# taz.de -- Kommissionsvorschlag: Sozialstaat soll effizienter werden
> Eine Fachkommission der Bundesregierung schlägt weitreichende Reformen
> vor, um den Sozialstaat umzukrempeln. Gefordert wird ein großer Kraftakt.
(IMG) Bild: Kommission will mehr Effizienz: Bürgergeld, Kinderzuschlag und Wohngeld sollen zusammengeführt werden
dpa/kna | Schlanker, bürgernäher, transparenter: Bund, Länder und Kommunen
wollen den Sozialstaat tiefgreifend reformieren. Das geht aus dem Entwurf
für „[1][Empfehlungen der Kommission zur Sozialstaatsreform]“ hervor. Der
Bericht liegt der Deutschen Presse-Agentur vor, auch Bild, die Süddeutsche
Zeitung und andere Medien berichten vorab darüber. Am Dienstagmittag sollen
die Vorschläge an Bundesarbeitsministerin [2][Bärbel Bas] (SPD) übergeben
werden.
Zentrale Elemente: Bürgergeld, Kinderzuschlag und Wohngeld sollen in einem
[3][einzigen Sozialleistungssystem zusammengeführt werden]. Generell sollen
Sozialleistungen schneller und unkomplizierter zugänglich werden. Insgesamt
formuliert die Kommission aus Vertretern von Bundesregierung, Ländern und
kommunalen Spitzenverbänden 26 konkrete Empfehlungen. Um die Ziele zu
erreichen, schlägt sie „einen politischen, rechtlichen und auch
gesamtgesellschaftlichen Kraftakt“ vor.
Für jeden soll es künftig nur eine Anlaufstelle geben – die Jobcenter für
erwerbsfähige und die Sozialämter der Kommunen für nicht erwerbsfähige
Personen. Aus bislang vier Behörden sollen so zwei werden. Heute müssen
Bürgerinnen und Bürger oft mehrere Anträge auf Unterstützung stellen. Eine
komplette Zusammenlegung der Leistungsverwaltung wäre aus Sicht der
Kommission gut, würde aber eine Grundgesetzänderung notwendig machen. Bei
den konkreten Leistungen soll es laut Kommission nicht zu
Schlechterstellungen kommen.
## Einfachere Leistungen
Die Leistungen sollen stattdessen schneller und einfacher zugänglich
werden. Sie sollen stärker pauschaliert werden, eine Pflicht zum Vorhalten
von Belegen soll umfangreiche einzelne Nachweispflichten ersetzen. Das
Kindergeld soll laut den Empfehlungen künftig automatisch nach der Geburt
ausgezahlt werden.
„Konsequente [4][Digitalisierung]“ ist als zentraler Hebel für schlanke
Vorgänge vorgesehen. Die Kommissionsmitglieder erhoffen sich „einen
digitalen Neustart des Sozialstaats“. So soll ein zentrales Anlauf‑ und
Service‑Portal digitale Antragstellung ermöglichen.
„Durch die einheitliche Erfassung von Daten entfällt das lästige
Wiederholen von Angaben bei Behördenwechseln, und die Verfahren werden zum
Beispiel durch Pauschalierungen, verlängerte Bewilligungsfristen und
vereinfachte Nachweisverfahren deutlich schlanker“, verspricht das Gremium.
Auch die öffentlichen Finanzen und der Arbeitsmarkt sollten profitieren.
Union und SPD hatten sich in ihrem Koalitionsvertrag auf die
Sozialstaatskommission geeinigt.
Bei der Umsetzung soll aufs Tempo gedrückt werden. Zahlreiche der Maßnahmen
seien bereits durch Ausschöpfung des geltenden verfassungsrechtlichen
Rahmens schnell zu verwirklichen, heißt es. Für einige der vorgeschlagenen
Lösungswege seien allerdings Änderungen des Grundgesetzes Voraussetzung.
Bund, Länder und Kommunen rufen die Kommissionsmitglieder zu
Entschlossenheit auf, „hier gemeinsam einen Neustart beherzt anzugehen“.
## Caritas: Einigung ist ambitioniert
„Wir sind froh, dass die Sozialstaatskommission eine ambitionierte Einigung
erreicht hat, die geprägt ist von konkreten Vorschlägen der Vereinfachung“,
erklärte die Präsidentin des [5][Deutschen Caritas-Verbands], Eva
Welskop-Deffaa. „Die Verwaltung wird effizienter, und für die Menschen
werden die Sozialleistungen einfacher zugänglich und besser verständlich.
Das ist eine zentrale Voraussetzung, um das Vertrauen in den Sozialstaat zu
stärken.“ Bei der Umsetzung der Reformvorschläge müsse nun aber auch
sichergestellt werden, dass das soziale Schutzniveau insgesamt wirklich
gewahrt wird.
Die Caritas sieht aber auch kritische Aspekte: Der Vorschlag, die
Freizügigkeit von EU-Bürgern an vollzeitnahe Beschäftigung zu koppeln,
spiegele nicht die Realitäten des Arbeitsmarktes wider. Besorgt sei der
Verband zudem darüber, dass über die Kostenentwicklung bei
Eingliederungshilfe, Kinder- und Jugendhilfe und Hilfe zur Pflege im
Kommissionsbericht so gesprochen werde, als seien hier große Einsparungen
möglich. Das sei angesichts der demografischen Entwicklung und auch
aufgrund der inflationsbedingten Lohnsteigerungen unrealistisch.
Anders als etwa die Rentenkommission war die Kommission zur
Sozialstaatsreform nicht mehrheitlich mit Wissenschaftlern besetzt. Die
Vorschläge wurden vielmehr von den staatlichen Akteuren aus Bund, Ländern
und Kommunen selbst erarbeitet. Beteiligt waren acht Bundesministerien,
unter anderem die Länder Bayern, Nordrhein-Westfalen und Hamburg sowie
kommunale Spitzenverbände wie der Städtetag.
27 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://table.media/assets/berlin/sozialstaatskommission_bericht.pdf
(DIR) [2] /Widerstand-gegen-Buergergeldreform-in-SPD/!6140898
(DIR) [3] /Reform-des-Sozialstaats/!6148059
(DIR) [4] /Ineffizienter-Sozialstaat/!6049847
(DIR) [5] https://www.caritas.de/glossare/deutscher-caritasverband-dcv
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