# taz.de -- Klimakrise: 224 Milliarden US-Dollar durch Naturkatastrophen vernichtet
       
       > Nur weil keine Hurrikans die USA trafen, sind Schäden durch
       > Naturkatastrophen 2025 gesunken. Der Klimawandel steigert die Kosten für
       > Versicherer.
       
 (IMG) Bild: Die Brände in Los Angeles zu Beginn des vergangenen Jahres waren die teuersten Waldbrände aller Zeiten
       
       Weltweit verursachten Naturkatastrophen im vergangenen Jahr Schäden in Höhe
       von 224 Milliarden US-Dollar. Das teilte der Rückversicherer Münchener Rück
       am Dienstag mit. Die Schäden sind demnach weniger hoch als im Jahr 2024,
       als Naturkatastrophen Werte in Höhe von 368 Milliarden US-Dollar
       vernichteten.
       
       Der Rückgang liegt der Münchener Rück zufolge aber vor allem daran, dass im
       vergangenen Jahr kein Hurrikan die USA mit voller Wucht traf, [1][während
       2024 die Hurrikane Milton und Helene Teile der US-Ostküste verwüsteten].
       
       „Es war 2025 pures Glück für die USA, dass Hurrikane sie verschonten“,
       sagte Münchener Rück-Vorstandsmitglied Thomas Bunck. „Und dennoch: Das Land
       ist Spitzenreiter der Schadensstatistik, da der Trend zu sehr hohen Schäden
       durch ‚Non-Peak Perils‘ bleibt.“
       
       Non-Peak Perils, also Nicht-Spitzenrisiken, sind Ereignisse, die häufig
       auftreten und begrenzte Schäden verursachen. Peak Perils, also
       Spitzenrisiken, sind Ereignisse wie Hurrikans oder Erdbeben, die selten,
       aber extrem zerstörerisch sind. Der Münchener Rück zufolge sind
       Spitzenrisiken für die extremen Ausnahmejahre mit hohen Schäden
       verantwortlich, „die ‚Non-Peak Perils‘ dagegen für den Trend – und der
       zeigt nach oben.“
       
       ## Die teuersten Waldbrände aller Zeiten
       
       Non-Peak Perils wie Hochwasser, Gewitter und Waldbrände verursachten 2025
       Schäden in Höhe von 166 Milliarden US-Dollar, der Durchschnitt lag in den
       vergangenen 10 Jahren bei 136 Milliarden US-Dollar. Den größten Anteil
       daran hatten die Brände in Los Angeles Anfang des Jahres, [2][die mit
       Schäden in Höhe von 53 Milliarden US-Dollar die teuersten Waldbrände aller
       Zeiten] und gleichzeitig die teuerste Naturkatastrophe des Jahres waren.
       
       Eine [3][Studie] der Forschungsgruppe World Weather Attribution kam zu dem
       Ergebnis, dass der Klimawandel das Feuerrisiko im Winter deutlich
       wahrscheinlicher und etwas intensiver gemacht hat. Der Münchener Rück
       zufolge ist sich „die Wissenschaft weitestgehend einig“, dass Ereignisse
       wie Hochwasser, Gewitter und Waldbrände in vielen Teilen der Welt „schwerer
       und häufiger werden“.
       
       Dazu kommen Tropenstürme wie [4][Melissa in der Karibik] sowie [5][Ditwah
       und Senyar in Südostasien], die 2025 heftige Verwüstungen mit Schäden in
       Höhe von insgesamt 37 Milliarden US-Dollar anrichteten. Auch sie werden
       aufgrund des Klimawandels heftiger, weil sie aus den heißeren Meeren mehr
       Energie saugen können.
       
       „In einer Welt im Fieber sind extreme Wetterkatastrophen wahrscheinlicher“,
       sagte Tobias Grimm, Chef-Klimatologe der Münchener Rück. „2025 war wieder
       eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Damit waren die
       zwölf vergangenen Jahre die wärmsten überhaupt.“ Ein „Zeichen der
       Entwarnung“ gebe es nicht.
       
