# taz.de -- Transatlantikerin über Rohstoffpolitik: „Es ist gut, dass die EU mit am Tisch sitzt“
       
       > Die USA verfolgen mit ihrem Rohstoffgipfel ihre geopolitischen
       > Interessen, sagt Stormy-Annika Mildner, Direktorin des Aspen Institutes
       > Germany.
       
 (IMG) Bild: Viele Fragen sind zu klären: Welche Rohstoffe sind wirklich kritisch, wie groß müssen Lager sein? Mine in Australien
       
       taz: Frau Mildner, die US-Regierung will eine globale Koalition schmieden,
       um die Dominanz Chinas bei der Verarbeitung seltener Erden zu brechen.
       Sollte die Europäische Union mitmachen? 
       
       Stormy-Annika Mildner: Es ist gut, dass die EU mit am Tisch sitzt. Die
       Initiative der Trump-Administration dient zwei großen Zielen, nämlich
       industrie- und sicherheitspolitisch unabhängig von China zu werden. Dafür
       haben die USA verschiedene Vorhaben lanciert, zum Beispiel eine
       strategische Rohstoffreserve und eben die Rohstoffallianz. Die
       Rohstoffpolitik ist zentraler Baustein der America-First-Agenda und fest in
       die neue nationale Sicherheitsstrategie eingebettet – genau diese Logik war
       auch in Davos und rund um den Konflikt um Grönland deutlich sichtbar.
       
       taz: Sind die USA insofern inzwischen eher Konkurrent als Partner in Sachen
       Rohstoffsicherung? 
       
       Mildner: Die vergangenen Wochen haben deutlich gemacht, wie
       konfliktanfällig das transatlantische Verhältnis inzwischen geworden ist.
       Zugleich wäre es strategisch kurzsichtig, wenn Staaten nun isoliert und im
       Wettbewerb gegeneinander um knappe Rohstoffe agieren würden. Entscheidend
       ist daher auch, dass die EU als Ganzes am Tisch sitzt – nicht nur einzelne
       Mitgliedstaaten. Wenn Länder wie Deutschland, Polen oder Frankreich primär
       als eigenständige Akteure auftreten, schwächt das die europäische
       Verhandlungsposition und macht Europa insgesamt kleiner, als es sein
       müsste.
       
       taz: Also kann die EU sich nur mit an den Tisch in Washington setzen? 
       
       Mildner: Es ist zentral, bestehende multilaterale Ansätze nicht zu
       unterminieren, sondern gezielt zu stärken. Dazu gehört insbesondere der von
       Kanada initiierte G7 Global Critical Minerals Action Plan. Auch wenn sich
       dieser noch in der Konkretisierung befindet, ist dies der richtige Schritt.
       Ob es gelingt, die USA dauerhaft in einen solchen multilateralen Rahmen
       einzubinden, bleibt offen. Strategisch entscheidend ist jedoch, dass es
       diese Formate als Gegengewicht zu nationalen Alleingängen und als Grundlage
       für eine koordinierte, resiliente Rohstoffpolitik gibt.
       
       taz: Die US-Regierung will Milliarden in die sichere Versorgung mit
       Rohstoffen stecken. Hat Europa darauf die richtige Antwort? 
       
       Mildner: Die EU und Deutschland stehen unter erheblichem Zeitdruck, ihre
       Industrien besser aufzustellen und zu sichern. Die Versorgung mit
       kritischen Rohstoffen ist dabei eine wichtige Komponente. Auffällig ist,
       dass die USA wie auch Europa ihre heutige Rohstoffpolitik aus demselben
       historischen Impuls heraus neu aufgesetzt haben: den chinesischen
       Exportbeschränkungen für seltene Erden gegenüber Japan in den Jahren
       2010/2011. Doch heute stehen wir erneut vor denselben strukturellen
       Problemen und diskutieren weitgehend dieselben Instrumente wie vor fünfzehn
       Jahren.
       
       taz: Welche? 
       
       Mildner: Zum Instrumentenkasten gehören unter anderem: die Bündelung der
       industriellen Nachfrage auf europäischer Ebene, die gezielte Absicherung
       von Investitionen durch Garantien und Abnahmeverträge sowie der
       beschleunigte Aufbau eigener Verarbeitungs- und Recyclingkapazitäten.
       Dringend notwendig sind zudem schnellere Genehmigungen für strategische
       Projekte. Gleichzeitig ist die Debatte über strategische Reserven noch
       offen. Welche Rohstoffe sind wirklich kritisch, wie groß müssen solche
       Lager sein und wer übernimmt Verantwortung und Kosten?
       
       taz: Welche Rolle spielen dabei bestehende Rohstoffpartnerschaften
       Deutschlands und der EU? Der EU-Rechnungshof hat ihnen erst am Montag
       bescheinigt, dass sie bisher kaum wirken … 
       
       Mildner: Rohstoffabkommen sind ein wichtiges Instrument für die EU: Sie
       setzen den Rahmen für Kooperation, schaffen Vertrauen, unterstützen bei
       Governance-Fragen und bei der Vorbereitung konkreter Projekte. Das sind
       zentrale Voraussetzungen, gerade in rohstoffreichen Partnerländern.
       Gleichzeitig ist die Kritik insofern berechtigt, als viele dieser
       Partnerschaften bislang vor allem auf der Ebene von Regierungsabkommen und
       Absichtserklärungen geblieben sind. Letztlich müssen sie noch stärker mit
       Leben gefüllt werden – und dafür braucht es stärkere wirtschaftliche
       Anreize, etwa durch Abnahmegarantien, Risikoteilung oder eine klarere
       europäische Nachfragebündelung.
       
       taz: Aktiv werden müssten die Unternehmen. Worauf warten sie? 
       
       Mildner: Die Wirtschaft schaut auf Risiken. Viele von diesen
       Partnerschaften betreffen hochrisikoreiche Länder, politisch und
       wirtschaftlich. Da scheuen sich die Unternehmen. Zudem sind viele von ihnen
       schon vor Jahrzehnten aus der Förderung und Verarbeitung von Rohstoffen
       ausgestiegen. Es gibt bislang wenig Interesse, wieder in Rohstoffprojekte
       einzusteigen. Es fehlt Expertise, es ist risikoreich und erfordert immense
       Investitionen. Bis im Rohstoffbereich neue Lieferketten entstehen, wird es
       noch dauern.
       
       4 Feb 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Heike Holdinghausen
       
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