# taz.de -- Contra Wirtschaftswachstum: Bessere Verteilung statt ressourcenfressenden Wachstums
       
       > Die deutsche Wirtschaft wächst nur minimal? Gut so. Denn Wachstum können
       > wir uns nicht mehr leisten, es verbraucht Ressourcen, die wir nicht mehr
       > haben.
       
 (IMG) Bild: Mehr Windräder, weniger Container: Frachtgutverladung im Hamburger Hafen
       
       Bauholz, Trinkwasser, Stahl oder Getreide: Der „Overshoot Day“ ist jener
       Tag, an dem die Menschheit all das aufgebraucht hat, was eine sich selbst
       erhaltende Natur binnen eines Jahres liefern kann. Zuletzt fiel dieser Tag
       in der Bundesrepublik [1][auf den 10. Mai], würden alle so haushalten wie
       wir Deutschen, wären drei Erden nötig.
       
       Daher ist es eine gute Nachricht, dass [2][die Wirtschaft weiter nur
       minimal wächst]. Denn Wirtschaftswachstum können wir uns nicht mehr
       leisten, es verbraucht Ressourcen, die wir nicht mehr haben. Dass unsere
       Gier nach Rohstoffen noch immer so gut gestillt wird, liegt an der perfiden
       Plünderung anderer Länder.
       
       Man kann das Dilemma auch aus Sicht der Bundesregierung beschreiben:
       Beschlusslage ist, das Paris-Protokoll einzuhalten, also für eine
       Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad zu einzustehen. Allerdings ist das
       Budget, das uns Deutschen dafür noch zur Verfügung stand, seit Frühjahr
       2024 vollständig aufgebraucht, [3][wie der Sachverständigenrat der
       Bundesregierung ermittelte]. Also Gasheizungen aus, Fahrverbote für
       Verbrenner, kein Dünger mehr für die Landwirtschaft.
       
       Beim Klimaschutz lahmt auch diese Bundesregierung: 2025 sanken die
       Emissionen gerade einmal um 1,5 Prozent, das gesetzlich vorgeschriebene
       Ziel – minus 65 Prozent bis 2030 – scheint nicht mehr erreichbar.
       
       Natürlich gibt es den Traum vom „grünen Wachstum“: Wenn die
       Energieversorgung erst einmal auf „fossilfrei“ umgestellt ist, dann wäre
       die Steigerung des BIP schon okay. Erstens aber sind gerade einmal [4][20
       Prozent der deutschen Energieversorgung] erneuerbar, obwohl es bei der
       Stromversorgung 2025 fast 56 Prozent waren, ist es noch ein langer Weg bis
       100 Prozent „fossilfrei“. Zweitens verschlingt auch „Grünes Wachstum“
       Ressourcen wie Bauholz, Stahl oder Lithium: In einer endlichen Welt lassen
       sich davon nicht unendlich viel beschaffen.
       
       Aufgeklärte linke Politik sollte deshalb anfangen, eine Gesellschaft ohne
       Wirtschaftswachstum vorzudenken: Wie können Ressourcen besser genutzt,
       Energie eingespart, wie kann der vorhandene Wohlstand einer Gesellschaft
       besser verteilt werden? Wer weiterhin dem Wachstumsfetisch hinterherlechzt,
       der will unseren Enkeln eine Welt ohne Hummeln, ohne Grönland, ohne Hamburg
       hinterlassen. Eine Welt mit verheertem Antlitz.
       
       15 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://overshoot.footprintnetwork.org/newsroom/country-overshoot-days/
 (DIR) [2] /Deutsche-Wirtschaft-waechst-kaum/!6145852
 (DIR) [3] https://www.umweltrat.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2020_2024/2024_03_PM_CO2_Budget.html
 (DIR) [4] https://ag-energiebilanzen.de/energieverbrauch-wird-2025-stagnieren/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nick Reimer
       
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