# taz.de -- EU-Rohstoffpolitik: Gefahr erkannt, aber nicht gebannt
> Seit Jahren versucht die EU-Kommission mit viel Aufwand, die Abhängigkeit
> der Industrie von Rohstoffimporten zu verringern. Die Ergebnisse sind
> mager.
(IMG) Bild: Eine Hand voll seltene Erden: die Energiewende in Europa ist auf eine Vielzahl von Metallen angewiesen
Deutschland, Frankreich und die restlichen EU-Länder versorgen sich nicht
ausreichend sicher mit den notwendigen Rohstoffen, um ihre Ziele beim
Ausbau der Erneuerbaren Energien zu erreichen. Das ist Ergebnis eines
Berichts des Europäischen Rechnungshofes über die EU-Gesetzgebung, die die
sichere Versorgung mit kritischen Rohstoffen garantieren soll.
Ob Platin und Strontium für den Bau von Elektrolyseuren, [1][Seltene Erden
für die Dauermagneten in Windturbinen], Kobalt und Graphit für
leistungsfähige Batterien – die Energiewende in Europa ist auf eine
Vielzahl von Metallen angewiesen. Die meisten der besonders wichtigen
Rohstoffe werden eingeführt und bringen die EU-Staaten so in eine
gefährliche Abhängigkeit.
„Solange die EU noch Permanent-Magneten, Solarwafer oder Windturbinen
importieren kann, sind die Energiewende-Ziele nicht in Gefahr“, sagte Jan
Huth, federführender Autor des Rechnungshofs bei der Vorstellung des
Berichts. „Aber wir müssen uns von solchen Importen unabhängiger machen.“
Mit dem „Critical Raw Materials Act“ (CRMA) wollte sich die EU bis 2030 aus
dieser Abhängigkeit von nur wenigen Lieferländern, vor allem von China,
befreien. [2][Dafür gibt sie Quoten vor, um etwa den heimischen Bergbau und
die Kapazitäten zur Verarbeitung von Rohstoffen zu fördern] sowie
Recycling-Kapazitäten zu schaffen. Das Ziel: Bei keinem Rohstoff sollten
mehr als 65 Prozent des Bedarfs von nur einem einzigen Land gedeckt werden.
## Den Zielquoten hinterher
Fazit des EU-Rechnungshofs, vier Jahre vor dem geplanten Zieleinlauf: Keine
der angepeilten Quoten wird erreicht. So ist die EU bei 10 von 26
betrachteten Rohstoffen noch immer vollständig abhängig von Importen.
Keines der betrachteten und besonders wichtigen Seltenerdmetalle wird in
einem EU-Staat verarbeitet. Und ebenfalls 10 von 26 kritischen Rohstoffen
werden in der EU nicht recycelt.
„Ohne kritische Rohstoffe wird es keine Energiewende, keine
Wettbewerbsfähigkeit und keine strategische Autonomie geben“, sagte Keit
Pentus-Rosimannus, die als Mitglied des Rechnungshofs für die Prüfung
zuständig war. „Daher ist es für die EU entscheidend, sich stärker ins Zeug
zu legen [3][und ihre Verwundbarkeit auf diesem Gebiet zu verringern.]“
## Kritische Datenlage
Nicht einmal die Datengrundlage schätzen die EU-Prüfer als ausreichend ein,
um zu überprüfen, ob die gesetzten Ziele erreichbar sind. Zwar habe sich
die Qualität der Daten, die sogenannte „kritische“ Rohstoffe bewerten
insgesamt verbessert. Nach wie vor bestünden aber Datenlücken,
„insbesondere im Hinblick auf recycelte Rohstoffe und den Handel“, heißt es
in dem Bericht.
Als „kritisch“ bewertet die EU-Kommission Rohstoffe, die von
wirtschaftlicher Bedeutung sind und bei denen ein hohes Versorgungsrisiko
besteht, etwa, weil sie von nur einem Land produziert und geliefert werden.
Seit 2011 gibt die Kommission alle zwei Jahre eine Liste solcher Rohstoffe
heraus. Inzwischen existieren verschiedene Programme und Maßnahmen, um die
Versorgung der Industrie mit kritischen Rohstoffen sicherzustellen.
Laut Rechnungshof werden zwischen 2014 und 2027 „mehr als 1,8 Milliarden
Euro für Initiativen im Bereich kritischer Rohstoffe bereitgestellt“. Die
größten Beiträge stammen aus den Forschungsinitiativen Horizont 2020 und
Horizont Europa, gefolgt von den Fonds für die Bereiche Innovation,
Kohäsion und Entwicklung.
Was mit den bereitgestellten Geldern passiert ist, ist laut Rechnungshof
allerdings unklar. Es gebe „keine angemessene Verfolgung der Ergebnisse“,
heißt es. Die Kommission habe die Wirkung der Initiativen auf die
Versorgung der EU nicht analysiert. „So wurden beispielsweise EU-Mittel für
Projekte zur nachhaltigen Nutzung von Rohstoffen – einschließlich
Abfallverarbeitung, fortgeschrittener Werkstoffe und Substitution –
eingesetzt. Die Kommission kann jedoch die Wirkung dieser Finanzierung
nicht belegen“, so der Bericht.
2 Feb 2026
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## AUTOREN
(DIR) Heike Holdinghausen
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