# taz.de -- Es bleibt laut: Künstliche Motorgeräusche fürs E-Auto
> Manche Hersteller simulieren den röhrenden Lärm des Verbrenners mit
> Lautsprechern – jetzt wird das wohl offiziell zugelassen.
(IMG) Bild: Der Stolz einiger Autobauer: „wohlklingende, emotionale und zum Fahrzustand passende Geräusche“
Auch [1][Elektroautos] sollen Krach machen dürfen. Internationale
Normungsgremien wollen es Autofirmen offiziell erlauben, in Elektroautos
Lautsprecher einzubauen, die die Motorgeräusche eines Verbrenners
nachahmen. Mit diesem Ansinnen, so warnt Holger Siegel vom Bundesverband
gegen Motorradlärm, stehe „das zweite Hauptversprechen der
Elektromobilität“ auf der Kippe – nämlich die Ruhe des Verkehrs.
Schon heute gibt es Hersteller, die damit werben, dass sie ihre
Elektroautos künstlich lauter machen. Damit meinen sie jedoch nicht das
Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS), das seit 2019 vorgeschrieben ist
und bis zu einer Geschwindigkeit von 20 Kilometern pro Stunde Geräusche
abgibt, um andere Verkehrsteilnehmer zu warnen. Bei schnelleren Fahrten
gelten bereits die Rollgeräusche als ausreichender Schutz.
Stattdessen sind einige Autobauer stolz darauf, zusätzlich „wohlklingende,
emotionale und zum Fahrzustand passende Geräusche“ zu generieren – so eine
Formulierung der Firma Porsche. Der „Porsche Electric Sport Sound“, so
wirbt der Sportwagenhersteller, sei „geschickt komponiert und auf den
Fahrzeugcharakter und Fahrzustand abgestimmt“. Die Technik lasse „den
fahrzeugeigenen Antriebssound mit seinem innovativen Charakter außen und
auch im Innenraum noch emotionaler und satter klingen“. Fazit der Firma:
„Der Sound eines Porsche ist seine akustische Visitenkarte.“
Ähnlich agiert Mercedes-AMG. Die Firma betont, es gehe ihr auch beim
Elektrofahrzeug darum, „einen markanten Sound zu kreieren, der die
Charakteristik des Fahrzeugs unterstreicht und einen Wiedererkennungswert
hat“. Ziel sei es, „dieses Sounderlebnis im Rahmen der gesetzlichen
Möglichkeiten zu erreichen“. Bei solchen Techniken greifen Ingenieure
ironischerweise auf Erfahrungen zurück, die sie mit Gegenschall im
Abgasstrang gesammelt haben – allein mit dem Unterschied, dass sie ihre
Erkenntnisse von einst nicht mehr zur Lärmminderung nutzen, sondern nun zur
Lärmerzeugung.
## Entwickler nutzen rechtsfreien Raum
Bisher ist die Geräuschentwicklung bei Elektroautos nicht gesondert
geregelt. Weil die Fahrzeuge von Natur aus deutlich leiser sind als die
Verbrenner, schienen entsprechende Normen schlicht überflüssig. Doch nun
nutzen Entwickler diesen weitgehend rechtsfreien Raum aus: „Die Hersteller
dürfen heute Elektroautos verkaufen, die die Geräuschkulisse eines
V8-Motors nachahmen“, sagt Lars Schade, Experte für Lärmminderung im
Verkehr beim Umweltbundesamt (UBA).
Bereits im Jahr 2024 hatte der Welt-Autoherstellerverband OICA
vorgeschlagen, die aktuelle Regelungslücke zu schließen – allerdings nicht
etwa durch engere Vorgaben, sondern dadurch, dass man Elektroautos auch
ganz formal erlaubt, Motorlärm zu simulieren. Die Fahrzeuge sollen nach dem
Wunsch der Lobby künftig auch offiziell ein sogenanntes Exterior Sound
Enhancement System (ESES – wörtlich „äußeres Klangverstärkungssystem“)
nutzen dürfen.
Zuständig für solche Regeln ist die Wirtschaftskommission der UN für Europa
(UNECE). Sie verhandelt derzeit in Genf über Änderungen der
Fahrzeuggeräusch-Regelungen. Die EU-Kommission und mehrere Mitgliedsstaaten
würden die Pläne zwar gerne stoppen und eine zusätzliche Außenbeschallung
bei E-Fahrzeugen nur dann zulassen, wenn sie eindeutig der Sicherheit dient
– doch in der UNECE ist die Autolobby stark vertreten.
Um dieser Lobby Einhalt zu gebieten, müssten sich die Minister der
EU-Mitgliedsstaaten in ihrer Ablehnung einig sein, doch das sind sie nicht.
Da zudem solche Beschlüsse zum internationalen Normungswesen oft unter dem
Radar der Öffentlichkeit laufen, positioniert sich kaum ein Minister dazu.
Auch eine Anfrage der taz beim Bundesverkehrsministerium blieb
unbeantwortet. Sind die Entscheidungen der Normungsgremien aber erst einmal
gefallen, sind dem nationalen Gesetzgeber die Hände gebunden – er kann dann
nicht mehr einfach ausscheren.
Daher wird die neue Regel wohl kommen; die UNECE-Arbeitsgruppe für Lärm
wird nach Einschätzung von Beobachtern die Zulässigkeit von ESES in Kürze
beschließen. Immerhin konnten Kritiker wohl einen kleinen
Verhandlungserfolg erzielen: Falls ein Fahrzeug mit einem ESES ausgerüstet
ist, muss der Fahrer die Geräusche aktiv per Schalter freigeben. Damit soll
verhindert werden, dass unbeabsichtigt während der Fahrt unnötige Geräusche
entstehen. Nun hofft UBA-Experte Schade auf einen gesellschaftlichen
Gesinnungswandel, wenn sich das E-Fahrzeug in großem Stil durchsetzt – auf
den Imagefaktor der „leisen Eleganz“.
16 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Elektromobilitaet/!t5033699
## AUTOREN
(DIR) Bernward Janzing
## TAGS
(DIR) Mobilitätswende
(DIR) Lärm
(DIR) Lärmschutz
(DIR) Elektromobilität
(DIR) E-Autos
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) China
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Elektromobilität
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Autoindustrie und Klima: Kritik an Vorschlag zu Mindestpreis für E-Autos aus China
Die EU-Kommission hat einen neuen Plan vorgelegt, wie sie mit chinesischen
E-Auto-Herstellern umgehen will. Warum der nicht alle überzeugt.
(DIR) Erfolgreiche Verkehrswende: Fast alle neu zugelassenen Pkw in Norwegen sind E-Autos
Der Staat fördert den Kauf und das Fahren von E-Autos seit Jahren massiv.
Jetzt hat er bei der E-Mobilität neue Spitzenwerte erreicht.
(DIR) Zukunft der Mobilität: Erst mehr Ladesäulen, dann mehr E-Autos
In Berlin diskutieren Branchenvertreter die Zukunft der Ladeinfrastruktur:
Die Bundesregierung will Ladesäulen schaffen, bevor der Bedarf steigt.