# taz.de -- FAQ zur Arbeitszeit: Teilzeitquote ist so hoch wie nie zuvor
       
       > Mit der Forderung nach weniger Teilzeit entfacht der Wirtschaftsflügel
       > der Union eine Debatte. Wie ist die Lage wirklich und wo geht die
       > Entwicklung hin?
       
 (IMG) Bild: „Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten“, sagt Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretaerin im Wirtschaftsministerium
       
       epd/dpa | Ein Antrag des CDU-Wirtschaftsflügels für den Bundesparteitag im
       Februar sorgt für Aufsehen: Er fordert, das Recht auf Teilzeitarbeit so zu
       ändern, dass „Lifestyle-Teilzeit“ ausgeschlossen wird. Nun tobt eine
       Debatte um die immer weiter steigende Teilzeit. Um was geht es? Was könnte
       auf die Beschäftigten in Deutschland zukommen?
       
       Was steht im Gesetz?
       
       Laut dem vor 25 Jahren eingeführten Teilzeit- und Befristungsgesetz können
       Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nach mindestens sechs Monaten im Betrieb
       verlangen, dass ihre Arbeitszeit reduziert wird – einen Grund müssen sie
       nicht nennen. Die Arbeitgeberseite kann den Wunsch nur aus gewichtigen
       betrieblichen Gründen verweigern. Ein Recht auf Vollzeit gibt es in dieser
       Form hingegen nicht. Wer mehr arbeiten will als bisher, muss aber bei der
       Neubesetzung von Vollzeit-Arbeitsplätzen bevorzugt berücksichtigt werden.
       
       Seit 2019 gibt es außerdem die sogenannte Brückenteilzeit: Beschäftigte
       können nun auch eine zeitlich begrenzte Arbeitszeitreduzierung verlangen.
       Möglich sind Zeiträume zwischen einem Jahr und fünf Jahren. Die Hürden sind
       allerdings höher als bei der unbefristeten Teilzeit. Unter anderem gelten
       deren Regeln schon für Betriebe ab 15 Mitarbeitenden, bei der
       Brückenteilzeit sind es 45. Unabhängig von den Teilzeitwünschen der
       Beschäftigten können Arbeitgeber Stellen von vornherein mit reduzierter
       Stundenzahl ausschreiben und besetzen.
       
       Wie wird Teilzeitarbeit genutzt?
       
       Im zweiten Quartal 2025 überstieg die Teilzeitquote laut dem Institut für
       Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) erstmals die 40-Prozent-Marke.
       Demnach waren 40,1 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer
       teilzeitbeschäftigt. Die Verteilung zwischen den Geschlechtern ist sehr
       unterschiedlich: Knapp jede zweite berufstätige Frau (49 Prozent) arbeitet
       in Teilzeit, bei den Männern ist es nur jeder neunte (12 Prozent), wie das
       Statistische Bundesamt ermittelte. Die Teilzeitquote in Deutschland zählt
       dem Statistikamt zufolge zu den höchsten in der EU.
       
       Zu den Gründen für eine reduzierte Arbeitszeit gibt es verschiedene
       Befragungen. Laut dem Statistischen Bundesamt nannten 2022 rund 29 Prozent
       der teilzeitbeschäftigten Frauen Betreuungsverpflichtungen, etwa gegenüber
       Kindern. Bei den Männern waren es 7 Prozent. Unter ihnen führten wiederum
       23 Prozent Aus- oder Weiterbildung als Grund an, bei den Frauen lediglich 8
       Prozent. Unter allen Befragten nannten 27 Prozent den eigenen Wunsch nach
       Teilzeit. Sechs Prozent gaben an, keinen Vollzeitjob gefunden zu haben.
       
       Wer fordert welche Änderung – und warum?
       
       „Wer mehr arbeiten kann, sollte mehr arbeiten“, sagte die CDU-Politikerin
       Gitta Connemann dem Stern. Wegen Deutschlands Fachkräftemangel solle
       „freiwillige Teilzeit aus Gründen der individuellen Lebensgestaltung“ nicht
       dauerhaft „durch den Sozialstaat abgesichert“ werden dürfen, so die
       Juristin und gelernte Schuhverkäuferin.
       
       Seit gut vier Jahren ist die 61-Jährige Chefin der [1][Mittelstands- und
       Wirtschaftsunion (MIT), einer einflussreichen
       Wirtschaftsinteressen-Vertretung bei CDU/CSU], seit 2025 Staatssekretärin
       bei Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Die CDU soll nach dem
       Willen der MIT auf ihrem Parteitag in drei Wochen in Stuttgart beschließen,
       dass es keinen Rechtsanspruch „auf Lifestyle-Teilzeit“ mehr geben soll. „Es
       geht uns um anlasslose Teilzeit“, so Connemann bei RTL und ntv.
       
