# taz.de -- +++ ICE in den USA +++: Einsatz in Minnesota geht weiter, Springsteen vor Ort
> Eine US-Richterin lehnt den Stopp des ICE-Einsatzes in Minnesota ab.
> Bruce Springsteen tritt bei einer Benefizveranstaltung für Opfer der
> Behörde auf.
(IMG) Bild: Mit „Streets of Minneapolis“ protestiert Rocklegende Bruce Springsteen auf den Streets of Minneapolis gegen ICE
## Pistorius: Vorgehen von ICE in Deutschland unvorstellbar
Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat das Vorgehen der
US-Einwanderungsbehörde ICE gegen eigene Bürgerinnen und Bürger als
„unvorstellbar“ kritisiert. Die Vorgänge seien aus rechtsstaatlicher Sicht
befremdlich und widersprächen Deutschlands Anspruch an das Verhältnis
zwischen Staat und Bürger, sagte Pistorius dem „RedaktionsNetzwerk
Deutschland“.
„Bis zur Unkenntlichkeit maskierte, polizeiähnliche Kräfte, die schwer
bewaffnet Menschen auflauern, um sie abzuschieben, ist für uns
unvorstellbar“, betonte Pistorius. „Wenn sich in Deutschland die Polizei
oder eine Abschiebebehörde in Uniform so verhalten würde, würde der
zuständige Minister zurecht keine drei Tage politisch überleben.“
Auch der frühere Bundespräsident Christian Wulff verurteilte das gewaltsame
Vorgehen von Mitarbeitern der US-Einwanderungsbehörde in Minneapolis. In
einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (Samstag) verwies
der CDU-Politiker auf eine Äußerung der Philosophin Hannah Arendt. „Der Tod
der Empathie ist das erste und untrüglichste Zeichen dafür, dass eine
Kultur in die Barbarei verfällt“, sagte er. „Und was etwa in Minneapolis
mit Menschen gemacht wird, ist empathielos und unmenschlich.“
Auf die Frage, ob er die Gefahr sehe, dass die USA auf dem Weg in eine
Diktatur sei, antwortete Wulff: „Die Gefahr besteht. Anzeichen dafür gibt
es viele.“ Es sei unklar, ob die nächsten Wahlen frei stattfinden würden,
ob ein Regierungswechsel möglich sei, oder ob dieser manipuliert werde. Der
Historiker Timothy Snyder sei nach Kanada ausgewandert, weil er nicht mehr
frei wissenschaftlich arbeiten könne. „Begriffe werden eliminiert, Bücher
werden verboten.“ (epd)
## US-Richterin lehnt Stopp von ICE-Einsatz in Minnesota ab
In den USA ist der Bundesstaat Minnesota vorerst mit dem Versuch
gescheitert, das brachiale Vorgehen der Einwanderungsbehörde ICE bei der
Fahndung nach illegalen Einwanderern vor Gericht zu stoppen.
Bundesrichterin Kate Menendez lehnte am Samstag einen entsprechenden
Antrag der Generalstaatsanwaltschaft ab. Sie begründete dies damit, dass
ein Berufungsgericht eine einstweilige Verfügung gegen Taktiken der
Einwanderungsbehörde ausgesetzt habe. Ein kompletter Stopp des
ICE-Einsatzes ginge daher sicherlich zu weit.
Generalstaatsanwalt Keith Ellison hatte den ICE-Einsatzkräften rassistische
Diskriminierung, unrechtmäßige Festnahmen und das Schüren von Angst
vorgeworfen. Der Einsatz Tausender ICE-Leute in der Region Minneapolis-St.
