# taz.de -- Koalitionswechsel in Brandenburg: Kein Platz für „Wünsch dir was“
       
       > Den gerade über ein Bündnis verhandelnden Parteien SPD und CDU droht
       > offenbar ein rigider Sparkurs. Den hält der parteilose Finanzminister
       > Crumbach für nötig.
       
 (IMG) Bild: Sie sind die führenden Köpfe der künftigen Koalition: die Landesvorsitzenden von SPD und CDU, Dietmar Woidke (r.) und Jan Redmann
       
       Ein düsteres Finanzszenario überschattet die gerade angelaufenen
       Koalitionsverhandlungen in Brandenburg. SPD und CDU wollen dort ein
       rot-schwarzes Bündnis bilden, nachdem die kaum mehr als ein Jahr alte
       Koalition zwischen SPD und Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) Anfang Januar
       geplatzt war. Nach Einschätzung des amtierenden Finanzministers Robert
       Crumbach aber wird dabei nicht bloß kein Platz für zusätzliche Projekte
       beider Parteien sein. „Es wird nicht gehen ohne Einsparungen und zum Teil
       auch schmerzhafte Einschnitte“, sagte er in einer Ministeriumsmitteilung
       mit Blick auf die Landeshaushalte der nächsten beiden Jahre voraus.
       
       Er sieht dabei für 2027 und 2028 jeweils eine Lücke von mehr als 3
       Milliarden Euro. Damit würde sich Brandenburg beim Defizit in einer
       ähnlichen Größenordnung bewegen wie Berlin, obwohl das Land ein Drittel
       weniger Einwohner hat. Diese mehr als 3 Milliarden sollen sich durch
       Kredite und Minderausgaben auf 1,6 bis 1,8 Milliarden verringern lassen.
       Doch wie die zu stemmen sind, ist bisher offen.
       
       Das schränkt die Begehrlichkeiten für den Koalitionsvertrag zwischen den
       designierten Partnern SPD und CDU deutlich ein, die unter Führung ihrer
       Landesvorsitzenden Dietmar Woidke (SPD), zugleich Ministerpräsident, und
       Jan Redmann (CDU) verhandeln. Konkrete Ergebnisse sind noch nicht bekannt.
       „Stabilität, Verlässlichkeit und Ruhe in die Landespolitik bringen“, gab am
       Dienstag SPD-Generalsekretär Kurt Fischer als vorrangiges Ziel an.
       
       ## SPD und CDU regierten noch 2024 zusammen
       
       Grundsätzlich soll es im Zusammenspiel von SPD und CDU, die bereits
       mehrfach und zuletzt von 2019 bis 2024 gemeinsam regierten, damals in einer
       Kenia-Koalition mit den Grünen, mehr Miteinander als in früheren Bündnissen
       geben. Offenbar nach dem kölschen Motto „Me moss auch jönne könne“ wollen
       sich SPD und CDU gegenseitig Erfolge zugestehen.
       
       Ob der gerade so mahnende Finanzminister Crumbach auch der künftigen
       Landesregierung angehören wird, ist offen. Er war 2024 nach 41 Jahren aus
       der SPD ausgetreten und hatte das BSW nach der Landtagswahl in die
       Koalition mit der SPD geführt. [1][Nach sich zuspitzenden innerparteilichen
       Querelen] trat Crumbach, der auch ein Landtagsmandat hat, Anfang Januar aus
       dem BSW aus und schloss sich als Parteiloser der SPD-Fraktion an.
       
       Mit Woidke hat Crumbach seit Regierungsbildung gut zusammen gearbeitet.
       Auch aus der SPD-Fraktion heraus waren keine kritischen Töne an dem
       damaligen BSW-Politiker zu hören. Bliebe Crumbach Minister, müsste ein
       anderes SPD-Kabinettsmitglied ausscheiden, weil die CDU mutmaßlich wie
       zuvor das BSW drei Ministerposten beanspruchen wird. Die SPD stellt derzeit
       sieben Kabinettsmitglieder und den Ministerpräsidenten.
       
       Für die Stimmung im Landtag dürfte der Koalitionswechsel eine große
       Veränderung bedeuten. Während die bisher oppositionelle CDU sich weitgehend
       konstruktiv verhielt, dürfte einem rot-schwarzen Bündnis geballter
       Populismus der Fraktionen von AfD und BSW gegenüber stehen, aus dem sich
       AfD-kritischere Abgeordnete verabschiedet haben.
       
       ## Deutliche Mehrheit will Neuwahlen
       
       Sowohl AfD als auch BSW legen die Bildung einer SPD-CDU-Koalition als
       Wählerbetrug aus, weil das Wahlergebnis vom September 2024 keine Mehrheit
       für SPD und CDU ergeben hatte, die jetzt durch Fraktionswechsel vom BSW
       möglich geworden ist. [2][Im taz-Interview] betonte auch der
       Landesvorsitzende der seit 2024 außerparlamentarischen Grünen, Clemens
       Rostock, „dass beide bei der [3][Landtagswahl] keine Mehrheit bekommen
       hatten“.
       
       Laut einer jüngsten Umfrage im Auftrag des Nordkuriers wünschen sich mehr
       als zwei Drittel der brandenburgischen Wahlberechtigten nach dem Ende der
       SPD-BSW-Koalition Neuwahlen. In derselben Umfrage kommen SPD und CDU
       zusammen nur auf 38 Prozent. [4][Linkspartei und Grüne erreichen 8 und 5
       Prozent] und würden damit nicht wie noch 2024 an der 5-Prozent-Hürde
       scheitern, sondern wieder in den Landtag einziehen.
       
       21 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Brandenburger-Landespolitik/!6126217
 (DIR) [2] /Gruene-zur-Regierungskrise-in-Brandenburg/!6145749
 (DIR) [3] https://wahlen.brandenburg.de/wahlen/de/pressemitteilungen/detail/~07-10-2024-endgueltiges-ergebnis-ltw-24
 (DIR) [4] https://www.nordkurier.de/regional/brandenburg/wie-brandenburgs-parteien-auf-die-juengste-nordkurier-umfrage-reagieren-4272938
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Stefan Alberti
       
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