# taz.de -- Krieg im Gazastreifen: Mission erfüllt, was jetzt?
       
       > Die Bergung der letzten israelischen Geisel aus Gaza ist ein Fortschritt
       > für Trumps Friedensplan. Wie es weitergeht, dürfte sich am Grenzübergang
       > Rafah zeigen.
       
 (IMG) Bild: Nach Bergung der letzten israelischen Geisel aus Gaza: Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas bleibt brüchig
       
       Vor dem forensischen Institut Abu Kabir in Tel Aviv sind am Dienstag die
       meisten Geiselplakate verschwunden, die in Israel lange das Straßenbild
       geprägt haben. Hinter dem Stahltor wartet der Leichnam [1][der letzten
       israelischen Geisel Ran Gvili] auf die Beisetzung. Nach seiner Bergung von
       einem Friedhof in Gaza-Stadt am Vortag nahmen vielerorts Menschen bei
       Kundgebungen Geiselsymbole ab, um dem historischen Moment zu gedenken.
       Erstmals seit 2014 befindet sich kein Israeli mehr in Gefangenschaft im
       Gazastreifen. 843 Tage nach dem Überfall der Hamas am 7. Oktober sind mehr
       als 250 Entführte zurück in Israel.
       
       Die israelischen Sicherheitsbehörden und die Regierung haben damit nach
       zweieinhalb Jahren eines ihrer wichtigsten Versprechen eingelöst. „Das
       gesamte Volk Israel ist zu Tränen gerührt“, sagte der israelische Präsident
       Izchak Herzog. Ein Rückgang der innerisraelischen Spaltung oder ein
       Durchbruch beim Übergang zur Phase zwei der Waffenruhe im Gazastreifen sind
       damit aber längst nicht ausgemacht. Das zeigt sich auch bei der Familie
       Gvili.
       
       „Unser Stolz ist so viel größer als unsere Trauer“, erklärte Gvilis Mutter
       Talik am Montagabend. Gvili gilt in Israel als Held, weil der 24-jährige
       Polizist am 7. Oktober auf eigene Faust einen Kibbutz verteidigte, bis er
       getötet und seine Leiche verschleppt wurde. Als eine der wenigen
       Geiselfamilien hatte sich seine Mutter beim Tikva-Forum engagiert, einer
       rechtsextremen Alternative zum Forum der Geiselfamilien. Während das
       Tikva-Forum sich über weite Strecken gegen Verhandlungslösungen stellte,
       hatte der Großteil der Geiselfamilien die Regierung von Benjamin Netanjahu
       immer wieder kritisiert. Diese habe Verhandlungslösungen verhindert und
       damit den Tod von Geiseln in Kauf genommen.
       
       Wenig überraschend reklamierte Netanjahu den Erfolg unmittelbar für sich:
       „Ich habe versprochen, alle zurückzubringen und wir haben sie alle
       zurückgebracht.“ Die Bürger Israels hätten ihm „die Rückendeckung gegeben,
       den Einsatz zu Ende zu führen.“ Die Aussage steht im Widerspruch dazu, dass
       seit mehr als zwei Jahren mitunter Hunderttausende gegen seine Politik und
       für eine Verhandlungslösung demonstriert haben.
       
       ## Bedingung für Fortführung des Friedensplans
       
       Unterschiedliche Angaben gibt es auch darüber, wer den Fund von Gvilis
       Leichnam letztlich ermöglicht hat. Israels Inlandsgeheimdienst Schin Bet
       teilte mit, ein gefangenes Mitglied der radikalislamischen
       Palästinensermiliz PIJ habe im Verhör den Hinweis auf den Friedhof
       geliefert. US-Präsident Donald Trump sagte dem Nachrichtenportal Axios, die
       Hamas habe „sehr hart gearbeitet, die Leiche zurückzugeben“. Ein Sprecher
       des PIJ gab an, man habe Israel vor drei Wochen die Koordinaten mitgeteilt.
       Letztlich hatten israelische Einsatzkräfte Gvili unter 250 Leichen anhand
       seiner Zahnstruktur identifiziert.
       
       Damit ist eine wichtige Bedingung Israels für eine Fortführung des im
       Oktober in Kraft getretenen [2][Friedensplans von US-Präsident Trump]
       erfüllt. Nun stünden eine Entwaffnung der Hamas sowie ein Teilrückzug der
       israelischen Armee an. Beide Seiten haben dazu jedoch bisher wenig
       Bereitschaft erkennen lassen. Die Hamas weigert sich derzeit, ihre Waffen
       aufzugeben. Solange das der Fall ist, dürften sich jedoch kaum Staaten
       finden, die Soldaten für die geplante internationale
       [3][Stabilisierungstruppe ISF] stellen. Netanjahu kündigte an, vor einer
       Entwaffnung werde es keine Schritte zum Wiederaufbau Gazas geben.
       
       Die Waffenruhe ist äußerst brüchig. Seit Oktober tötete Israel fast 500
       Palästinenser im Gazastreifen. Die Hamas hat ihre Kontrolle in der nicht
       direkt von Israel kontrollierten Zone offenbar weitgehend wiederherstellen
       können. Die humanitäre Lage der rund zwei Millionen Menschen hat sich,
       unter anderem auf Druck der USA, zwar leicht verbessert. Sie bleibt aber
       laut Hilfsorganisationen [4][kritisch]. Israel will dennoch ab Ende
       [5][Februar 37 internationalen NGOs die Arbeit in Gaza verbieten].
       
       Ein erster Test dürfte nun die Wiedereröffnung des Grenzübergangs nach
       Ägypten in Rafah sein. Der seit fast einem Jahr geschlossene Grenzübergang
       ist die wichtigste Verbindung Gazas zum Rest der Welt. Israel will aber an
       zahlreichen Beschränkungen festhalten und laut der Times of Israel unter
       anderem die Einreise nach Gaza sowie Einfuhren selbst kontrollieren.
       
       27 Jan 2026
       
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