       ## Allianz-Vorstand: Klimawandel ist „systemisches Risiko“
       
       Münchener Rück-Vorstand Bunck ergänzte: „Wir dürfen uns nichts vormachen.
       Die Menschheit muss sich den Risiken anpassen.“ Aber Ute Sudmann,
       Bereichsleiterin Zukunftsfähige Finanzflüsse bei der Umweltorganisation
       Germanwatch, geht das nicht weit genug. „Alle müssen sich besser anpassen
       an die Folgen des Klimawandels“, sagte sie der taz. „Aber es muss parallel
       darum gehen, die Temperaturerhöhung so stark zu begrenzen wie irgendwie
       möglich, um die Auswirkungen des Klimawandels so gering wie möglich zu
       halten.“
       
       Günther Thallinger, Vorstandsmitglied des Versicherers Allianz, hatte schon
       im vergangenen März gewarnt, dass der Klimawandel ein „systemisches Risiko“
       für das Finanzsystem sei: „Die nötigen Beitragserhöhungen übersteigen das,
       was Menschen und Unternehmen zahlen können.“ Ganze Landstriche würden
       unversicherbar, und mit fehlenden Versicherungen würden auch Banken keine
       Hauskredite mehr anbieten. „Das ist eine vom Klimawandel verursachte
       Kreditkrise“, schrieb er [6][auf LinkedIn].
       
       Für die Versicherer werden nicht nur die versicherten Schäden teurer,
       sondern auch die Gerichtsprozesse um Streitfälle. Der [7][Financial Times
       zufolge] verdoppelte sich in den USA über das vergangene Jahrzehnt die Zahl
       der Verfahren von 290 auf 640, die mit Betriebsunterbrechungen infolge von
       Klimagefahren zusammenhängen. Streitigkeiten um Eigenheimversicherungen
       nahmen demnach ebenfalls zu: 2016 waren es noch 1.600, 2025 bereits 4.000.
       Die Verfahren enden häufig mit einem Vergleich, der die Versicherer
       Millionen US-Dollar kostet.
       
       ## Globaler Süden oft unversichert
       
       In Europa liegt die Schadensbilanz durch Naturkatastrophen bei
       „glimpflichen“ 11 Milliarden US-Dollar, die unter anderem durch eine
       Kältewelle in der Türkei und Hagelstürme in Frankreich, Österreich und
       Deutschland verursacht wurden. Die Hälfte dieser Schäden war der Münchener
       Rück zufolge versichert, während von den 73 Milliarden US-Dollar Schäden in
       Asien, Afrika und dem Pazifik nur 9 Milliarden US-Dollar versichert waren.
       
       „Die Klimafolgen sind für die Menschen vor Ort noch schlimmer als im
       Globalen Norden“, sagte Sudmann. „Die Versicherer scheuen sich, in
       Schwellen- und Entwicklungsländern Versicherungen anzubieten, weil das
       wirtschaftlich wenig attraktiv ist.“ Die Wahrscheinlichkeit für
       existenzgefährdende Schäden sei dort aber höher, weil weniger öffentliche
       und private Gelder für Klima-Anpassung zur Verfügung stünden. „Wenn die
       Leute dort nicht versichert sind, stehen sie nach solchen Katastrophen mit
       gar nichts da.“
       
       13 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Forscher-Knutti-ueber-die-Klimakrise/!6039673
 (DIR) [2] /Schaeden-durch-Naturkatastrophen/!6099485
 (DIR) [3] https://www.worldweatherattribution.org/climate-change-increased-the-likelihood-of-wildfire-disaster-in-highly-exposed-los-angeles-area/
 (DIR) [4] /Wie-der-Klimawandel-den-Jahrhundert-Hurrikan-Melissa-antreibt/!6125006
 (DIR) [5] /Flutkatastrophen-in-Suedasien/!6137982
 (DIR) [6] https://www.linkedin.com/pulse/climate-risk-insurance-future-capitalism-g%C3%BCnther-thallinger-smw5f/?trackingId=ncC5%2BrItSLqqdk1kOgOhIA%3D%3D
 (DIR) [7] https://www.ft.com/content/657d2be9-dc94-4c74-986c-68ea164a8387
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Waack
       
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