# taz.de -- Russische Soldaten in Estland: Das Baltikum ist kein Ort für russische Deserteure
       
       > Estland will keine Russen im Land, die im Ukrainekrieg gekämpft haben.
       > Nicht einmal dann, wenn sie dem Militär mutig den Rücken gekehrt haben.
       
 (IMG) Bild: Der estnische Aupenminister Margus Tsahkna will keine russischen Kämpfer mehr in seinem Land
       
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       wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen kritischen Medien.
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       Am 11. Februar 2026 öffnet [2][Novaya Gazeta Europe] mit dem [3][folgenden
       Beitrag] ein Fenster nach Russland. 
       
       „Estland hat gegen die ersten 261 russischen Kämpfer, die am Angriffskrieg
       gegen die Ukraine teilgenommen haben, Einreiseverbote verhängt – und das
       ist erst der Anfang“. Das schrieb der estnische Außenminister [4][Margus
       Tsahkna am 12. Januar 2026 auf X.]Seine Begründung lautete:
       „Hunderttausende Kämpfer aus dem Aggressorstaat waren an diesem brutalen
       Krieg beteiligt, haben Gräueltaten begangen und Gewalt verbreitet. Sie
       haben keinen Platz in Estland und im Schengen-Raum. Wir werden uns
       weiterhin dafür einsetzen, dass die Tür für ehemalige russische Kämpfer
       geschlossen bleibt, und wir fordern andere Länder auf, dasselbe zu tun“.
       
       Auf die Frage, ob das Verbot auch für Deserteure der russischen Armee
       gelte, bestätigte das estnische Innenministerium, dass dies tatsächlich der
       Fall sei, wie Novaya Gazeta Europe berichtet. Estnische Beamte erklären,
       dass sie jeden, der in der russischen Armee gekämpft hat, als potenzielles
       Sicherheitsrisiko betrachten: Die Teilnehmer am Krieg in der Ukraine seien
       oft traumatisiert, häufig vorbestraft, stünden Europa und europäischen
       Werten feindlich gegenüber und könnten für eine Anwerbung durch den
       russischen Geheimdienst anfällig sein.
       
       Es überrascht wohl kaum, dass das russische Verteidigungsministerium keine
       Statistiken über Desertionen veröffentlicht. Unabhängige Ermittler und
       Menschenrechtsgruppen stützen sich auf indirekte Daten.
       
       Im Mai 2025 veröffentlichte die russische Investigativplattform Istories
       eine Recherche: Seit Beginn der groß angelegten Invasion der Ukraine bis
       Ende 2024 wurden rund 49.000 Fälle von Desertion oder unerlaubtem
       Fernbleiben von militärischen Einheiten registriert. Diese Schätzungen
       stimmen weitgehend mit den Zahlen des ukrainischen OSINT-Projekts
       Frontelligence Insight überein.
       
       „Wenn wir Menschen beraten, sagen wir immer: Die baltischen Staaten sind
       keine Orte, an denen ein russischer Deserteur realistischerweise damit
       rechnen kann, Asyl zu erhalten“, sagt Ivan Chuvilyaev von Get Lost, einem
       Projekt, das Wehrpflichtigen und Soldaten hilft, den Einsatz zu vermeiden
       oder von der Front zu desertieren, gegenüber Novaya Gazeta Europe.
       
       Ähnlich äußerte sich auch InTransit, eine Organisation, die Russen
       unterstützt, die vor politischer Verfolgung im eigenen Land fliehen: „In
       der EU gibt es eigentlich nur zwei oder drei Länder, die mehr oder weniger
       vernünftig mit russischen Deserteuren umgehen: Frankreich, Deutschland und
       in gewissem Maße auch Spanien“, erklärte die Organisation gegenüber Novaya
       Gazeta Europe.
       
       Nach Angaben Chuvilyaevs bleiben rund 60 Prozent der Menschen, denen die
       Initiative Get Lost hilft, in Russland und tauchen dort unter – auch wenn
       dies in der Regel keine langfristige Lösung ist. „Man kann sich eine Weile
       verstecken, aber früher oder später wird man gefunden – von der
       Verkehrspolizei angehalten, von Verwandten unter Druck gesetzt oder es
       passiert etwas anderes.“Die übrigen 40 Prozent weichen vor allem nach
       Armenien oder Kasachstan aus – zwei Staaten, in die russische Staatsbürger
       mit ihrem Inlandspass einreisen können. Das gilt als entscheidender
       Vorteil, da viele Russinnen und Russen keinen für Auslandsreisen gültigen
       Reisepass besitzen.
       
       [5][Kasachstan ist allerdings besonders unsicher] – die Behörden liefern
       Menschen auf Antrag Russlands aus. [6][Armenien ist hingegen sicherer.]
       
       Laut InTransit kommt es immer häufiger vor, dass Russen ohne Auslandspass
       in einem Transitland festsitzen. „Die überwiegende Mehrheit befindet sich
       in Armenien. Es gibt eine große Zahl von Deserteuren und anderen Russen,
       die ohne Auslandspass ausgereist sind. Menschenrechtsgruppen schätzen die
       Zahl der Deserteure auf mehrere Hundert bis 1.000 – aber das sind nur
       diejenigen, die mit NGOs in Kontakt gekommen sind. Viele tun dies nicht,
       sodass die tatsächliche Zahl bereits in die Tausende gehen könnte.“
       
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       11 Feb 2026
       
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