# taz.de -- Angriff auf Arbeitnehmerrechte: Kritik an CDU-Vorstoß zur Einschränkung von Teilzeit
> Der CDU-Wirtschaftsflügel provoziert mit einem Vorschlag,
> „Lifestyle“-Teilzeit zu begrenzen. Daran gibt es reichlich Kritik – auch
> aus eigenen Reihen.
(IMG) Bild: Gönnt keine Teilzeit: Die CDU von Kanzler Friedrich Merz, der CDU-Wirtschaftsflügel will lieber Neoliberalismus als Lifestyle
epd/afp/dpa | Kritik von der Linken, aber auch aus der eigenen Partei: Der
Vorstoß des CDU-Wirtschaftsflügels für eine Abschaffung des grundsätzlichen
Rechtsanspruchs auf Teilzeitarbeit stößt auf Widerstand. Die Mittelstands-
und Wirtschaftsunion will einen entsprechenden Antrag mit dem Titel „Kein
Rechtsanspruch auf Lifestyle-Teilzeit“ Ende Februar auf dem
CDU-Bundesparteitag einbringen, wie das Magazin Stern am Sonntag zuerst
berichtete.
Die Vorsitzende der Linkspartei, Ines Schwerdtner, kritisierte die
Forderung ebenso wie der Vorsitzende des Sozialflügels der
Christdemokraten, Dennis Radtke. Der Ökonom Marcel Fratzscher warnte vor
Schäden für die deutsche Wirtschaft.
In dem Antrag wird gefordert, dass der bisher geltende Rechtsanspruch auf
Teilzeit künftig nur bei „Vorliegen einer besonderen Begründung gelten“
solle. Dazu zählten etwa die Erziehung von Kindern, die Pflege Angehöriger
oder Weiterbildungen. Zugleich heißt es in dem Antrag: „Nicht besonders
begründete Teilzeit kann weiterhin einvernehmlich zwischen den
Arbeitsvertragsparteien vereinbart werden – jedoch ohne gesetzlichen
Rückkehranspruch in Vollzeit.“
Teilzeit sei etwa für Familien, Pflege und Gesundheit richtig und
notwendig, sagte die Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion,
Gitta Connemann, dem Stern. Aber es gebe auch einen dramatischen
Fachkräftemangel. Freiwillige Teilzeit „aus Gründen der individuellen
Lebensgestaltung“ dürfe nicht dauerhaft durch den Sozialstaat abgesichert
werden.
## In der „Teilzeitfalle“
Der gesetzliche Anspruch auf Teilzeit erlaubt es Arbeitnehmern unter
bestimmten Voraussetzungen, ihre Arbeitszeit zu reduzieren. Bei
vorübergehender Teilzeit kehren sie anschließend automatisch zur vorherigen
Stundenzahl zurück. Arbeitgeber können den Antrag nur aus gewichtigen
betrieblichen Gründen ablehnen.
Der Antrag des CDU-Wirtschaftsflügels sieht auch vor, dass Teilzeitkräfte
nur noch bei Vorliegen besonderer Gründe Sozialleistungen wie
Grundsicherung, Kinderzuschlag und Wohngeld erhalten können. „Die
Solidargemeinschaft darf nicht die Work-Life-Balance von Aufstockern
finanzieren“, hieß es.
Der Vorsitzende der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft, Radtke,
sagte der Funke Mediengruppe, er wünsche sich auch, „dass mehr Menschen in
Teilzeit, die sie oft als Teilzeitfalle empfinden, wieder auf Vollzeit
wechseln“. Dafür müssten aber die Rahmenbedingungen bei Kinderbetreuung und
Pflege verbessert werden, die dies bislang an manchen Stellen unmöglich
machten.
Dafür sprach sich auch Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge aus. Sie
kritisierte zudem, mit dem Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ zeichne die CDU ein
falsches Bild der Lebensrealität von Frauen und älteren Menschen. Anja
Piel, Vorstandsmitglied beim Deutschen Gewerkschaftsbund, warnte: „Dieser
Vorschlag führt gleichstellungspolitisch zurück in die Steinzeit und ist
auch arbeitsmarktpolitisch völlig am Ziel vorbei.“
Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW),
Marcel Fratzscher, sagte der Rheinischen Post, eine Einschränkung des
Rechtsanspruchs auf Teilzeit würde „stark gegen die Wünsche vieler
Deutscher gehen, dadurch die Beschäftigung tendenziell eher reduzieren als
erhöhen und somit den Fachkräftemangel in Deutschland weiter erhöhen“. Als
Konsequenz drohten weniger Wachstum und Wohlstand sowie ein weiterer
Anstieg der Insolvenzen von Unternehmen.
## Teilzeitquote bei mehr als 40 Prozent
Linken-Chefin Schwerdtner sagte, Teilzeit sei kein Luxusproblem, „sondern
oft die einzige Möglichkeit, um erwerbstätig zu bleiben“. Wer dieses Recht
einschränke, dränge vor allem Frauen aus dem Job, verschärfe
Einkommensverluste und treibe noch mehr Menschen in Altersarmut.
Schwerdtner sprach beim CDU-Vorstoß von „der nächsten Attacke auf hart
arbeitende Menschen, besonders auf Frauen“.
Derzeit ist ein grundsätzlicher Anspruch auf Teilzeitarbeit gesetzlich
verankert. Dies gilt für Menschen, deren Arbeitsverhältnis mehr als sechs
Monate bestanden hat und deren Arbeitgeber in der Regel mehr als 15
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beschäftigt.
Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) war die
Teilzeitquote im dritten Quartal 2025 auf 40,1 Prozent gestiegen. Dies
liege auch an einem Beschäftigungszuwachs in Branchen „mit einem hohen
Teilzeitanteil wie dem Gesundheits- und Sozialwesen sowie Erziehung und
Unterricht und einem Beschäftigungsrückgang im verarbeitenden Gewerbe mit
einem hohen Vollzeitanteil“, hieß es.
Das IAB wies auch darauf hin, dass ein erheblicher Teil der Beschäftigten
nicht freiwillig reduziert arbeite. „Wenn alle Teilzeitbeschäftigten ihre
Wünsche nach mehr Arbeitsstunden realisieren könnten, entspräche das 1,4
Millionen Vollzeitstellen“, sagte der IAB-Arbeitsmarktexperte Enzo Weber
dem Handelsblatt.
Potenzial sieht er zudem unter denen, die bisher noch nicht über eine
Aufstockung nachgedacht hätten. „So erhöht der Ausbau von Kinderbetreuung
auch die gewünschten Arbeitszeiten. Wenn man die Rahmenbedingungen
verbessert, geben sich Menschen also nicht mehr mit weniger zufrieden“,
sagte Weber.
Die in den vergangenen Jahren gestiegene Teilzeitquote erklärte er damit,
dass sich immer mehr Frauen und Ältere am Arbeitsmarkt beteiligten und das
oft in Teilzeit geschehe. Gleichzeitig gingen in der Industrie
Vollzeitstellen verloren.
25 Jan 2026
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