# taz.de -- NGO fördert Medienschaffende: Safety first bei der Berichterstattung
       
       > Seit Jahren bietet eine NGO Sicherheitstrainings für Journalist*innen
       > in Konfliktregionen an. Nun verschiebt sie ihren Fokus auf die USA.
       
 (IMG) Bild: Journalistin Georgia Fort Mitte Februar vor ihrer Anhörung in St. Paul, Minnesota
       
       Noch vor Tagesanbruch stehen Bundesbeamte vor der Tür von Georgia Fort in
       Minnesota, um die 36-Jährige festzunehmen. Es ist Ende Januar, kurz zuvor
       hatte die preisgekrönte Journalistin über eine Protestaktion gegen die
       US-amerikanische Migrationspolitik in einer Kirche in St. Paul berichtet.
       „Meine Freiheitsrechte als Journalistin werden verletzt“, sagt sie in einem
       Video, das sie unmittelbar vor der Verhaftung selbst aufnimmt.
       
       Die Situation für Medienschaffende in den USA wird immer bedrohlicher – und
       das nicht erst seit den landesweiten Protesten gegen die
       [1][Einwanderungsbehörde ICE]. Schon im September, nach dem Attentat auf
       Charlie Kirk, warnte Reporter ohne Grenzen vor einer „regelrechten
       Eskalation“ in Sachen Pressefreiheit.
       
       Doch während der Druck auf die Branche weiter wächst, entstehen auch neue
       Strukturen, in denen sich Journalist*innen gegenseitig unterstützen,
       schützen und ihr Wissen miteinander teilen.
       
       So veröffentlichten die International Women’s Media Foundation (IWMF), die
       National Association of Black Journalists (NABJ) und das Reporters
       Committee for Freedom of the Press (RCFP) nach der Festnahme Georgia Forts
       und ihres Kollegen Don Lemon [2][ein gemeinsames Statement], in dem sie die
       Bedrohung des first amendments, dem Recht auf freie Meinungsäußerung,
       anprangerten. Sie betonten außerdem, dass es sich bei der Verhaftung von
       Journalist*innen, die öffentliche Angelegenheiten dokumentieren, um eine
       „Vergeltungsmaßnahme gegen die Presse“ handele.
       
       ## Auf Gefahren vorbereiten
       
       In ihrer Solidaritätsbekundung machen sie deutlich: Wenn Medienschaffende
       für ihre Berichterstattung kriminalisiert werden, ist auch das grundlegende
       demokratische Recht der Öffentlichkeit auf Information in Gefahr.
       
       Die IWMF gibt es seit 1990, sie hat ihren Sitz in Washington DC. Um
       insbesondere Journalistinnen und nicht binäre Medienschaffende zu fördern,
       vergibt die Stiftung seit Jahren gezielt Reporting-Stipendien und verleiht
       Preise. Ihr Ziel: strukturelle Ungleichheiten im Journalismus ausgleichen
       und Reporter*innen Zugang zu Recherchen ermöglichen, für die ihnen
       sonst die Ressourcen fehlen. Zudem gehören Sicherheitstrainings zum Kern
       der Arbeit der IWMF, ursprünglich vor allem für Auslandsrecherchen in
       Krisen- und Konfliktregionen.
       
       Seit 2024 liegt ein besonderer Fokus auf der Sicherheit von
       Journalist*innen innerhalb der USA selbst, erst in Vorbereitung auf den
       Präsidentschaftswahlkampf, später intensiviert durch das zunehmend
       feindliche politische Klima.
       
       Die Sicherheitstrainings vermitteln Journalist*innen, wie sie sich
       beispielsweise auf potenziell gewaltsame Proteste und digitale Anfeindungen
       vorbereiten. Bei den Trainings geht es auch um „Newsroom Safety“, also
       darum, Sicherheitskultur fest in redaktionelle Abläufe zu integrieren:
       Risikoanalysen vor Recherchen, Gespräche über Worst-Case-Szenarien und wann
       es besser ist, aus der Berichterstattung wieder auszusteigen, die
       Festlegung einer Kontaktperson in der Redaktion, bei der sich die
       Reporterin von unterwegs regelmäßig meldet, Bereitstellung von
       Schutzausrüstung, Zugang zu Notfallfonds und Hilfe bei psychischen
       Belastungen.
       
       ## Schutzstrukturen in den USA so notwendig wie in Krisenregionen
       
       Diese Angebote stehen inzwischen ausdrücklich Journalist*innen aller
       Geschlechter offen, weil, so heißt es von der Stiftung, Sicherheit und
       Wissen essenziell für die Arbeit aller sei.
       
       Dass die IWMF sich nun vermehrt auf die USA konzentriert, ist auch als
       politisches Signal gemeint: Die Bedrohungslage im eigenen Land gilt
       mittlerweile als so gravierend, dass Schutzstrukturen im Inland genauso
       notwendig sind wie in klassischen Krisenregionen.
       
       „Besonders gefährdet sind trans- und nicht binäre Journalist*innen“, sagt
       IWMF-Direktorin Nadine Hoffman auf taz-Anfrage. „Das Ausmaß an Hass und
       Onlineangriffen ist enorm.“ Trans- und nicht binäre Journalist*innen
       erlebten demnach nicht nur berufsbezogene Anfeindungen, sondern eine
       doppelte Feindseligkeit: Sie würden als Medienschaffende attackiert und
       zugleich aufgrund ihrer Identität.
       
       In einem politischen Klima, das Queerfeindlichkeit zunehmend normalisiere,
       potenziere sich ihr Risiko erheblich. Ziel sei es, so Hoffman, ihre
       Einsatzfähigkeit trotz wachsender Bedrohungen zu sichern.
       
       8 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /ICE/!t6143939
 (DIR) [2] https://www.iwmf.org/2026/01/iwmf-alarmed-by-arrests-of-georgia-fort-and-don-lemon/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Julia Belzig
       
       ## TAGS
       
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