Paul hatte zu [1][wochenlangen Protesten] geführt. Die Lage eskalierte
nach dem Tod zweier US-Bürger, die im Januar von ICE-Kräften erschossen
worden waren. Ellison zeigte sich von dem Urteil enttäuscht, kündigte
aber weitere Schritte an: „Dieser Fall steckt noch in den Kinderschuhen.“
(rtr)
## Trump schränkt Interventionen bei Protesten ein
Das US-Heimatschutzministerium soll nach dem Willen von US-Präsident Donald
Trump künftig nur dann bei Protesten in von Demokraten geführten Städten
eingreifen, wenn die lokalen Kommunen Hilfe vom Bund anfordern. Er habe
Heimatschutzministerin Kristi Noem eine entsprechende Anweisung gegeben,
schrieb Trump am Samstag (Ortszeit) auf der Plattform Truth Social. „Unter
keinen Umständen werden wir in mehreren schlecht geführten
Demokraten-Städten bei deren Protesten und/oder Unruhen eingreifen, bis sie
uns um Hilfe bitten.“
Wie sich seine Anweisung auf die Einsätze der Einwanderungsbehörde ICE und
anderer Bundesbehörden, die dem Heimatschutzministerium unterstellt sind,
auswirken würden, ließ er offen. Doch ergänzte er, dass man „sehr
entschlossen jedes Bundesgebäude schützen werde, das von diesen
hochbezahlten Verrückten, Aufwieglern und Aufständischen angegriffen“
werde. Der Behörde ICE und der für Grenzsicherung zuständigen Border Patrol
habe er dazu ebenfalls eine entsprechende Anweisung gegeben.
Auf dem Flug nach Florida sagte Trump am Samstagabend (Ortszeit), dass er
das Gefühl habe, dass von Demokraten geführte Städte sich „immer nur
beklagten“. „Wenn sie Hilfe wollen, müssen sie darum bitten. Denn wenn wir
eingreifen, beschweren sie sich nur.“ Zudem sagte Trump, dass Personen, die
„Einwanderungsbeamten oder anderen Bundespolizisten etwas antun“ würden,
leiden müssen“ und „mindestens auf die gleiche Weise behandelt“ werden
müssten. „Sehen Sie, wie sie unsere Leute behandeln. Und ich sagte, man
darf, wenn jemand so etwas tut, reagieren. Sie werden nicht einfach
dastehen und es hinnehmen, wenn Ihnen jemand ins Gesicht spuckt.“
Im Januar waren während Protesten gegen Trumps Migrationspolitik in
Minneapolis zwei US-Staatsangehörige durch Schüsse von Bundesbeamten
getötet worden. Tausende Menschen sind im Bundesstaat Minnesota und im Rest
der USA auf die Straße gegangen, um gegen das Vorgehen der Bundesbehörden
zu protestieren. (ap)
## Schatten-Netzwerk gegen ICE
Gellende Trillerpfeifen und hupende Autos: Gäbe es einen Soundtrack zum
Leben in Minneapolis in den vergangenen Wochen, dann würde er so klingen.
Er kommt von den Tausenden Menschen, die aus Protest gegen die „Operation
Metro Surge“ der Regierung von US-Präsident Donald Trump ICE-Beamten quer
durch die Stadt folgen. Unter ihnen sind Lehrkräfte, Forschende,
Kleinunternehmer und Kellner. Die gemeinsamen Ziele des großen und oft
anonymen Netzwerks bestehen darin, Einwanderern zu helfen, vor nahenden
Beamten zu warnen oder zu filmen, um die Welt über die Ereignisse zu
informieren.
Und es ist klar, dass die Beteiligten weiter machen werden – auch wenn das
Weiße Haus seit der Tötung von Alex Pretti am vergangenen Wochenende
gemäßigtere Töne anschlägt und unter anderem die Versetzung des
umstrittenen Grenzschutzeinsatzleiters Gregory Bovino ankündigte.
„Ich glaube, dass alle etwas besser geschlafen haben im Wissen, dass Bovino
aus Minneapolis rausgeworfen wurde“, sagt Andrew Fahlstrom, einer der
Leiter von Defend the 612, einem Hub für Freiwilligen-Netzwerke. „Aber ich
glaube nicht, dass sich an der Bedrohung, unter der wir stehen, etwas
ändern wird, weil sie die örtlichen Marionetten austauschen.“
Im politisch liberal geprägten Großraum Minneapolis-St. Paul organisierten
sich rasch Gruppen aus Aktivistinnen und Aktivisten. Freiwillige fingen an,
Einwanderer, die sich nicht aus dem Haus wagen, mit Lebensmitteln zu
beliefern, Menschen zur Arbeit zu fahren und vor Schulen Wache zu halten.
