# taz.de -- Kritische Lage der nuklearen Sicherheit: Moskaus zweifelhafte Geste
       
       > Russland attackiert weiter kritische Infrastruktur in der Ukraine. Doch
       > auch ohne aktuelle Angriffe auf das ukrainische Energienetz ist die Lage
       > katastrophal.
       
 (IMG) Bild: Der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi
       
       Am 30. Januar 2026 fand in Wien auf Antrag der Ukraine eine
       außerordentliche Sitzung des Gouverneursrats der Internationalen
       Atomenergie-Organisation (IAEO) statt. Schwerpunktthema war die kritische
       Lage der nuklearen Sicherheit in der Ukraine, die durch Angriffe der
       Russischen Föderation auf die ukrainische Energieinfrastruktur verursacht
       wird, [1][berichtet das ukrainische Außenministerium auf seiner Web-Seite].
       
       Bei der Sitzung hatte die ukrainische Delegation die Aussetzung der
       Mitgliedschaft Russlands im Gouverneursrat der Internationalen
       Atomenergie-Organisation (IAEO) gefordert.
       
       „Ein Staat, der vorsätzlich die nukleare Sicherheit untergräbt, kann nicht
       vollwertig im wichtigsten politischen Organ der Agentur sein“, [2][zitiert
       die Internetseite des ukrainischen Energieministeriums Energieminister
       Denys Schmyhal].
       
       Russland, so Schmyhal, greife systematisch und gezielt Umspannwerke an, die
       für die externe Stromversorgung ukrainischer Kernkraftwerke verantwortlich
       sind. Das gefährde die nukleare Sicherheit.
       
       Denys Schmyhal dankte dem IAEO-Generaldirektor Rafael Grossi sowie den
       Partnerstaaten für die klare Verurteilung der russischen Handlungen und für
       die Unterstützung der Energie- und Nuklearsicherheit der Ukraine, berichtet
       die Internetseite des ukrainischen Energieministeriums.
       
       Bei der Sitzung des Gouverneursrates, so das Portal des Ministeriums, sei
       auch die Situation des Kernkraftwerkes Saporischschja behandelt worden.
       Dieses hat, so Energieminister Schmyhal, seit Russlands Invasion bereits
       zwölfmal vollständig die externe Stromversorgung verloren, was erhebliche
       Risiken für die nukleare Sicherheit darstelle.
       
       Die ukrainische Delegation bei der IAEA rief die Mitgliedstaaten dazu auf,
       umfassende Sanktionen gegen den russischen Staatskonzern „Rosatom“ zu
       verhängen.
       
       Bei der Sitzung des IAEO-Gouverneursrats wurden nach Angaben des
       ukrainischen Energieministeriums 49 Erklärungen zur Verurteilung der
       russischen Handlungen abgegeben – 45 von einzelnen Mitgliedstaaten sowie 4
       kollektive Stellungnahmen.
       
       Im Vorfeld der Sitzung hatte der ukrainische Außenminister Sybiha gegenüber
       dem Portal lb.ua von russischen Plänen berichtet, wieder einen der sechs
       abgeschalteten Reaktoren des AKW Saporischschja hochzufahren. Und das
       gefährde die Strahlensicherheit in der Region, so Syhiba.
       
       Auch die Ukraine greift immer wieder Atomkraftwerke und deren Infrastruktur
       an.
       
       [3][In einem Video zeigte die ukrainische Armee im Juli 2022], wie sie sich
       „filigran an den Positionen der russischen Okkupanten unweit des AKW
       abgearbeitet hat“. Die Einschüsse der Ukrainer dürften so 500 Meter von den
       Reaktoren des AKW Saporischschja entfernt sein.
       
       Am 26. September 2025 berichtete das ukrainische Portal fbc.biz.ua/ unter
       Berufung auf russische Quellen von einem Drohnenangriff in der Nähe des
       russischen AKW Kursk.
       
       Und der ukrainische Dienst von BBC berichtet unter Berufung auf russische
       Quellen, dass in der Nacht zum 7. Oktober 2025 eine ukrainische Drohne in
       einem Kühlturm des Atomkraftwerks Nowoworonesch eingeschlagen sei.
       
       ## Vieles an angeblicher Geste des guten Willens Russlands unklar
       
       Russland verzichtet laut US-Präsident Trump für eine Woche auf Angriffe auf
       die ukrainische Energieinfrastruktur. Und zumindest scheint es in den
       ersten zwei Tagen nach dieser Erklärung tatsächlich keine Angriffe auf die
       Energieinfrastruktur der Ukraine und auch Russlands gegeben zu haben. Doch
       vieles an dieser angeblichen Geste des guten Willens Russlands ist unklar.
       Dauert dieser „Energiewaffenstillstand“ eine Woche, wie Trump erklärt
       hatte, oder nur bis zum Sonntag, den 1. Februar, wie Putins Sprecher Peskow
       erklärt hatte? Hat sich Russland wirklich von diesem
       Energiewaffenstillstand überzeugen lassen oder sind es ganz andere Gründe,
       die das Militär derzeit von derartigen Angriffen abhalten?
       
       Die Angriffe gehen jedenfalls weiter. In der Nacht zum Samstag hatten 85
       russische Drohnen ukrainisches Territorium angegriffen, berichtet das
       Pressezentrum der ukrainischen Streitkräfte.
       
       Gleichzeitig wurde bekannt, dass die russischen Streitkräfte die Ortschaft
       Ternowatoe im Gebiet Saporischschja eingenommen haben.
       
       Der Gouverneur des russischen Gebietes Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow,
       berichtet von über zehn ukrainischen Drohnen, die das Gebiet Belgorod
       angegriffen hätten. Dabei sei eine Frau verletzt worden.
       
       Doch auch ohne aktuelle Angriffe auf das ukrainische Energienetz ist die
       Lage katastrophal. In vielen Regionen wurde der Strom abgeschaltet. War in
       der Vergangenheit klar, wann der Strom wieder kommen wird, erfolgen die
       Abschaltungen nun unvorhergesehen und auf unbestimmte Zeit. In Charkiw ist
       die Metro gänzlich zum Erliegen gekommen, in Kyjiw weitgehend. In einigen
       Gebieten von Kyjiw gibt es kein fließendes Wasser.
       
       31 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://mfa.gov.ua/news/komentar-mzs-shchodo-pozachergovogo-zasidannya-radi-keruyuchih-magate
 (DIR) [2] https://mev.gov.ua/novyna/ukrayina-zaklykala-pryzupynyty-chlenstvo-rf-v-radi-keruyuchykh-mahate-denys-shmyhal
 (DIR) [3] https://gur.gov.ua/content/ukrainski-viiskovi-iuvelirno-vidpratsiuvaly-po-pozytsiiakh-rosiiskykh-okupantiv-bilia-zaporizkoi-aes.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernhard Clasen
       
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