# taz.de -- Rechtsextremes Datingportal: Liebestod für Nazis
       
       > Eine schleswig-holsteinische Rechtsextremistin hatte ein
       > Rassisten-Datingportal gegründet. Eine Hackerin hat es nun vom Netz
       > genommen.
       
 (IMG) Bild: Antifa ist Hackarbeit: Während des CCC in Hamburg hat eine Aktivistin die Nazi-Plattform „WhiteDates“ gelöscht
       
       Auch Rechtsextreme suchen nach der großen Liebe. Doch seit Ende des Jahres
       geht das nur noch eingeschränkt bei der Online-Datingplattform „WhiteDate“
       (WD), die sich der Erhaltung der „weißen Rasse“ verschrieben hat. Gründerin
       war eine Rechtsextremistin aus Schleswig-Holstein.
       
       Das Parship für Nazis wurde allerdings von einer Aktivistin, die sich
       Martha Root nennt, gehackt – und während des Chaos Communication Congress
       (CCC) in Hamburg Ende Dezember mitsamt der rund 8.000 Mitgliederdaten
       gelöscht. Nun muss auch ein Hamburger AfD-Bürgerschaftsabgeordneter
       anderswo nach Dates suchen.
       
       Gegründet worden war WD 2017 von Christiane H., die in der Nähe von Kiel
       lebt, um „die exklusive weiße Gemeinschaft wieder aufleben“ zu lassen, wie
       die Zeit berichtete. In rechtsextremen Medienportalen wähnte sie sich auch
       schon im „Rassenkrieg“.
       
       Die Plattform solle helfen, den „weißen Völkermord“ zu verhindern – immer
       mehr Kinder würden nämlich Teil einer „Mischmaschrasse“ sein, „so wie die
       Juden“. Stolz verkündete H. 2019 die Geburt „unseres ersten
       WhiteDate-Baby“.
       
       Nach außen tritt H. unter der Pseudonym „Liv Heide“ auf, auf ihrer
       Plattform nannte sie sich „Nordfrau“. Sie hat eigenen Aussagen zufolge
       lange Zeit in Paris gelebt. Um 2015 hatte sie, so erzählte es der damalige
       französisch-jüdische Ehemann der Zeit, begonnen, immer mehr antisemitisches
       Verschwörungsmaterial zu konsumieren, etwa über den sogenannten großen
       Austausch.
       
       In der Folge habe er sich aus politischen Gründen von ihr getrennt, H. sei
       dann zurück nach Schleswig-Holstein gezogen. Ihr Portal beschrieb H. selbst
       als „Plattform für Europide“.
       
       Dort gab es neben Dating-Tipps auch Lesetipps zu rassistischen Autoren –
       und die Möglichkeit zur Vernetzung über private Dates hinaus: In
       Untergruppen, etwa mit Namen wie „White Watch Germany“, „How to build White
       Communities“ und „Nordish by Nature“, konnten sich Rechtsextreme
       organisieren und vorbereiten auf den von H. und ihren Plattformmitgliedern
       erwarteten „Rassenkrieg“.
       
       Der größte Teil der Mitglieder stammt laut Zeit aus den USA. Über die
       Hälfte aller angemeldeten Profile gab an, Amerikaner zu sein. Danach
       folgten Deutschland, Großbritannien und Kanada.
       
       ## Großer Männerüberhang
       
       Nur 12 Prozent sollen Frauen gewesen sein, 88 Prozent dagegen Männer. Auch
       der Hamburger Bürgerschaftsabgeordnete Benjamin Mennerich war dort bereits
       seit 2019 angemeldet. Zu diesem Zeitpunkt ordnete der
       nordrhein-westfälische Verfassungsschutz WD schon als „Extremismus im
       digitalen Raum“ ein.
       
       „Waldgänger“ nannte sich Mennerich bei WD: Das Pseudonym spielt offenbar
       auf den Roman „Der Waldgang“ an, der von einer Ikone der Neuen Rechten
       geschrieben worden war: Ernst Jünger. Nach Ansicht des Hamburger Bündnisses
       gegen Rechts (HbgR) gehört Mennereich zum „völkischen Flügel der Hamburger
       AfD und relativierte laut Aussagen von AfD-Mitgliedern den Holocaust“.
       
       12 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Speit
       
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