# taz.de -- CDU-Angriffe auf den Sozialstaat: Überspannter Bogen
> Die CDU und ihr Umfeld fallen mit scharfen Forderungen gegen den
> Sozialstaat auf. Das könnte sich in diesem wichtigen Wahljahr als
> Bumerang erweisen.
(IMG) Bild: Teilzeitarbeit ohne Lifestyle im Call Center muss weiter möglich sein
Offenbar denken Teile der CDU, die Zeit sei reif dafür: In beachtlichem
Tempo hauen die Partei und ihr Umfeld Forderungen raus, die man als Angriff
auf den Sozialstaat und die Rechte von Arbeitnehmer*innen verstehen
muss. Die aber können sich als Bumerang erweisen. Ganz besonders vor den
wichtigen Landtagswahlen in diesem Jahr.
Zum einen bringt man mit so scharfen Forderungen die SPD gegen sich auf.
Die aber braucht man, um die versprochenen Sozialreformen durchzusetzen,
was ohnehin schwer genug wird. Gerade hat die Sozialstaatskommission im
Auftrag von SPD-Sozialministerin Bas die ersten Vorschläge gemacht, [1][die
parteiübergreifend grundsätzlich positiv bewertet] werden. Die Umsetzung
aber wird noch schwieriger, wenn man das Misstrauen der SPD weiter schürt.
Zum Zweiten dürften die Vorschläge auch einen Teil der eigenen Klientel
abschrecken. Noch gibt es CDU-Anhänger*innen, für die der „soziale“ Teil
der hiesigen Marktwirtschaft Bedeutung hat. Eine Analyse aus der
Parteizentrale hat die Wahlniederlage 2021 auch darauf zurückgeführt, dass
die CDU als Partei der sozialen Kälte wahrgenommen worden ist. Und dass
Merz so wenig Empathie und so viel Misstrauen ausstrahlt, führt mit zu
seinen miserablen Beliebtsheitswerten.
## Neue Vorschläge würden eigenes Klientel treffen
Hinzu kommt: Anders als beim Bürgergeld treffen einige der neuen Vorschläge
die eigene Klientel. Unter den CDU-Anhänger*innen sind zahlreiche Ehepaare,
in denen die Frau der „Lifestyle-Teilzeit“ nachgeht, wie der
CDU-Wirtschaftsflügel das genannt hat. Und es sind auch nicht alle
CDU-Wähler*innen privatversichert, sie wären von der Streichung von
Zahnarztbehandlungen aus den Leistungen der gesetzlichen
Krankenversicherung also direkt betroffen. [2][Das hat gerade der
parteinahe Lobbyverband „Wirtschaftsrat der CDU“ gefordert.]
Auch in CDU-Zentrale und Kanzleramt scheint man verstanden zu haben, dass
man den Bogen zu überspannen droht. Ein Regierungssprecher hat die
Zahnarztforderung einkassiert, der Generalsekretär die
„Lifestyle-Teilzeit“. Es wird ja bald gewählt in Baden-Württemberg und
Rheinland-Pfalz.
2 Feb 2026
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