# taz.de -- Abwasserkatastrophe in den USA: Washington ruft den Notstand aus
       
       > Seit einem Monat fließt verunreinigtes Wasser in gigantischen Mengen in
       > den Potomac. Präsident Trump gibt demokratischen Politiker*innen die
       > Schuld.
       
 (IMG) Bild: Umweltschützer Evan Quinter nimmt Wasserproben aus dem stinkenden Fluss Potomac bei Washington
       
       Ein Abwasser-Leck sorgt in der US-Hauptstadt Washington und den umliegenden
       Gemeinden seit mehr als einem Monat für viel Kritik und Unbehagen. Seit
       dieser Woche findet auch ein politischer Schlagabtausch statt. Am Mittwoch
       rief Washingtons Bürgermeisterin Muriel Bowser sogar den Notstand aus. Sie
       hofft auf Unterstützung der Bundesregierung, um die Situation unter
       Kontrolle zu bringen.
       
       Präsident Donald Trump erklärte hingegen, dass die Demokratin Bowser sowie
       die beiden demokratischen Gouverneure in Maryland und Virginia schuld daran
       seien, dass Hunderte Millionen Liter an Fäkalien in den Potomac River
       gelaufen seien.
       
       „Die beiden Gouverneure und die Bürgermeisterin von Washington, D. C.
       müssen sofort handeln. Dies ist eine von der radikalen Linken verursachte
       Umweltkatastrophe. Während sie ständig über CO2-Bilanzen und alles Mögliche
       reden, lassen sie Hunderte Tonnen Abwasser in den mächtigen Potomac
       fließen“, sagte Trump am Dienstag in einem Post auf Truth Social.
       
       Er zielte dabei vor allem auf Marylands Gouverneur Wes Moore ab. „Im
       Potomac River spielt sich eine massive Umweltkatastrophe ab, verursacht
       durch das grobe Missmanagement lokaler demokratischer Politiker,
       insbesondere von Gouverneur Wes Moore aus Maryland“, schrieb Trump in einem
       weiteren Post.
       
       ## Die Ursache ist noch unklar
       
       Die für die Abwasserentsorgung zuständige Behörde DC Water erklärte, dass
       seit dem Auftreten des Lecks am 19. Januar mehr als 885 Millionen Liter an
       Fäkalien unbehandelt in den Fluss gelangt seien. US-Medien beschreiben die
       Situation als eine der größten Abwasserkatastrophen in der Geschichte der
       USA. Inzwischen wurde das Abwasser in ein anderes Gewässer umgeleitet. Bis
       das Problem jedoch behoben ist, soll es noch Wochen dauern, hieß es von
       offizieller Seite.
       
       Der Grund für das Leck in der Abwasserleitung, die den Namen Potomac
       Interceptor trägt, ist bislang noch unklar. Die Energie- und Umweltbehörde
       der Hauptstadt Washington erklärte, dass die Leitung pro Tag bis zu 227
       Millionen Liter an unbehandeltem Abwasser aus den angrenzenden
       Bundesstaaten Maryland und Virginia in eine Kläranlage im Süden der
       Hauptstadt transportiere.
       
       Da selbst eine provisorische Lösung, um den unkontrollierten Ausfluss von
       Fäkalien zu stoppen, Wochen dauern wird, ist eine komplette Sanierung noch
       in weiter Ferne. DC Waters leitender Ingenieur Moussa Wone sprach in der
       vergangenen Woche von neun Monaten, um die Situation zu bereinigen.
       
       Sowohl die Regierung als auch unabhängige Forscher beobachten seit dem
       Bekanntwerden des Lecks die Wasserqualität im Fluss genau. Offizielle
       Messungen haben bisher keine bedenklichen Werte von krankheitserregenden
       E.coli-Bakterien ergeben. Forscher der University of Maryland hatten jedoch
       zwei Tage nach dem Unglück Werte gemessen, die den Richtwert der
       US-Umweltschutzbehörde EPA um das 10.000-Fache überschritten.
       
       ## Warnung der Behörden
       
       „DC Water ist für das Leck im Potomac Interceptor zuständig, und derzeit
       gibt es keine Auswirkungen [1][auf die Trinkwasserversorgung]. Inspektoren
       der EPA besuchen den Ort wöchentlich, um die Einhaltung der Vorschriften zu
       überwachen. Die EPA wird sich weiterhin mit DC Water abstimmen, um
       sicherzustellen, dass deren Maßnahmen ausreichend sind“, erklärte ein
       EPA-Sprecher gegenüber The Hill.
       
       Auch wenn die Trinkwasserversorgung bisher nicht betroffen ist, gibt es von
       den Behörden die Warnung, den Ort des Lecks zu meiden und jegliche
       Aktivitäten im Fluss zu unterbinden. Die Langzeitfolgen sind noch nicht
       absehbar. Anwohner beschweren sich derweil über einen fast unerträglichen
       Gestank.
       
       „Wenn man den Geruch erst einmal wahrgenommen hat, dann geht er einem nicht
       mehr aus der Nase. Selbst 20 Minuten später fragt man sich noch: ‚Rieche
       ich das immer noch?‘“, sagte der Anwohner Philip Gray gegenüber USA Today.
       
       Die Kosten für die temporäre Lösung des Problems belaufen sich auf rund 10
       Millionen Dollar. Wie viel eine vollständige Reparatur der mehr als 60
       Jahre alten Leitung kosten würde, ist bislang nicht bekannt. Als Teil eines
       zehnjährigen Modernisierungsprojekts hatte DC Water jedoch bereits 625
       Millionen Dollar für die Sanierung der Abwasserleitung veranschlagt.
       
       20 Feb 2026
       
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