# taz.de -- Zahl der Todesopfer in Gaza: Leugnen, bis es nicht mehr geht
> Die israelische Armee räumt nun die Zahl 70.000 Getöteter in Gaza ein.
> Die Kommunikationsstrategie der IDF folgt einer Propagandalogik.
(IMG) Bild: Maysara Adwan (l.) hält während der Beisetzung weinend den Leichnam ihres elfjährigen Sohnes Qais – eines von 70.000 Opfern
Jahrelang haben viele deutsche Medien die Opferzahlen aus dem Gazastreifen
unter Vorbehalt gestellt. Das Gesundheitsministerium werde „von der Hamas
kontrolliert“, die Zahlen könne man nicht unabhängig überprüfen, hieß es.
Dabei hielten viele Experten, auch die UN, die Zahlen für plausibel. Denn
das Gesundheitsministerium in Gaza listet die Toten mit Namen,
Identifikationsnummer, Alter und Geschlecht auf. Das lässt sich gut
überprüfen, doch gerade in Deutschland wollten das viele nicht wahrhaben.
Jetzt hat die israelische Armee bestätigt, [1][dass rund 70.000 Menschen im
Gazastreifen getötet wurden]. Das folgt der Propagandalogik: Zahlen leugnen
und Quellen in Zweifel ziehen – und Verbrechen erst dann einräumen, wenn
die Indizien erdrückend sind oder weil sich die Aufmerksamkeit längst
verlagert hat. Die tatsächliche Zahl könnte noch höher liegen: [2][Forscher
des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung gehen von über 100.000
Getöteten aus]. Nicht einberechnet sind dabei die Vermissten, die unter
Trümmern begraben liegen, und jene, die an den indirekten Folgen des
Krieges gestorben sind – an Mangelernährung und Krankheiten, die unter
anderen Umständen nicht tödlich sein müssen.
Hinzu kommen laut UN über 170.000 Verletzte, meistens durch Bomben. Sie
treffen häufig Kinder: Unicef geht davon aus, dass im Gazastreifen in den
vergangenen zwei Jahren mehr als 50.000 Kinder getötet oder verletzt
wurden. Der Gazastreifen weist zudem, gemessen an seiner Bevölkerung von
2,1 Millionen, die höchste Zahl an Kindern mit amputierten Gliedmaßen auf.
[3][Doch das Grauen] hört nicht auf: Noch immer bombardiert die israelische
Armee den zerstörten Küstenstreifen, wann immer es ihr passt. Seit Beginn
des „Waffenstillstands“ hat sie dort über 500 Menschen getötet. Am Samstag
starben dort 30 Menschen, darunter wieder Frauen und Kinder. Haben
Israel-Apologeten nicht immer gesagt, die Hamas könne den Krieg sofort
beenden, wenn sie die letzten Geiseln freiließe? Noch eine
Propagandabehauptung, die sich als Lüge entpuppt.
3 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.sueddeutsche.de/politik/gaza-israel-palaestinenser-li.3379376?reduced=true
(DIR) [2] https://www.mpg.de/25776334/1125-defo-gaza-studie-zeigt-beispiellose-verluste-an-menschenleben-und-lebenserwartung-154642-x
(DIR) [3] /Gedenken-an-den-Holocaust/!6144500
## AUTOREN
(DIR) Daniel Bax
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