Sie bildeten überlappende Netze aus Dutzenden bis Hunderten Gruppen für ein
schnelles Eingreifen – komplexe Systeme aus Tausenden Freiwilligen, die
ICE-Beamte tracken und über verschlüsselte Messenger-Apps wie Signal
kommunizieren.
Das Tracking besteht häufig darin, Bewegungen von Konvois und Kennzeichen
von möglichen Bundesfahrzeugen zu melden. Regelmäßig bilden Protestierende
Karawanen hinter ICE-Konvois. Wenn Agenten anhalten, um jemanden
festzunehmen oder zu befragen, melden die Netzwerke den Standort und rufen
dort Menschen zusammen, um mit Pfeifen und Hupkonzerten zu protestieren,
die Geschehnisse zu filmen und Festgenommenen rechtliche Ratschläge
zuzurufen.
Andere Aktivisten im Land verfolgen eine zurückhaltendere Linie. „Laut
bedeutet nicht effektiv“, erklärte vor kurzem eine Gruppe in einem von
vielen Einwanderern bewohnten Bezirk von Maryland. Sie verzichtet nach
eigenen Angaben auf den Einsatz von Trillerpfeifen, um zusätzliche
Eskalationen zu vermeiden. „Das ist kein Action-Film“, hieß es in einem
Social-Media-Post der Gruppe. „Sie befinden sich nicht in einem Zweikampf
mit ICE.“ (ap)
## US-Richter ordnet Freilassung von Fünfjährigem an
Ein US-Bundesrichter hat die Freilassung eines fünfjährigen Jungen und
dessen Vater angeordnet, die im Bundesstaat Minnesota von Beamten der
Einwanderungsbehörde ICE festgesetzt und nach Texas gebracht worden sind.
Bis spätestens Dienstag müssten sie aus dem Haftzentrum im texanischen
Dilley entlassen werden, verfügte Richter Fred Biery mit Sitz in San
Antonio am Samstag (Ortszeit). Zugleich äußerte er scharfe Kritik an der
Migrationspolitik der Regierung von Präsident Donald Trump.
Der Fall habe seinen „Ursprung im schlecht durchdachten und inkompetent
umgesetzten Bestreben der Regierung, tägliche Abschiebequoten einzuhalten –
offenbar selbst dann, wenn damit die Traumatisierung von Kindern
einhergeht“, erklärte Biery. Seiner schriftlichen Begründung fügte er ein
Foto von dem fünfjährigen Liam und zwei Bibelstellen bei: „Jesus sagte:
‚Lasst die Kinder zu mir kommen und hindert sie nicht daran, denn solchen
gehört das Himmelreich‘“, sowie der Vers: „Jesus weinte.“
Liam und sein Vater waren am 20. Januar vor ihrem Haus in einem Vorort von
Minneapolis in Gewahrsam genommen worden. Nachbarn und Vertreterinnen des
zuständigen Schulbezirks schilderten später, ICE-Beamte hätten den Jungen
als „Köder“ benutzt, indem sie ihn aufgefordert hatten, an der Haustür zu
klingeln, damit seine Mutter öffne.
Das Heimatschutzministerium wies diese Darstellung als „blanke Lüge“
zurück. Der Vater sei vielmehr zu Fuß geflohen und habe den Jungen in einem
Fahrzeug mit laufendem Motor in der Einfahrt zurückgelassen.
Bundesbeamte betonten zudem, der Vater habe sich illegal in den USA
aufgehalten. Er sei im Dezember 2024 aus Ecuador eingereist. Der Anwalt der
betroffenen Familie erklärte hingegen, der Vater befinde sich in einem
laufenden Asylverfahren, das es ihm erlaube, im Land zu bleiben.
In den sozialen Medien machten Fotos von Liam die Runde, die ihn von
ICE-Agenten umringt mit einer Hasenmütze auf dem Kopf und einem Rucksack
mit Spiderman-Motiv vor seinem Elternhaus zeigen. Die Bilder lösten in
Minnesota und im Rest der USA noch mehr Empörung über die Migrationspolitik
der Regierung aus. Demonstranten zogen vor das Haftzentrum in Dilley in
Südtexas, in das Vater und Sohn gebracht wurden. Zwei Kongressabgeordnete
der Demokraten, Jasmine Crockett und Joaquín Castro, besuchten die beiden
in der Einrichtung.
