# taz.de -- Beruf und schöne Dinge des Lebens: Was statt Schnotten aus der Nase kommt
       
       > Sportgucken ist bekanntlich genauso gesund wie Sportmachen. Oder sollte
       > man vielleicht doch lieber sportlich Deleuze lesen?
       
 (IMG) Bild: Stuff the Magic Dragon, Orlandos Maskottchen, mag Popcorn
       
       Life is short. „Buy the shoes“ ist ein wichtiges, wenn auch nicht mein
       einziges Lebensmotto. Vor allem der erste Teil motivierte mich vergangene
       Woche zu Höchstleistungen. Mit dem Ziel, alles, was schön und berührend
       ist, in wenige Tage zu quetschen, begann ich mit der [1][Record Realease
       Party von „The Morning Stars“], die aus Barbara Morgenstern und ein paar
       ihrer Lieblingskollegen besteht, und an denen absolut nichts auszusetzen
       ist: Sie klingen, als ob Fay Hallam und Gang of Four und die Krauttypen von
       Embryo jammen, aber aus Freundschaft, nicht aus Konkurrenz. Denn nur wer
       sich mag, kriegt eine derart harmonische Dreistimmigkeit hin. (Wobei das
       bei Crosby, Stills und Nash nicht ganz stimmt.)
       
       Den folgenden Abend gestaltete ich sportlich und schaute mir das erste
       reguläre [2][NBA-Spiel] in Deutschland an, bei dem die Memphis Grizzlys auf
       die Orlando Magic trafen. Sportgucken ist bekanntlich genauso gesund wie
       Sportmachen. Wie die Basketballprofis in Siebenmeilenturnschuhen über das
       Spielfeld hechten und Dunkings abliefern, so als wäre es nichts, drei Meter
       hochzuhüpfen, lässt einen zudem sowohl die eigene Vergänglichkeit als auch
       die Arthrose aufs Angenehmste vergessen.
       
       Natürlich wollte ich mich mit Stuff the Magic Dragon, Orlandos Maskottchen,
       fotografieren lassen, es handelt sich um einen quietschgrünen Kika-Drachen,
       dem statt Schnotten Papier-Jojos aus der Nase kommen, doch an meinem Platz
       ließ sich nur das Memphis-Maskottchen Grizz sehen. Und das ist verdächtig –
       es behauptet, es sei ein Grizzly, wirkt aber wie ein Fuchs, an dem ein
       Friseur farbexperimentiert hat.
       
       Außerdem bin ich selbst Besitzerin eines Taschentuchspenders in Form einer
       Osterinsel-Moai-Figur, der statt Schnotten Papiertaschentücher aus der Nase
       kommen, das Stuff-Nasen-Konzept ist mir also vertraut. Am Ende gewannen
       Orlando Magic knapp, und ich freute mich für die Mutter der Berliner
       Wagner-Brüder, die dort mitspielen (und die selbstredend niemand
       „Wagner-Truppe“ nennt).
       
       ## Die Sportsfreunde Lacan, Barthes und Foucault
       
       Weil zu den schönsten Dingen des Lebens Kunst gehört, besuchte ich am
       Freitag eine Lesung der Graphic Novel „Salut Deleuze“ von Jens Balzer und
       Martin tom Dieck, in der Deleuze und seine Sportsfreunde Barthes, Lacan und
       Foucault sich mit Orpheus herumschlagen und dabei erstaunlicherweise
       genannten Moai-Figuren nicht unähnlich sehen (Eurydike hat dagegen fast ein
       Stupsnäschen).
       
       Samstag gondelte ich [3][in die C/O Berlin-Galerie], wo Bieke Deporteer
       ägyptische Familien zu Hause fotografierte und danach Ägypter:innen
       eingeladen hatte, anonym ihre Gedanken auf den Fotos zu hinterlassen,
       sodass eine Kommunikation über das Bild hinaus entsteht. „Vor meinem Vater
       und meinem Onkel trage ich auch kein Kopftuch“, hat jemand auf das Foto
       einer Frau geschrieben, die in Sportkleidung allein am Wohnzimmertisch
       sitzt, „doch ärmellos, das ist nicht ok“.
       
       Im nächsten Raum musste ich vor Rührung kurz weinen, weil ein Angehöriger
       des indigenen Dani-Volks aus Neu-Guinea sich in einem Videoschnipsel so
       mitreißend über das Wiedersehen mit einem Anthropologenkumpel freut. Aber
       Tränen sind gut! Ich will ja alles erleben! Und ein Bällebad der Gefühle
       gehört dazu! Außerdem weiß ich zur Not, wo die Papiertaschentücher stecken.
       
       Emotional in Hochstimmung feierte ich am Sonntagnachmittag schnell noch den
       60. Geburtstag eines nicht nur unverschämt talentierten, sondern auch
       extrem netten Musikproduzenten. Seine Freund:innen brachten ihm als
       „Moses-Allstar-Band“ Ständchen, aber was für Ständchen, und was für
       Freund:innen! Wunderbar, wenn man qua Beruf mit Menschen verbandelt ist,
       die etwas können. Allemal besser als das übliche Geburtstags-Mitsing-Übel.
       Und diese personalisierten Texte versteht eh nie einer.
       
       20 Jan 2026
       
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