# taz.de -- Landtag Brandenburg: Rot-Schwarz erschwert Aufstellung von Windrädern
       
       > Die noch inoffizielle Koalition aus SPD und CDU schreibt fest, dass
       > künftig Windräder nur noch in dafür vorgesehenen Gebieten möglich sein
       > sollen.
       
 (IMG) Bild: Windräder sollen in Brandenburg nur noch „geplant“ in den Himmel wachsen können. Der Landtag beschloss dazu ein neues Gesetz
       
       Brandenburg will einen unkontrollierten Ausbau von Windrädern stoppen, um
       nicht die Akzeptanz erneuerbarer Energien zu gefährden. Derzeit gibt es
       landesweit rund 4.000 Windräder. Ein Gesetz, das der Landtag in Potsdam am
       Mittwoch mit den Stimmen von SPD und CDU beschlossen hat, verbietet bis
       Ende Januar 2027 neue Anlagen, wenn die außerhalb schon geplanter
       Windenergiegebiete liegen. Bereits genehmigte Anlagen betrifft das nicht.
       AfD und das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) kritisieren zwar – teils
       grundsätzlich – Windräder, lehnten das Gesetz aber dennoch ab: Ihnen geht
       die Regulierung nicht weit genug. [1][Die außerparlamentarischen Grünen]
       äußerten sich kritisch und sehen „halbgare Lösungen beim Windkraftausbau“.
       
       Den Entwurf des Gesetzes hatte die SPD, [2][die künftig mit der CDU
       regieren will], im November noch mit ihrem damaligen Koalitionspartner BSW
       eingebracht. Die nun beschlossene und vorige Woche im zuständigen
       Landtagsausschuss mit Stimmen der CDU veränderte Fassung unterscheidet sich
       vor allem in einem zentralen Punkt: Ursprünglich sollte das Moratorium zehn
       Monate rückwirkend gelten und damit eine Absage auch an in diesem Zeitraum
       bereits genehmigte Windräder bedeuten.
       
       Diese Zehn-Monate-Regel findet sich [3][im beschlossenen Gesetz] nicht
       mehr, was BSW und AfD stark kritisierten. Die BSW-Abgeordnete Jenny Meyer
       warf SPD und CDU einen „Etikettenschwindel“ vor, weil nach ihren Zahlen
       über 1.000 weitere Windräder in der Planung seien und ohne diesen Zusatz
       möglicherweise nicht verhindert werden könnten. Die SPD-Abgeordnete Martina
       Maxi Schmidt versuchte das mit einer Schwerpunktsetzung zu erklären: Nach
       ihren Worten hätte das vom BSW geforderte Vorgehen Klagen nach sich
       gezogen, die das ganze Gesetz hätten gefährden können. Darum habe man auf
       Rückwirkung verzichtet – „das gibt uns Rechtssicherheit“, sagt Schmidt. Von
       der CDU hieß es: „Wir wollen den Unternehmen den Vertrauensschutz geben,
       den sie verdienen.“
       
       Das BSW hielt vergeblich an seinem früheren Gesetzentwurf fest und bekam
       dafür die Zustimmung der AfD. Die AfD wiederum erhielt BSW-Unterstützung
       bei einem gescheiterten Antrag, die brandenburgische Regierung solle sich
       für eine Änderung des Bundesimmissionsschutzgesetzes einsetzen.
       
       ## Moratorium bis Januar 2027
       
       Hintergrund des neuen Gesetzes ist, dass Regionalpläne landesweit
       festschreiben sollen, dass Windräder, von Ausnahmen abgesehen, auf
       sogenannte Vorranggebiete beschränkt bleiben, also Gegenden, die für
       Windkraftgewinnung vorgesehen sind. Nur zwei von fünf dieser Pläne sind
       allerdings fertig. Ohne diese, so stellte es die SPD-Abgeordnete Schmidt
       dar, gebe es aber keine Handhabe gegen Anträge, Windräder auch anderswo zu
       errichten. Das im Gesetz stehende Moratorium bis Januar 2027 soll nun knapp
       ein Jahr Zeit geben, die Pläne fertig zu schreiben.
       
