# taz.de -- EU-Mercosur-Deal als Antwort auf Trump: Eben mal die Demokratie umgehen
> Auch wenn Mercosur für die EU nützlich ist, bleibt der Deal
> problematisch. Dass die Kommission ihn am Parlament vorbei durchdrückt,
> ist ein Skandal.
(IMG) Bild: Protest gegen das Mercosurabkommen in Straßburg. Das Abkommen wird trotzdem erst mal umgesetzt
Wieder einmal hängt das EU-Handelsabkommen mit dem Mercosur in der Luft.
Wenige Tage nachdem die Kommissionschefin und die Mercosur-Staatschefs
dessen Abschluss feierten, hat das Europaparlament [1][mit knapper Mehrheit
am Mittwoch dafür gestimmt], dass der Europäische Gerichtshof es überprüfen
soll.
Es gibt wohl kein Handelsabkommen, das von der Presse so häufig beerdigt
und wiederbelebt wurde. Und die Einigkeit darüber, wie wichtig das Abkommen
für Europa ist, ist groß – vom Straubinger Tagblatt bis zur Zeit. Die
ständigen Zolldrohungen von Donald Trump und jüngste Erhärtungen seines
Anspruchs auf Grönland befeuern allgemein das Verständnis, Europa müsse
Einigkeit demonstrieren und zeigen, dass es Handel mit anderen Partnern
treiben kann.
Die Weltlage ändert jedoch nichts an dem grundlegenden Problem, dass der
Deal zum allergrößten Teil Großkonzerne schädlicher Industrien begünstigt
und zu mehr Exporten von problematischen Waren führt: Die großen Gewinner
sind Verbrenner, Pestizide, Futtersoja, Rohstoffe, die Verlierer lokale
Märkte, Kleinbäuer*innen, Indigene und der Regenwald. Auf Nachverhandlungen
zum Klimaschutz folgten [2][Nachverhandlungen zu Schlupflöchern].
Das Abkommen steht einer Vision von nachhaltigem Handel und dem Vorrang von
sozialen und ökologischen Zielen gegenüber. Das Abkommen sollte nicht dazu
dienen, der Logik des Stärkeren nachzugeben. Europa sollte sich für globale
Regeln einsetzen, zum Beispiel die USA nicht [3][von der globalen
Mindeststeuer entbinden] oder mit den Schultern zucken, wenn Trump Schiffe
vor Venezuela abschießt.
Unter dem Druck der Kommission, das Mercosur-Abkommen durchzupeitschen,
leidet auch der demokratische Anspruch. Peinlich ist nicht, dass Europa
keine Einigung zum Mercosur-Abkommen findet, sondern dass die EU-Kommission
es an Parlamenten vorbei durchdrückt. Auch bei der Unterzeichnung war klar,
dass eine Mehrheit im Europaparlament wacklig ist.
Zuvor hat die Kommission die nationalen Parlamente umgangen, indem sie den
Handelsteil abgekoppelt hat, der ihre Zustimmung nicht benötigt – dabei ist
weiterhin völlig unklar, ob die Zusätze zu sozialen und ökologischen
Verpflichtungen dann noch gelten. Und nun droht Brüssel, den Vertrag auch
ohne Ratifizierung durch das Parlament provisorisch anzuwenden.
Das Gutachten des Europäischen Gerichtshofs abwarten, ob der Deal mit
EU-Recht vereinbar ist? Geschenkt! Dauert ja auch mindestens mehrere
Monate. Angesichts der Weltlage hatte auch Brasilien bislang offenbar keine
Zeit, der [4][Aufforderung des UN-Menschenrechtsausschusses] nachzukommen
und den Deal zu überprüfen.
22 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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