# taz.de -- Ministerpräsident schilt Medien: Gegenwind für Daniel Günther
> Nach einem TV-Auftritt hagelt es Zensurvorwürfe: Schleswig-Holsteins
> CDU-Ministerpräsident will rechte Medien auf Qualitätsstandards
> verpflichten.
(IMG) Bild: Daniel Günther hat sich gegen das Verbreiten von Fake News ausgesprochen. Schlimm finden das vor allem Fake News-Verbreiter
Dem Konzept der „Brandmauer“ gegen die AfD erteilte er eine Absage – und
trotzdem hat sich [1][Daniel Günther] Kritik von rechts bis ganz rechts
eingehandelt. Denn bei seinem Auftritt bei ZDF-Talker [2][Markus Lanz]
sprach Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident am vergangenen Mittwoch
über „Gegner, auch Feinde der Demokratie“ nicht nur in den Parlamenten, auf
die etwa mit einem AfD-Verbotsverfahren zu reagieren sei.
Nein, es sei nicht nur Aufgabe von Politik, Demokratie zu schützen, so der
52-Jährige. Auch „zivile Organisationen“ müssten sich dazu bekennen. Er
glaube auch, „dass es innerhalb der Medien eine Diskussion darüber geben
muss: Welche Qualitätskriterien müssen Medien erfüllen?“
Wäre er da stehen geblieben, hätte Günther nicht die Empörung geerntet, wie
es dann geschah. Denn nicht nur über abstrakte US-amerikanische
Tech-Monopole und Jugendschutz im Netz ging es ihm – er bekannte sich zu
einer Zugangsbeschränkung zu sozialen Medien für Unter-16-Jährige.
## „Vollkommen faktenfrei“
Sondern ausdrücklich auch um das mehr laut- als reichweitenstarke Portal
[3][Nius]. Wenn er dessen Artikel über sich lese, „kann ich nur sagen: Da
stimmt in der Regel nichts drin. Das ist einfach vollkommen faktenfrei, was
an der Stelle gemacht wird. Aber die treten eben auf und machen den
Eindruck, als wäre das sozusagen im Sinne der Meinungsfreiheit etwas, das
man in unserem Land sagen darf.“
„Wir haben ja bei uns zum Glück Pressefreiheit, Meinungsfreiheit in unserem
Land“, so Günther weiter. „Aber wenn man eine solche Einflussnahme hat wie
Medien, dann muss man eben auch bestimme Qualitätskriterien einhalten.“ Was
aber passieren soll, wenn das nicht passiert? „Es ist einfach falsch, wenn
man es so hinnimmt.“
Hatte da ein Vertreter einer etablierten Partei, der Kopf einer
Landesregierung gar, nach grundgesetzwidriger Zensur gerufen – der Zensur
kritischer Medien an sich? Ja, er hatte, wenn es nach diversen
Springer-Publikationen, Nius und Apollo News oder auch
Onlinemeinungsinhabern wie Wolfgang Tichy und Joachim Steinhöfel geht.
„Genosse Günther“ stellt demnach die eigentliche Gefahr dar für die
Demokratie und hat dringend das Amt niederzulegen
## „Qualitätsfragen sind nicht Sache des Staates“
„Schockiert“ äußerte sich aber auch der Deutsche Journalistenverband (DJV):
„Wenn sich Daniel Günther über Nius und andere ärgert, darf die Antwort
nicht Zensur oder gar Verbot heißen“, [4][erklärte am Montag] der
DJV-Bundesvorsitzende Mika Beuster. Für Streitfragen zur journalistischen
Qualität sei der Deutsche Presserat zuständig, „nicht der Staat“.
Unterstützung erfuhr der Christdemokrat von einem norddeutschen Amts-, aber
nicht Parteikollegen: „Mein Kollege Daniel Günther hat recht“, [5][schrieb
am Freitag] ausgerechnet auf der [6][Plattform X] Bremens Bürgermeister
Andreas Bovenschulte, Sozialdemokrat und derzeit Vorsitzender des
Bundesrates. „Medien, die an der Zersetzung des politischen Diskurses
mitwirken, faktenfreie Meinungsmache betreiben, bewusst missverstehen und
jedes Sachproblem personalisieren, sind eine Gefahr für die liberale
Demokratie.“
Er sei sich „übrigens nicht sicher“, schrieb Bovenschulte noch, ob diese
Charakterisierung „nur eine Fremdzuschreibung ist, sondern am Ende auch das
Selbstverständnis von Nius & Co. zutreffend beschreibt“.
## „Brandgefährliche Fantasien“
Mit Bovenschultes Einlassung war die Sache dann auch angekommen im
Klein-Klein landespolitischer Rituale: Einen „Frontalangriff auf die
freiheitliche Grundordnung“ erkannte in Günthers angeblichem Zensur-Vorstoß
der Bremer FDP-Landesvorsitzende Thore Schäck – „und Bovenschultes Applaus
dafür macht fassungslos“.
Wenn Regierungschefs anfingen, „darüber zu fantasieren, welche Medien noch
akzeptabel sind und welche nicht, ist das brandgefährlich“, so Schäck
weiter. „Pressefreiheit bedeutet nicht, nur wohlgesinnte Medien zu
tolerieren – sondern gerade auch unbequeme und kritische Stimmen
auszuhalten.“
Alles nur ein Missverständnis? „JA zu einem Social-Media-Verbot für unter
16-Jährige. JA zur Meinungs- und Pressefreiheit. Genau das habe ich am
Mittwoch bei Markus Lanz gesagt“: Das veröffentlichte Günther am Sonntag
[7][auf seinem Facebook-Profil]. „Aktivismus, ob von linker oder von
rechter Seite, ist kein Journalismus. Stimmungsmache ist keine
Berichterstattung. Nicht überall, wo Journalismus draufsteht, ist auch
Journalismus drin.“
Er habe sich, so Günther weiter, „deutlich“ positioniert gegen das
Verbreiten von Fake News und politische Kampagnen „durch sogenannte
‚alternative Medien‘“. Die Reaktion ebendieser Medien nun seien „das
perfekte Beispiel, wie Verkürzung, gezieltes Weglassen und bewusste
Falschinterpretation zur Methode geworden sind. Das hält keine Gesellschaft
dauerhaft aus.“
12 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Daniel-Guenther/!t5359159
(DIR) [2] /Markus-Lanz/!t5026217
(DIR) [3] /Nius/!t6108338
(DIR) [4] https://www.djv.de/news/pressemitteilungen/press-detail/schock-ueber-zensurforderung/
(DIR) [5] https://x.com/AndreasBovensc1/status/2009613757367062697
(DIR) [6] /Twitter-/-X/!t5008995
(DIR) [7] https://www.facebook.com/Daniel.Guenther.CDU/videos/ja-zu-einem-social-media-verbot-f%C3%BCr-unter-16-j%C3%A4hrige-ja-zur-meinungs-und-pressef/1867439387498127/
## AUTOREN
(DIR) Alexander Diehl
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