# taz.de -- Zugang zu kritischen Rohstoffen: Seltene Erden und neue Partner
       
       > Wenn die Amerikaner einladen, kommen die Deutschen angeflogen. Aber die
       > Gefahr, zum Spielball amerikanischer Interessen zu werden, ist groß.
       
 (IMG) Bild: Unübersichtliche neue Weltordnung: Bundes-finanzminister Lars Klingbeil (SPD) versucht in Washington, den Durchblick zu behalten
       
       Treffen sich zwei deutsche Minister auf dem Weg in die USA beim Tankstopp
       auf Island. Johann Wadephul, CDU-Außenminister, will seinen Amtskollegen
       Marco Rubio und UN-Generalsekretär Antonio Guterres in Washington und New
       York besuchen. Lars Klingbeil, Vizekanzler und SPD-Finanzminister, nimmt
       wiederum an einem Austausch über kritische Rohstoffe teil.
       
       Es ist Sonntagabend, Klingbeil ist eine halbe Stunde vor seinem Kollegen
       Wadephul im isländischen Keflavik gelandet, er will mal kurz „Hallo“ sagen.
       Als Wadephul also aus dem Flugzeug steigt und seine isländische Kollegin
       begrüßt, tippt ihm Klingbeil auf die Schulter. Wadephul dreht sich um, ist
       überrascht: „Ist das hier Klingonien?“
       
       Für kritische Rohstoffe ist eigentlich das Wirtschaftsministerium
       zuständig. Aber nach den Feiertagen hat Scott Bessent, der amerikanische
       Finanzminister, sich bei seinen Kollegen in den G7-Ländern und vier
       weiteren Ländern gemeldet und kurzfristig eingeladen. Also fliegen zwei
       deutsche Minister parallel in die USA.
       
       So ist das in der unübersichtlichen neuen Weltordnung: Sobald die USA mit
       den Fingern schnipsen und doch mal das Bedürfnis haben, etwas mit den
       westlichen Partnern zu besprechen, kommen diese angeflogen. Selbst wenn
       sie, wie im Falle Klingbeils, gar nicht genau wissen, über welchen
       Vorschlag die Amerikaner eigentlich sprechen wollen.
       
       Und wenn die Frage im Raum steht, inwieweit die USA eigentlich noch Partner
       sind oder irgendwelche rücksichtlosen Aliens wie die Klingonen aus „Star
       Trek“. Sowohl Wadephul als auch Klingbeil kritisieren vor Abreise
       gleichlautend den imperialen Appetit der US-Regierung auf Grönland: „Es ist
       allein Sache Grönlands und Dänemarks, über Fragen von Territorium und
       Souveränität von Grönland zu entscheiden“, so die Berliner Sprachregelung.
       
       ## Partner oder Gegner, das ist die Frage
       
       Auch in Washington packen die Finanzminister das Thema auf den Tisch, als
       sie am Sonntagabend im Café Milano, einem Stammlokal von Trumps
       MAGA-Leuten, zu Abend essen. Klingbeil sagt am Morgen danach, er sei
       „irritiert“ über die Diskussion in den USA und betont: „Unsere Solidarität
       ist da völlig klar.“ Dieses gemeinsame Signal hätten die Europäer auch beim
       Dinner gegenüber der US-Administration ausgesandt.
       
       Der Finanzminister ist deutlich skeptischer als der Außenminister,
       inwieweit man überhaupt noch von Partnerschaft sprechen kann. Klingbeil
       sagte vergangene Woche am Rande der SPD-Fraktionsklausur, die
       transatlantischen Beziehungen seien in Auflösung. „Wir sehen, dass die
       Diskussionen immer schwieriger werden, dass die Differenzen immer größer
       werden“, meint Klingbeil auch am Montagmorgen in Washington vor der Kulisse
       des Kapitols. Wadephul ist optimistischer: Natürlich gebe es zwischen engen
       Partnern auch immer unterschiedliche Sichtweisen, so der Außenminister am
       Sonntag vor der Abreise.
       
