# taz.de -- Kieler Medien-Zensur-Debatte: Erst denken, dann talken
> Will Schleswig-Holsteins CDU-Ministerpräsident die Zensur mancher Medien?
> Das hat die Landtags-FDP erfragt. Ganz zufrieden sind die Liberalen
> nicht.
(IMG) Bild: Nein, es geht nicht um Medienzensur: Daniel Günther (CDU) hebt die Hand während einer Abstimmung im Kieler Landtag, Dezember 2025
Will Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther unliebsame Medien
zensieren, verbieten, regulieren? [1][Nach einer missverständlichen
Äußerung in der Talksendung von Markus Lanz] ergoss sich ein Shitstorm über
den CDU-Politiker. Während die bundesweite Debatte [2][immer neue Kreise
zieht] und dabei unerwartete Schlenker macht, hakte die
FDP-Landtagsfraktionbeim Ministerpräsidenten nach.
„Dass Daniel Günther die Demokratie abschaffen will, glaube ich auch
nicht“, sagt Christopher Vogt, Chef der FDP im Kieler Landtag. Dennoch
stellte seine Fraktion eine offizielle Anfrage an die Regierung, was genau
in der Talkshow gemeint war. [3][In der Lanz-Sendung im frühen Januar]
hatte Günther unter dem Oberthema „Schutz der Demokratie“ zahlreiche Punkte
angesprochen, angefangen vom AfD-Verbot, das er befürwortet, über
Social-Media-Einschränkungen für Unter-16-Jährige bis zur Rolle der Medien.
Dabei hatte der Politiker Berichte des Portals „Nius“ als „faktenfrei“
bezeichnet. Auf die Frage des Moderators, ob er „das regulieren, zensieren,
verbieten“ wolle, hatte Günther mit „Ja“, geantwortet. Beide ließen
allerdings offen, was mit „das“ gemeint war.
Die Antwort der Kieler Staatskanzlei auf die Anfrage der FDP fiel knapp
aus: Nein, die Regierung plane keine Initiativen, um Medien zu zensieren
oder zu verbieten. Allerdings arbeiteten alle Bundesländer zurzeit an einem
[4][Digitalen Medienstaatsvertrag], heißt es in der Antwort. Dabei geht es
auch um Verbote strafbarer Inhalte, Jugendschutz und die Regulierung von
Plattformen.
## „Einen Nerv getroffen“
Die FDP ist damit nicht zufrieden: Der Verweis auf den Medienstaatsvertrag
gehe am Thema vorbei, so Vogt. Die Staatskanzlei, damit der
Ministerpräsident, sei für das Thema Medien zuständig. Günther solle sich
erst „sinnvolle und konkrete Gedanken“ machen, bevor er darüber [5][in
einer bundesweiten Sendung sinniere]. Trotzdem sagte Vogt in einer
Presserunde im Landtag: „Ich glaube, Daniel Günther hat einen Nerv
getroffen.“
Tatsächlich hat sich die Debatte in den vergangenen Tagen noch ausgeweitet.
Immer mit dabei ist „Nius“. Das Portal reichte nicht nur eine Klage gegen
Daniel Günther ein, sondern leistete sich auch einen Schlagabtausch mit der
Neuen Osnabrücker Zeitung (NOZ), [6][deren eigene Leserschaft den Schwenk
zu einer „immer rechtspopulistischer ausgerichteten Tageszeitung“
kritisiert] hat.
Die NOZ sieht Günthers Aussage durchaus kritisch und steht damit auf der
Seite von „Nius“, so Chefredakteur Burkhard Ewert jüngst [7][in einem
Kommentar]. Dennoch bescheinigte „Nius“-Chefredakteur [8][Julian Reichelt]
auf seinem „X“-Account der NOZ-Redaktion „totalen Dachschaden“ und befand:
„Das ist einfach nur noch abstoßend, das ist Zersetzung wie in der DDR.
Schämt Euch!“
Grund des Ärgers war ein [9][NOZ-Interview mit Bundesjustizministerin
Stefanie Hubig (SPD)], in dem es auch um das Günther-Interview und „Nius“
geht. Weil in einer eine Zwischenüberschrift. Weil eine Zwischenüberschrift
die Wörter „AfD“, „Nius“ und „Kinderpornografie“ enthielt, werde eine
inhaltliche Nähe hergestellt, so Reichelt – für die NOZ ist es nur ein
Hinweis auf die Themen des folgenden Absatzes.
Die Kieler Politik hatte sich anfangs mit Äußerungen zurückgehalten, auch
von den eigenen Parteifreund:innen erhielt Günther zunächst wenig
Rückendeckung. [10][Tobias Koch, Fraktionschef der CDU im Kieler Landtag]
erklärte, er habe dazu keine Notwendigkeit gesehen: „Ich hatte kein
Störgefühl, sondern habe die Aussage als Aufruf an die Zivilgesellschaft
verstanden, sich für den Schutz der Demokratie einzusetzen.“
So, wie die Debatte sich entwickelte, habe sie Günthers These bestätigt,
wie Kampagnen heute funktionieren, so Koch weiter: „Das zu entlarven, ist
ihm gelungen.“ Ähnlich sieht es Lasse Petersdotter von den mitregierenden
Grünen: „Die Debatte hat ihm Recht gegeben.“
1 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ministerpraesident-schilt-Medien/!6144943
(DIR) [2] https://www.kn-online.de/schleswig-holstein/daniel-guenther-und-nius-rechtsstreit-geht-weiter-Q6LKB4YXJZA7VHHXE4HMHGIQSQ.html
(DIR) [3] https://www.youtube.com/watch?v=NM8qB9AoSxI
(DIR) [4] https://rundfunkkommission.rlp.de/digitale-medien-staatsvertrag
(DIR) [5] /Daniel-Guenther-im-Shitstorm/!6142309
(DIR) [6] /Neue-Osnabruecker-Zeitung/!6130611
(DIR) [7] https://www.noz.de/deutschland-welt/meinung/artikel/nach-reichelt-kritik-wie-es-um-die-meinungsfreiheit-steht-49792855
(DIR) [8] /!s=julian+reichelt/
(DIR) [9] https://www.noz.de/deutschland-welt/politik/artikel/justizministerin-afd-verbot-nicht-politisch-vom-tisch-nehmen-49723570
(DIR) [10] https://www.tobias-koch-cdu.de/aktuelles
## AUTOREN
(DIR) Esther Geisslinger
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