbzeit beim Super Bowl: Bad Bunny stiehlt Football die Show
       
       Das Konzert beim größten US-Sportevent war eine Liebeserklärung an
       lateinamerikanische Kulturen – und ein Gegenbild zu Trumps Vorstellung von
       „America“.
       
 (DIR) Super Bowl in den USA: Bad Bunny triumphiert, Trump tobt
       
       Latin-Star Bad Bunny liefert beim großen NFL-Finale eine bombastische Show
       mit viel politischer Symbolik. US-Präsident Trump ist verärgert.
       
 (DIR) Werbung beim Super Bowl: Politisch sein ist out
       
       Einst war der Super Bowl auch eine Bühne für Haltung. In den jetzigen,
       verunsicherten USA setzen Unternehmen aber auf seichte, risikofreie
       Werbung.
       
 (DIR) + + + USA unter Donald Trump + + +: Trump verteidigt sich nach Rassismus-Post
       
       Der US-Präsident sieht keine Schuld bei sich, nachdem das Weiße Haus einen
       Post, der eine rassistische Darstellung von Ex-Präsident Obama und dessen
       Frau enthielt, veröffentlicht und später wieder gelöscht hatte.
       
 (DIR) US-Sportler gegen ICE: Der Sport wacht langsam auf
       
       Nach der Black-Lives-Matter-Ära schienen die US-Sportstars verstummt. Nun
       melden sich doch die ersten Profis zur Gewalt in Minnesota zu Wort.
       
 (DIR) Protest bei den Grammys: Die Stimme der Kunst
       
       Bei der Grammy-Verleihung kritisieren Stars die Trump-Regierung und ICE
       aufs Schärfste. Zeit, dass auch hier Promis gegen die AfD laut werden.