Der Vater habe berichtet, dass Liam im Haftzentrum häufig müde sei und
schlecht esse, erklärte Castro im Anschluss. In der Einrichtung sind 1.100
Menschen untergebracht. Inhaftierte Familien berichten seit der
Wiedereröffnung des Zentrums im vergangenen Jahr über schlechte
Bedingungen: Im Essen seien Würmer, zudem gebe es Gerangel um sauberes
Trinkwasser und mangelhafte medizinische Versorgung. Im Dezember räumte ICE
in einem Bericht ein, etwa 400 Kinder länger als die empfohlene Höchstdauer
von 20 Tagen dort festgehalten zu haben.
Bundesrichter Biery hatte bereits diese Woche per einstweiliger Verfügung
eine Abschiebung des Jungen und seines Vaters untersagt. Die Kanzlei der
auf Asylrecht spezialisierten Anwältin Jennifer Scarborough erklärte am
Samstag, man arbeite nun daran, dass Liam und sein Vater zeitnah wieder mit
ihrer Familie vereint sein könnten. (ap)
## Springsteen singt Protestlied in Minneapolis
[2][US-Rocklegende Bruce Springsteen] (76, „Born in the U.S.A.“) ist
überraschend in Minneapolis mit seinem Protest-Lied zu den tödlichen
Schüssen auf zwei US-Bürger aufgetreten. Er sang am Freitagabend (Ortszeit)
„Streets of Minneapolis“ – eine Protesthymne gegen die umstrittenen
Abschiebe-Razzien von teils vermummten Bundesbeamten. Springsteen
bezeichnet sie im Song als „Privatarmee von König Trump“. Als auf dem
Tom-Morello-Konzert Überraschungsgast Springsteen auf die Bühne trat, gab
es große Begeisterung im Publikum in der US-Stadt im Norden der USA.
Laut dem Magazin Rolling Stone handelte es sich um eine
Benefiz-Veranstaltung für die Familien von Renée Good und Alex Pretti, die
bei zwei Einsätzen von Bundesbeamten im Januar erschossen worden waren. Die
Einsätze und Razzien sind Teil der rigorosen Abschiebe-Politik der
[3][US-Regierung von Donald Trump.]
Der Tod der beiden US-Bürger löste eine große Empörungswelle im ganzen Land
aus. Der TV-Sender CNN berichtete, dass sich das Konzertpublikum nach der
Performance dem Protest auf der Straße der Stadt angeschlossen habe.
Seit Wochen wird in Minneapolis gegen die Razzien gegen Migranten
protestiert. Die US-Regierung hatte besonders viele Einsatzkräfte in die
Stadt geschickt – gegen den Willen der demokratisch regierten Kommune und
gegen den Willen des US-Bundesstaats Minnesota. (dpa)
1 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Prostest-gegen-US-Einwanderungspolitik/!6150164
(DIR) [2] /Protest-Song-von-Bruce-Springsteen-Eine-Hymne-gegen-ICE/!6149768
(DIR) [3] /Autor-Stephen-Marche-ueber-Trumps-Irrsinn/!6146988
## TAGS
(DIR) ICE
(DIR) Abschiebung
(DIR) Schwerpunkt Flucht
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Minnesota
(DIR) Bruce Springsteen
(DIR) Minneapolis
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Minnesota
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Nach tödlichen Schüssen in Minneapolis: ICE-Gewalt führt zu Regierungs-Shutdown in den USA
Weil ein im Senat erzielter Haushaltskompromiss durchs Repräsentantenhaus
abgestimmt werden muss, ließ sich ein kurzzeitiger Shutdown nicht
verhindern.
(DIR) Proteste gegen Trump und ICE: Minneapolis gibt nicht auf
Erneut gingen Zehntausende am Freitag in der Stadt auf die Straße. Und auch
andernorts in den USA fanden Demos statt. Die vorübergehende Festnahme
zweier Journalist:innen sorgte für zusätzlichen Unmut.
(DIR) Nach ICE-Einsätzen in den USA: Forderungen nach Rücktritt von Heimatschutzministerin Noem
Nach dem Tod zweier US-Amerikaner in Minneapolis fordern nicht nur
Demokraten den Rücktritt der Heimatschutzministerin. Trump steht noch
hinter ihr.