# taz.de -- Neubauers Schulstunde aus der Antarktis: Geht's hier um Ohrenschmalz oder ums Klima?
> Aktivistin Luisa Neubauer und Kinderfernsehstar Checker Tobi geben
> Unterricht vom Polarmeer aus. Viel trauen sie den Kindern aber nicht zu.
(IMG) Bild: Könnte den Schüler:innen ruhig mehr zutrauen: Umweltaktivistin Luisa Neubauer
„Der Welt geht’s eben nicht so richtig gut“ – so will Luisa Neubauer mehr
als Tausend Schüler:innen davon überzeugen, dass es wichtig ist, über
den Klimawandel zu sprechen. Die Klimaaktivistin sitzt dabei vor einer
eindrücklichen Kulisse gigantischer Eisberge auf dem Segelboot „Malizia
Explorer“ mitten in der Antarktis. Die Schüler:innen, die ihr zuhören,
sitzen hingegen am Bodensee, in Hamburg oder Berlin und haben sich per Zoom
zum „Klassenzimmer aus dem Eis“ dazugeschaltet. Zu den etwa 1.300
Zoom-Teilnehmer:innen gehört auch Kika-Moderator Tobias Krell, [1][der als
Checker Tobi das Gesicht einer gleichnamigen Wissenssendung ist].
Er schaltet erst Luisa Neubauer und die freie Journalistin Lea Wowra zum
virtuellen Unterricht hinzu. Die beiden sollen vom Segelschiff aus
kindgerecht die Besonderheit der Antarktis erklären, aber auch von den
persönlichen Eindrücken ihrer Reise erzählen. Sie berichten, dass es vor
Ort gerade Sommer ist und dass es nachts nicht dunkel wird.
Kindgerecht ist hier das Stichwort, denn die Aktivist:innen,
Journalist:innen und Wissenschaftler:innen haben sich bemüht, ein
kindgerechtes Format zum Klimawandel zu schaffen. Das Ganze findet zur
gewöhnlichen Unterrichtszeit statt und setzt nicht darauf, dass
Schüler:innen nach einem anstrengenden Schultag noch Energie haben, sich
mit dem Klimawandel zu beschäftigen.
Birte Lorenzen-Herrmann, früher Lehrerin und nun Leiterin des
Bildungsprogramms der „Malizia Explorer“, lobt im Zoom-Call, dass die
Kinder mit ihrem Interesse an Ozean und Klima einen wichtigen Schritt
gehen. Dieses Wissen sei notwendig, um etwas gegen den Klimawandel tun zu
können. Die geladenen Gäste erzählen vom Buckelwal und den
Gletschergeräuschen. Nur eins findet erstaunlich wenig Platz: Wie schlecht
es eigentlich um die Antarktis steht.
## Die Dramatik der Klimakrise wird nicht deutlich
Sicher ist es interessant, dass der Gletscher nachts „richtig rumst“, wie
Neubauer erzählt, oder dass das Ohrenschmalz der Buckelwale Einblicke in
ihre Reisen, ihre Gesundheit und ihre Umwelt ermöglicht, wie Wowra
berichtet. Aber dass die Gletscher der Antarktis im Rekordtempo an Volumen
verlieren und die Eisdecke der Antarktis in diesem September sein
drittniedrigstes Flächenmaximum seit Beginn der Messungen erreichte, das
erwähnt in der Schulstunde niemand.
Wowra und Neubauer warnen zwar, dass das schmelzende Eis dafür sorgen
könnte, dass weltweit der Meeresspiegel ansteigt. Aber sie machen diese
abstrakte Gefahr nicht konkret: Dass [2][Inseln versinken], Städte
überschwemmt und [3][Sturmfluten noch gefährlicher] werden.
Dazu kommt, dass Neubauer versucht, Wortwahl und Ton eines Kindes zu mimen.
Das irritiert angesichts der Tatsache, dass einige der Zuhörenden 14- bis
15-jährige Teenager sind, während andere gerade erst in der zweiten Klasse
das kleine Einmaleins gelernt haben. Ein Lernformat „für alle
Altersgruppen“ zu kreieren – so das selbst gesteckte Ziel der Initiative
„My Ocean Challenge“, die hinter dem antarktischen Klassenzimmer steht –
ist eben eine ambitionierte Aufgabe.
Sicher wollten die Veranstalter:innen den zuhörenden Kindern keine
Angst machen. Dabei sind sie aber in eine leicht überspitzte Positivität
verfallen, die der dramatischen Lage nicht gerecht wird. Man kann Kindern
durchaus Ernsthaftigkeit zutrauen – hier wäre es nötig gewesen.
14 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Annika Reiß
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