       SPD-Fraktionschef Björn Lüttmann hatte die Debatte mit einem gewissen
       Verständnis für Windrad-Kritik und Zweifeln an der für ihn grundsätzlich
       positiven Energiewende eröffnet. Für ihn hat eine im Land verbreitete
       Skepsis viel damit zu tun, dass die Anwohner der Anlagen oft nicht von der
       Windkraft profitieren würden, sondern im Gegenteil höhere Strompreise
       zahlen müssten. Er drängte darauf, dass Bürger und Unternehmen direkt vor
       Ort von der Windkraft profitieren.
       
       In diese Richtung ging auch sein Parteifreund Daniel Keller, der
       Wirtschaftsminister: „Wir müssen jetzt steuern – und steuern heißt nicht,
       wir wollen erneuerbare Energien ausbremsen“, sagte Keller. Die Windräder
       sollten vor allem dort entstehen, „wo wir den Strom auch gesichert abnehmen
       können“.
       
       Die Grünen, die seit der Wahl 2024 dem Landtag nicht mehr angehören,
       drängen ebenfalls auf eine Steuerung. „Windkraft gehört in geeignete und
       ausgewiesene Gebiete“, äußerte sich ihr Landesvorsitzender Clemens Rostock
       nach der Debatte in einer Pressemitteilung. „Anlagen außerhalb von Vorrang-
       und Eignungsgebieten unterlaufen die Planung und gefährden die Akzeptanz
       vor Ort.“
       
       ## Im März soll die CDU auf der Regierungsbank sitzen
       
       Mit dem Beschluss des Gesetzes sind SPD und CDU schon vor offiziellem
       Beschluss ihrer künftigen Koalition als informelles Bündnis aufgetreten.
       Die SPD will über den Koalitionsvertrag [4][bei einem Parteitag am 14. März
       abstimmen], die CDU dazu ihre Mitglieder befragen. In der Landtagssitzung
       in drei Wochen könnten dann die neuen CDU-Regierungsmitglieder ernannt
       werden. Sie würden dann mit der SPD das erste rot-schwarze Kabinett in
       Brandenburg seit 2009 bilden.
       
       25 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gruenen-Parteitag-in-Fuerstenwalde/!6130045
 (DIR) [2] /Koalitionswechsel-in-Brandenburg/!6147426
 (DIR) [3] https://www.parlamentsdokumentation.brandenburg.de/starweb/LBB/ELVIS/parladoku/w8/drs/ab_1900/1970.pdf
 (DIR) [4] /Brandenburger-Landespolitik/!6155117
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Brandenburg
 (DIR) Windräder
 (DIR) Landtag Brandenburg
 (DIR) SPD CDU Koalition
 (DIR) Brandenburg
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Zukunft
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Koalitionsverhandlungen in Brandenburg: Es geht schon ohne Trauschein
       
       SPD und CDU äußern sich zwar nicht zum Stand ihrer Gespräche. Im Landtag
       aber beschließen sie auch ohne Vertrag einen ersten gemeinsamen Antrag.
       
 (DIR) Akzeptanz von Erneuerbaren: Windenergie-Geld kommt nicht bei Gemeinden an
       
       In Brandenburg werden Gemeinden an den Einnahmen umliegender Windparks
       beteiligt, um die Akzeptanz zu verbessern. Doch bei der Umsetzung hakt es.
       
 (DIR) Höchstes Windrad der Welt in Brandenburg: 365 Meter Zukunft
       
       In der Lausitz wächst gerade das höchste Windrad der Welt in den Himmel –
       höher als der Eiffelturm. Es könnte die Windkraft grundlegend verändern.