# taz.de -- Proteste gegen ICE in Minneapolis: Organisierter Widerstand lohnt sich
> Die Menschen in Minneapolis konnten ICE so stark entgegentreten, weil sie
> sich seit Wochen organisieren. Diese Netzwerke braucht es auch
> hierzulande.
(IMG) Bild: Im Ernstfall sind es nicht Vorräte im Keller, die einen retten, sondern die Nachbarn
Es ist eine Frau in pinkfarbener Jacke, die die tödlichen Schüsse von
US-Grenzschützern auf Alex Pretti gefilmt hat. Erst stolpert sie noch über
einen Haufen Schnee. Sekunden später hält sie die Bilder fest, die die
Regierungserzählung des „[1][inländischen Terroristen]“ Pretti im Keim
ersticken werden.
Es mag wie Zufall wirken, dass diese Bilder uns erreicht haben. Doch das
ist es nicht. Denn die Zivilgesellschaft in Minneapolis hat in den
vergangenen Wochen Tausende Menschen zu sogenannten Verfassungsbeobachtern
ausgebildet. [2][In Workshops] lernen sie ihre von der Verfassung
garantierten Rechte. In Rollenspielen üben sie, ICE-Einsätze zu
dokumentieren. Es wirkt simpel. Aber in einer Stadt, in der Bürger:innen
von Bundespolizisten erschossen werden, weil sie auf ihre Rechte pochen,
ist die Rolle des Verfassungsbeobachters eine zugängliche und wirksame Form
des Widerstands. Eine Organisation allein hat [3][65.000 Menschen
ausgebildet].
Doch die akribische Dokumentation ist nicht das einzige Mittel der
Zivilgesellschaft. Über Signal-Chats beobachten Anwohner:innen die
Bewegungen von ICE und schwärmen aus, sobald Einsätze gemeldet werden. Sie
organisieren Essenslieferungen an besonders gefährdete Menschen. Planen
Lärmdemos vor Hotels, in denen ICE-Leute übernachten. Und legten mit dem
ersten Generalstreik seit fast hundert Jahren die Stadt lahm. Die durch
jahrzehntelanges Organizing von Gewerkschaften und Bewegungen gestärkten
Netzwerke in Minneapolis beweisen: Im Ernstfall sind es nicht die Vorräte
im Keller, die einen retten, sondern die Nachbarn.
Trump hat in Minneapolis die Konfrontation gesucht. Bilder von
Straßenschlachten hätten ihm, der jetzt schon damit liebäugelt, die
Midterm-Wahlen im November abzusagen, genützt. Doch im Kampf um die
öffentliche Meinung haben die Menschen von Minneapolis vorerst gesiegt.
Unternehmenschefs wie Apples Tim Cook sehen sich durch Kritik aus ihrer
Belegschaft zu Statements genötigt. Heimatschutzministerin Kirsti Noem sei
„inkompetent“ und müsse gehen, sagt der republikanische Senator von North
Carolina, Thom Tills. Fast die Hälfte der Bevölkerung will mittlerweile die
Abschaffung von ICE. 61 Prozent geht das Vorgehen zu weit. Den bisher
hasenfüßigen Widerstand der Demokraten im Kongress könnte das beflügeln.
In Deutschland kann man sich über den Zwischenerfolg der Zivilgesellschaft
in den USA freuen. Trotzdem: Das nächste Kapitel von Trumps Horrorshow
kommt sicher. Dem Treiben des Präsidenten fasziniert zuzuschauen, reicht
nicht. Denn die Abschiebefantasien, die die ICE-Maschinerie antreiben, sind
auch in Deutschland längst salonfähig. Man erinnere sich nur an Olaf Scholz
(„Wir müssen endlich im großen Stil abschieben“). Oder an die AfD-Fraktion
in Bayern, die vergangene Woche eine [4][Sonderpolizei nach dem Vorbild von
ICE] forderte. In Deutschland gilt es jetzt, [5][Netzwerke aufzubauen], die
in der Lage sind, der deutschen Variante des MAGA-Faschismus
entgegenzutreten.
31 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ist-es-vom-Voelkerrecht-gedeckt-Terror-Verdaechtige-zu-toeten/!6134466
(DIR) [2] https://copalmn.org/wp-content/uploads/2025/08/PDF-Handbook.pdf
(DIR) [3] /Iran-und-Minneapolis/!6149000
(DIR) [4] /Trumps-USA-als-Vorbild/!6148778
(DIR) [5] https://7yov5.r.sp1-brevo.net/mk/mr/sh/1t6AVsd2XFnIGK8DyrJzdI3LlBotHw/bsC9jBWbbbJj
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(DIR) Mitsuo Iwamoto
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