# taz.de -- Neuer Strafkodex in Afghanistan: Knochen brechen verboten
> Das Taliban-Regime hat Gewalt gegen Frauen faktisch legalisiert. Nur bei
> gewaltsam herbeigeführten Knochenbrüchen droht eine Haftstrafe von 15
> Tagen.
(IMG) Bild: Die Frauen in Afghanistan sind inzwischen völlig entrechtet. Gewalt gegen Frauen wurde von den Taliban legalisiert
Während internationale Krisen Schlagzeilen dominieren, verschwinden
Millionen afghanischer Frauen aus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Ihr
Alltag ist geprägt von Angst, Kontrolle und systematischer Entrechtung. Mit
dem [1][neuen Strafkodex der Taliban] wird Gewalt gegen Frauen faktisch
legalisiert: Ein Mann kann seine Frau schlagen, solange keine Knochenbrüche
nachweisbar sind. Selbst wenn eine Frau solche Gewalt vor Gericht beweisen
kann, droht dem Täter lediglich ein Freiheitsentzug von fünfzehn Tagen.
Fünfzehn Tage? Für Gewalt gegen eine Frau, für die Zerstörung von
Vertrauen, Sicherheit und Würde. Und was passiert danach? Der Mann kehrt
nach Hause zurück. Zur selben Frau, die den Mut hatte, die Gewalt überhaupt
erst sichtbar zu machen. Wer schützt sie dann? Dieses Rechtssystem schützt
nicht die Opfer, es schützt die Täter.
Gleichzeitig werden bei „moralischem Vergehen“ sogenannte Ermessensstrafen
ermöglicht, wobei weder das Vergehen, noch die Strafe näher bezeichnet
werden. Was als moralisches Vergehen gilt, bestimmen jene, die die Macht
haben. Für Frauen bedeutet das ein Leben unter permanenter Bedrohung – und
das im 21. Jahrhundert. Das Schweigen der internationalen Gemeinschaft
wirkt wie ein stilles Einverständnis mit einem System, das Frauen
grundlegende Rechte verweigert.
Besonders bitter ist, dass diese Politik im Namen der Religion
gerechtfertigt wird, obschon sie im klaren Widerspruch zu den ethischen
Grundsätzen des Heiligen Korans und zu den Lehren des [2][Propheten
Mohammed] steht. Der Prophet sagte: „Der Beste unter euch ist derjenige,
der seine Frau am besten behandelt.“ Diese Worte sprechen von Respekt, von
Verantwortung und Würde – nicht von Gewalt und Unterdrückung.
Was wir in Afghanistan sehen, ist nicht die Verwirklichung religiöser
Werte, sondern deren Instrumentalisierung zur Machtsicherung. [3][Die
Frauen Afghanistans] dürfen nicht länger vergessen werden. Ihr Leid ist
real, ihr Mut ebenso. Schweigen ist keine Neutralität – es ist Teil des
Problems.
19 Mar 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://rawadari.org/press_releases/press-release-regarding-the-implications-of-the-the-criminal-procedure-code-for-courts-issued-by-the-taliban/
(DIR) [2] /Prophet-Mohammed-als-einfuehlsamer-Mann/!5172660
(DIR) [3] /Unterdrueckung-in-Afghanistan/!5916267
## AUTOREN
(DIR) Maiyra Chaudhry
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