# taz.de -- Unser Fenster nach Russland: Russischer Imperialismus: Vergangenheit, Gegenwart und Verantwortung
       
       > Wie wirkt russischer Imperialismus heute? Sergej Lebedew und Anastasia
       > Tikhomirova diskutieren Geschichte, Krieg, Verantwortung und Exil.
       
       Russischer Imperialismus ist kein neues Phänomen der Gegenwart. Doch in den
       vergangenen Jahren haben sich seine Formen, seine Rhetorik und seine
       Instrumente deutlich verändert – insbesondere im postsowjetischen Raum.
       Zugleich stellt sich zunehmend die Frage, ob bereits dieser Begriff
       „postsowjetischer Raum“ selbst ein Fortleben imperialen Denkens in sich
       trägt.
       
       Der Podcast widmet sich der Frage, was russischer Imperialismus historisch
       bedeutete und wie er heute wirkt. Diskutiert wird, wie imperiale Strukturen
       den Kaukasus, Zentralasien, die baltischen Staaten und große Teile
       Osteuropas geprägt haben – politisch, kulturell und gesellschaftlich. Dabei
       wird deutlich, dass der aktuelle Krieg gegen die Ukraine nicht isoliert
       betrachtet werden kann, sondern Teil einer langen Geschichte militärischer
       Expansion, innerer Kolonisierung und systematischer Verdrängung von
       Verantwortung ist.
       
       Zu Gast ist [1][Sergej Lebedew], russischer Schriftsteller im Exil in
       Deutschland. In seinen Romanen setzt er sich intensiv mit der Stalinzeit,
       mit verdrängten Gewaltgeschichten und mit oppositionellen Stimmen in
       Russland auseinander. Seine Bücher erscheinen in deutscher Übersetzung im
       Fischer Verlag. Ebenfalls zu Gast ist [2][Anastasia Tikhomirova],
       Redakteurin der Zeit, Journalistin und Kulturwissenschaftlerin. Zu ihren
       Arbeitsschwerpunkten zählen russischer Imperialismus, Kolonialismus und
       Erinnerungspolitik.
       
       ## Staatliche Gewalt in Russland bleibt straflos
       
       Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die wiederkehrende Straflosigkeit
       staatlicher Gewalt in Russland. Lebedew beschreibt sie als strukturelles
       Problem: „In Russland beobachten wir seit Jahrzehnten eine Wiederholung von
       Zyklen der Straflosigkeit. Putin wurde 1999 zum Kriegsverbrecher – mit dem
       Beginn des zweiten Krieges gegen Tschetschenien und dem gezielten Einsatz
       militärischer Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Dennoch war es niemals
       eine zentrale Forderung der russischen Opposition, die Regierung für diese
       Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen – für die schlimmsten aller
       Verbrechen“, sagt Lebedew. Korruption wurde thematisiert – das vergossene
       Blut hingegen blieb oft ausgeblendet.
       
       Anastasia Tikhomirova greift diese Analyse auf und weitet sie auf die
       Gegenwart aus. Sie stellt die unbequeme Frage nach kollektiver
       Verantwortung russischer Bürger:innen im Zusammenhang mit dem Krieg
       gegen die Ukraine. Was bedeutet Verantwortung jenseits individueller
       Schuld? Und welche Rolle kommt dabei der russischen Diaspora sowie der
       Opposition im Exil zu?
       
       [3][Osteuropa gehört zu den Schwerpunkten der taz Panter Stiftung], die
       dorthin blickt, wo der Zugang zu Informationen immer schwieriger wird –
       Russland und Belarus gehören dazu. Am letzten Tag im Monat erscheint eine
       neue Podcastfolge von „Unser Fenster nach Russland/Belarus“ im
       Podcastformat „Freie Rede“ der [4][taz Panter Stiftung].
       
       31 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Autor-Lebedew-ueber-russische-Opposition/!6087618
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tigran Petrosyan
       
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