# taz.de -- Arbeitspolitik des Kanzlers: Arbeit haben oder nicht Arbeit haben, das ist hier die Frage
> Friedrich Merz redet gerne darüber, dass die Deutschen mehr arbeiten
> sollen. Weniger gerne redet er darüber, dass viele verzweifelt einen Job
> suchen.
(IMG) Bild: Arbeitslose befinden sich schnell in einem neurobiologischen Teufelskreis
Im Karrierenetzwerk LinkedIn tummeln sich viele Verzweifelte. Damit sind
hier nicht jene gemeint, die versuchen, Leadership-Influencer zu werden
oder die für einen Positionswechsel nach Glückwünschen lechzen. Es sind die
vielen Arbeitslosen, die auch gern eine neue Stelle verkünden würden, aber
nichts in Aussicht haben. Stattdessen müssen sie posten, ob vielleicht
jemand an all ihren Skills und Erfahrungen Interesse hätte.
In Deutschland suchen derzeit so viele Menschen Arbeit wie seit zehn Jahren
nicht mehr. Zugleich ist die Chance, etwas zu finden, historisch niedrig,
weil [1][die Zahl vakanter Stellen abnimmt]. Auch die Vereinbarkeit der
Arbeitssuchenden mit dem, wonach Unternehmen suchen, lässt nach.
Trotzdem lässt [2][Bundeskanzler Friedrich Merz] (CDU) verlauten, dass die
Deutschen wohl alle keine Lust hätten zu arbeiten; das aber gefälligst tun
sollten, damit die Wirtschaft wieder brummt. Nur: Merz’ Menschenbild ist
falsch.
Tatsächlich ist es ein menschliches Grundbedürfnis, etwas zu erschaffen.
Wenn wir dazu keine Möglichkeit haben, fehlen im Gehirn viele
Belohnungsbotenstoffe, darunter Dopamin, das einen wahren Schaffensrausch
auslösen kann. Bei einem Mangel ist dagegen Antriebslosigkeit die Folge. So
löst [3][Arbeitslosigkeit] einen neurobiologischen Teufelskreis aus:
Dopaminmangel bewirkt mangelnde Motivation, die zu weniger Aktivitäten
führt – noch weniger Dopamin wird ausgeschüttet.
## Kritik an Arbeitgeber richten
Dies hat zudem einen negativen Einfluss auf das Selbstwertgefühl, das
ohnehin schon durch Scham- und Schuldgefühle aufgrund der Arbeitslosigkeit
immens angegriffen ist. Alles sehr ungünstig in einer Situation, in der es
darum geht, Bewerbungen zu schreiben und sich als der:die beste
Mitarbeiter:in der Welt zu verkaufen. Zumal jede vergebliche Bewerbung
zusätzlich selbstwertschädigend ist.
Statt die Bevölkerung zu fragen, ob [4][Krankmeldungen] wirklich notwendig
sind, und d[5][en Wunsch nach Teilzeit-Arbeit zu diskreditieren], sollte
Merz seinen Unmut über die Wirtschaftslage an Unternehmen adressieren. Und
sie zum Beispiel auffordern, von aufwendigen Bewerbungsprozessen abzusehen.
Er könnte ihnen sagen, dass sie mehr Leute einstellen und höhere Gehälter
zahlen sollen, damit die Binnennachfrage wieder so richtig brummt. So
simpel funktioniert das mit dem Wirtschaftswachstum, oder etwa nicht?
26 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://iab-forum.de/iab-stellenerhebung-zahl-der-offenen-stellen-sinkt-auf-18-millionen/
(DIR) [2] /Merz-Beschwerde-ueber-Krankenstand/!6146636
(DIR) [3] /Mehr-Haerte-gegenueber-Arbeitslosen/!6134511
(DIR) [4] /Debatte-um-telefonische-Krankschreibung/!6147382
(DIR) [5] /Angriff-auf-Arbeitnehmerrechte/!6148580
## AUTOREN
(DIR) Eva Fischer
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