# taz.de -- Regierung widerruft Aufnahmezusagen: Sitzen gelassen in Pakistan
> Mit einem Trick sollen Afghan*innen mit Zusagen für Deutschland nicht
> mehr einreisen dürfen. Es bestehe kein politisches Interesse an ihrer
> Einreise.
(IMG) Bild: Einige der noch aufnahmeberechtigten Afghan*innen landeten am 9. Januar in Berlin
afp | Fast die Hälfte der 2.308 in Pakistan lebenden Afghanen mit einer
Aufnahmezusage aus Zeiten der Ampel-Regierung soll nicht mehr nach
Deutschland kommen dürfen. Entsprechende Zusagen seien zurückgenommen
worden, heißt es in einer am Dienstag bekannt gewordenen Antwort der
Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Abgeordneten Clara Bünger.
Diese kritisierte das Vorgehen der Bundesregierung als „verantwortungslos,
schäbig und menschlich unerträglich“.
Demnach sind seit Antritt der schwarz-roten Bundesregierung im Mai
vergangenen Jahres 788 Afghanen nach Deutschland eingereist, [1][rund 410
weitere Personen befinden sich noch im Ausreiseverfahren.]
Alle Zusagen nach Paragraf 22 des Aufenthaltsgesetzes für Personen der
Menschenrechtsliste und des Überbrückungsprogramms aber wurden nach
Auskunft der Bundesregierung mit der Begründung zurückgenommen, sie seien
nicht rechtsverbindlich. Es bestehe kein politisches Interesse mehr an
einer Aufnahme. Über die Regierungsantwort hatte zuerst die Neue
Osnabrücker Zeitung berichtet.
Bereits in Deutschland aufgenommen wurden zwischen Mai 2021 und Ende 2025
insgesamt 37.652 Afghaninnen und Afghanen über die diversen
Aufnahmeprogramme. [2][Derzeit sind bei den Verwaltungsgerichten zahlreiche
Klagen gegen verwehrte Aufnahmeentscheidungen anhängig.] Die Antwort an die
Linksfraktion enthält keine Aufzählung der Verfahren und der bisherigen
Richtersprüche; die Linke will die Bundesregierung nach eigenen Angaben
auffordern, diese Zahlen nachzureichen.
## Bünger kritisiert auch den Umgang mit den Ortskräften
[3][Die Bundesregierung hatte nach dem katastrophalen Abzug der Nato] und
der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban in Afghanistan im August
2021 Menschen Aufnahmezusagen erteilt, die in dem Land für die Bundeswehr
oder andere Institutionen gearbeitet hatten. Zusagen gab es auch für
Menschen, die aus anderen Gründen als besonders gefährdet eingestuft wurden
– etwa Frauenrechtlerinnen oder Menschenrechtsaktivisten.
Nach dem Regierungswechsel in Berlin schränkte die neue Bundesregierung die
Aufnahmen jedoch stark ein. Da zahlreiche Betroffene bereits von
Afghanistan nach Pakistan geflüchtet waren, sitzen sie nun dort fest.
Die Linke verurteilte die Rücknahme der Aufnahmezusagen. Die
Bundesregierung lasse die betroffenen Afghaninnen und Afghanen „einfach
fallen“, kritisierte Bünger. Seit Jahren seien die Betreffenden vor dem
Hintergrund der geplanten Aufnahme in Pakistan mit deutscher Unterstützung
untergebracht und versorgt worden. „Da kann die Bundesregierung doch nicht
einfach behaupten, sie trage keine Verantwortung und die Menschen dem
menschen- und frauenverachtenden Willkürregime der Taliban überlassen“,
sagte Bünger.
Entgegen einer anderslautenden Zusage von Bundesinnenminister Alexander
Dobrindt (CSU) lasse die Bundesregierung auch die Hälfte der noch
verbliebenen Ortskräfte im Stich, erklärte Bünger. Nur bei 81 von 218
Ortskräften und ihren Angehörigen wurden die alten Aufnahmezusagen demnach
aufrechterhalten. „Der Verweis auf notwendige Sicherheitsüberprüfungen ist
ein pures Ablenkungsmanöver, denn nur in drei Prozent der Interviews haben
sich aus Sicht der Behörden tatsächliche oder vermeintliche
Sicherheitsbedenken ergeben“, erklärte Bünger.
Seit Juni 2023 müssen sich Afghaninnen und Afghanen vor der Übersiedlung
nach Deutschland sogenannten Sicherheitsinterviews stellen; bis Anfang
Januar dieses Jahres wurden der Regierungsantwort zufolge mehr als 5.400
derartige Interviews geführt. In lediglich drei Prozent der Fälle seien
danach Sicherheitsbedenken geäußert worden. Diese geringe Zahl „erklärt
nicht die Vielzahl der Widerrufe der ursprünglichen Aufnahmezusagen“,
kritisierte Bünger.
20 Jan 2026
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