       Wie hat sich die Bedeutung der Teilzeit entwickelt?
       
       Sie ist stark gewachsen. Schon bis Mitte der 1990er ging die Arbeitszeit
       laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zurück – damals
       aber noch verursacht durch kürzere tarifliche Wochenarbeitszeit, mehr
       Urlaub und weniger Überstunden. Seitdem geschieht dies fast ausschließlich
       durch mehr Teilzeit. Laut Statistischem Bundesamt haben 2024 29 Prozent der
       Erwerbstätigen in Deutschland in Teilzeit gearbeitet – fast jede zweite
       Frau (49 Prozent) und 12 Prozent der Männer. Laut IAB erreichte die
       Teilzeitquote im dritten Quartal 2025 mit 40,1 Prozent den höchsten Wert in
       so einem Quartal.
       
       Warum ist der Teilzeit-Boom noch einmal größer geworden?
       
       Unter anderem wegen eines Beschäftigungszuwachses in Branchen mit einem
       hohen Teilzeitanteil – laut IAB etwa dem Gesundheits- und Sozialwesen,
       Erziehung und Schule. Im verarbeitenden Gewerbe mit seinen vielen
       Vollzeitstellen sank dagegen die Beschäftigung. Insgesamt gab es 46
       Millionen Erwerbstätige – etwa so wie im Vorjahresquartal, so auch das
       Arbeitsvolumen mit 15,7 Milliarden Stunden. IAB-Fazit zuletzt: Auf dem
       Arbeitsmarkt herrscht weiter Flaute – [2][nur bei Nebenjobs und
       Teilzeitquote] geht es aufwärts.
       
       Arbeiten die Menschen immer freiwillig in Teilzeit?
       
       Nein. Vor allem viele Mütter würden nach eigenen Angaben gern länger
       arbeiten. Laut Statistischem Bundesamt wollte jede siebzehnte Teilzeitkraft
       2024 Vollzeit arbeiten. Viele fanden keine Vollzeitstelle, vor allem junge
       und ältere Beschäftigte. Früher waren es aber noch mehr. Die Hälfte der
       Teilzeitbeschäftigten gibt demnach an, Teilzeit arbeiten zu wollen, oder
       hatte andere persönliche Gründe.
       
       Familiäre Pflichten als Grund nannten 33 Prozent der Frauen – und 9 Prozent
       der Männer. „Insbesondere mit Blick auf die Betreuung von Kindern und
       Angehörigen ist davon auszugehen, dass Veränderungen bei Angeboten für
       Kinderbetreuung und Pflege die Wünsche nach Vollzeit- oder Teilzeitarbeit
       beeinflussen“, schreiben die Statistiker.
       
       Wie kommen Beschäftigte zu Teilzeitarbeit?
       
       Ein Antrag auf verringerte Arbeitszeit muss laut DGB schriftlich mit
       bevorzugter Stundenzahl und dem Beginn der Arbeitszeitverkürzung beim
       Arbeitgeber gestellt werden. Der Anspruch besteht nach mehr als
       sechsmonatigem Arbeitsverhältnis und mehr als 15 Mitarbeitern. „Jede
       Vereinbarung zu Teilzeit ist unterschiedlich“, stellt der DGB fest. Die
       Arbeitszeit steht im Arbeitsvertrag. Auch Minijobs sind immer
       Teilzeitbeschäftigungen. Betriebliche Gründe, die gegen die Verringerung
       der Arbeitszeit sprechen, dürfen nicht bestehen.
       
       Was könnte der MIT-Vorstoß für die Beschäftigten ändern?
       
       Unmittelbar wohl nichts. Nicht nur aus der Opposition, sondern auch vom
       Koalitionspartner SPD und dem CDU-Sozialflügel kommt teils heftige Kritik
       am MIT-Vorstoß – und die Warnung vor weniger Arbeitnehmerrechten. Für eine
       Einschränkung des Teilzeitanspruchs wäre aber ein Einvernehmen in der
       Koalition nötig.
       
       Immerhin [3][Wirtschaftsministerin Reiche (CDU)] reagierte aber mit der
       Forderung nach „mehr Vollzeitarbeit“ – kombiniert mit
       Betreuungsmöglichkeiten. Connemann gab sich kämpferisch. Kritik wies sie
       als mutwilliges Missverstehen zurück. „Es geht uns ausschließlich darum,
       kein einseitiges Recht gegenüber Arbeitgebern zu haben, wenn es darum geht,
       sein Freizeitinteresse leben zu können“, sagte sie RTL und ntv. „Teilzeit
       ist richtig und gut, wenn ein Grund besteht.“
       
       26 Jan 2026
       
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