# taz.de -- Protestsong von Bruce Springsteen: Der Boss steht auf der richtigen Seite
       
       > Sänger Bruce Springsteen hat am Mittwoch „Streets of Minneapolis“ in
       > Solidarität mit den Protesten veröffentlicht. Er knüpft damit an eine
       > linke US-Tradition an.
       
 (IMG) Bild: Bruce Springsteen bei seiner Welttour 2025
       
       Ein gutes Beispiel für die mögliche Direktheit von Musik. Entweder man
       nimmt abrupt die Kopfhörer aus den Ohren, weil dieses Lied ja etwas
       Rockistisches hat, der Boss halt. Oder das Lied schlägt eine Saite bei
       einem an. Auf jeden Fall ist, so oder so, auf der Stelle klar, worum es
       geht.
       
       Dass [1][Bruce Springsteen] gegen Trump und ICE ist, ist keineswegs
       überraschend. Er hat sich auf der Bühne und medial schon mehrfach gegen die
       autokratischen Tendenzen des MAGA-Amerika ausgesprochen. Doch das reine
       Protestieren reicht nicht mehr, sagt sein Song „Streets of Minneapolis“.
       
       Ein Moment von „Genug ist genug“ in Richtung des rechten Amerika liegt in
       ihm, die Erschießungen von [2][Renée Good] und Alex Pretti durch
       ICE-Paramilitärs waren die Umdrehung zu viel. „We’ll remember the names“,
       singt Springsteen. Und das Lied enthält, ohne es auszusprechen, auch dieses
       Pete-Seeger-Moment von „Which Side Are You On?“. Er ist eine Hymne auf die
       Anti-ICE-Aktivisten in Minneapolis: „Whistles and phones / Against Miller
       and Noem’s dirty lies“.
       
       ## Sie zerstören unser Zuhause
       
       Während in Europa Politiker und Intellektuelle darüber nachdenken, wie man
       sich von den USA lösen kann, schreibt sich [3][Springsteen] in die
       Tradition des US-Protestsongs ein und erinnert an die andere, die gute
       Seite der USA. Mehr noch, er behauptet mit seinem we die
       selbstverständliche Existenz dieser guten Seite – „Here in our home they
       killed and roamed“, singt er. Our home!
       
       Die sind also die Außenseiter, und es ist klar, wer gemeint ist: die
       gepanzerten ICE-Männer. Das ist nicht subtil. Das ist auch Mainstream, so
       wie es hier mit gepresster Stimme gesungen wird. Aber in der gegenwärtigen
       Situation muss man eben direkt sein, das sagt Bruce Springsteen in diesem
       Lied.
       
       Bei alledem kann man auch an einen inzwischen fast ein halbes Jahrhundert
       alten anderen Song denken: an „Ohio“ von Neil Young, performed von Crosby,
       Stills, Nash & Young. Nachdem in Ohio, an der Kent State Universität, 1970
       vier Studenten bei einer Antikriegsdemonstration von der Nationalgarde
       erschossen worden waren („Tin Soldiers and Nixon coming“), fragte Neil
       Youngs klagende Stimme in dem Lied immer wieder: „Why?“ Das fragt Bruce
       Springsteen gar nicht erst, muss er auch nicht, die Hintergründe sind ja
       ganz klar. Man kann nur hoffen, dass er mit seiner kämpferischen Attitüde
       recht behält.
       
       29 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Deutschlandtour-von-Bruce-Springsteen/!6093438
 (DIR) [2] /Erschiessung-von-Renee-Nicole-Good/!6140212
 (DIR) [3] /Springsteen-Biopic-im-Kino/!6116991
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dirk Knipphals
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bruce Springsteen
 (DIR) USA
 (DIR) Musik
 (DIR) Minneapolis
 (DIR) Minneapolis
 (DIR) Politisches Buch
 (DIR) Kolumne Gesten der Macht
 (DIR) ICE
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
 (DIR) Bruce Springsteen
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Widerstand in Minneapolis: Kunst erhöht den Druck
       
       Die Proteste gegen die gewaltvollen Razzien in Minnesota gehen weiter. Auch
       Künstler:innen setzten sich dagegen ein. Die Formen sind vielfältig.
       
 (DIR) Trump und das US-Fernsehen: Eine perfekte Symbiose
       
       In seinem Buch „Alle Scheinwerfer auf mich!“ untersucht „New York
       Times“-Journalist James Poniewozik den Aufstieg Trumps im Kabelfernsehen.
       Er fragt: Wer kontrolliert hier wen?
       
 (DIR) Warum tragen ICE-Schergen Masken?: Souverän ist, wer über Anonymität entscheidet
       
       Trumps ICE-Truppen vermummen sich mit Schlauchschals. Ihr Auftreten als
       anonymer Block vermittelt die autoritäre Botschaft: Wir sind unantastbar.
       
 (DIR) Tödliche Übergriffe von ICE: Warum es falsch ist, ICE mit dem NS zu vergleichen
       
       Die US-amerikanischen ICE-Milizen mit Gestapo oder SA zu vergleichen,
       bringt nichts außer Lähmung. Besser wäre, etwas gegen die Willkür zu tun.
       
 (DIR) Proteste gegen Trump und ICE: Minneapolis gibt nicht auf
       
       Erneut gingen Zehntausende am Freitag in der Stadt auf die Straße. Und auch
       andernorts in den USA fanden Demos statt. Die vorübergehende Festnahme
       zweier Journalist:innen sorgte für zusätzlichen Unmut.
       
 (DIR) +++ USA unter Trump +++: Zolldrohungen und Trumps Favorit für den neuen Notenbankchef
       
       US-Präsident Trump droht Kanada und Kuba mit neuen Zöllen. Außerdem
       verkündet er heute wahrscheinlich seinen Favoriten die Leitung der
       Notenbank.
       
 (DIR) Ein Jahr USA unter Trump: Amerika, ein Jahr später
       
       Donald Trump ist seit einem Jahr zum zweiten Mal Präsident – eine
       Zwischenbilanz aus den USA zwischen Repression, Protest und kultureller
       Gegenwehr.
       
 (DIR) Erschießung von Renee Nicole Good: Hilflose Empörung und Verweis auf ein Gedicht
       
       Nach den tödlichen Schüssen in Minneapolis starrte man fassungslos auf
       seinen Bildschirm. Trumps Leute bauen sich ihre eigene Wirklichkeit.
       
 (DIR) Deutschlandtour von Bruce Springsteen: Hymnen, Träume und Albträume
       
       Bruce Springsteen startet am Mittwoch seine Deutschlandkonzerte. In der
       US-Heimat ist er bei den Konservativen verhasst. Höchste Zeit für eine
       Lebensbilanz.