       Gilt das auch hinsichtlich rechtsstaatlicher Grundsätze? Am Sonntag, als
       die deutschen Regierungsmaschinen im Anflug auf Washington sind, macht der
       Chef der unabhängigen US-Notenbank öffentlich, dass die US-Regierung ihn
       mit fadenscheinigen Gründen vor Gericht zerren will, weil er sich weigert,
       ihre fiskalischen Vorgaben umzusetzen.
       
       Man nehme den Konflikt zur Kenntnis, sagt Klingbeil diplomatisch und
       betont: „Wir legen in Deutschland sehr viel Wert auf die Eigenständigkeit
       der Notenbanken.“
       
       Unterschiedliche Sichtweisen gibt es auch beim Umgang mit China. Offiziell
       geht es bei dem Finanzministertreffen, an dem neben den G7-Staaten auch
       Mexiko, Indien, Südkorea und Australien teilnehmen, um einen verlässlichen
       Zugang zu kritischen Rohstoffen, wie seltenen Erden. Die sind extrem
       nachgefragt, denn sie werden für die Produktion von Computerchips, Handys
       oder Batterien benötigt.
       
       ## Raus aus der Abhängigkeit von China
       
       Das Problem aus westlicher Sicht: Fast 70 Prozent der seltenen Erden kommen
       laut US-Angaben aus China. Die westlichen Industrieländer sind also extrem
       abhängig von China und damit erpressbar.
       
       Auch die [1][EU will ihre Abhängigkeit von China reduzieren], hat 2024 eine
       eigene Strategie beschlossen und will bis 2030 zehn Prozent des Bedarfs an
       seltenen Erden aus eigener Produktion decken. [2][Die USA sind da schon
       weiter.] Die Amerikaner haben die eigene Produktion bereits vor Jahren
       hochgefahren und wollen nun vollständig unabhängig von China werden. Hier
       wird schon länger eine Koalition gegen das chinesische Monopol diskutiert,
       die etwa Produzenten seltener Erden außerhalb von China mit garantierten
       Mindestpreisen bevorzugt.
       
       Man sei offen für die Diskussion über Mindestpreise, sagt Klingbeil am
       Montag noch vor dem eigentlichen Arbeitstreffen der Finanzminister. „Was
       ich allerdings nicht will, ist, das wir uns mit Staaten zusammenschließen
       und Politik gegen Dritte machen.“ Europa dürfe nicht zum Spielball werden,
       wenn es um den Zugang zu wichtigen Rohstoffen gehe.
       
       Nach den Gesprächen sagt der Finanzminister, das Treffen habe sich gelohnt,
       aber es gebe auch noch offene Fragen. Frankreich wolle das Thema „Seltene
       Erden“ zu einem Thema seiner G7-Präsidentschaft machen. Wichtig sei, sagt
       Klingbeil: „Wir sind kein Zusammenschluss von Ländern, der andere
       ausschließt.“ Die diskutierten Mindestpreise, so heißt es, sollen auch für
       Chinesische Produzenten von seltenen Erden gelten.
       
       Die Bundesregierung will Deutschland also nicht zum Teil einer
       Anti-China-Koalition machen. Im Gegenteil. Erst vor zwei Monaten reisten
       sowohl Wadephul als auch Klingbeil kurz nacheinander nach China, [3][um
       dort für eine verlässliche Lieferung kritischer Rohstoffe] zu werben. Die
       kommunistische Führung nun zu brüskieren, würde den bescheidenen Erfolg
       dieser Reisediplomatie zunichtemachen.
       
       Bundeskanzler Friedrich Merz will demnächst selbst nach China fliegen. Die
       Suche nach neuen Partnern wird für Deutschland und die EU zu einer Frage
       des eigenen Überlebens.
       
       12 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.aeb.com/de/magazin/artikel/crma-mineralien-cn.php
 (DIR) [2] https://www.swp-berlin.org/10.18449/2025A56/
 (DIR) [3] /Asientour-des-Vizekanzlers/!6131296
       
       ## AUTOREN
       
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