# taz.de -- Daniel Günther im Shitstorm: Wehrhafter Demokrat
> Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther hat sich kritisch zu
> Social Media und Fake News geäußert - manchen passt das gar nicht.
(IMG) Bild: Im Gegenwind: Daniel Günther
Der Wintersturm „Elli“ hat sich verzogen, um Schleswig-Holsteins Landtag
und die Staatskanzlei an der Kieler Förde weht ein mildes Lüftchen. Nicht
so schnell zieht dagegen der Shitstorm ab, der sich über Ministerpräsident
Daniel Günther (CDU) entlädt. Erst schaltete die Erregungswindmaschine
Internet auf Turbo, dann pustete CSU-Chef Markus Söder aus Bayern heiße
Luft in den Norden, und in Berlin bläst Wolfgang Kubicki die Backen auf.
Seine Kieler FDP-Parteifreunde bereiten eine offizielle Anfrage vor, um
klären zu lassen, ob die Landesregierung „bestimmte Medien regulieren,
zensieren oder verbieten“ möchte. Hoppla, der nette Daniel Günther schwingt
die Zensurkeule?
Passiert ist Folgendes: In einer Talkrunde bei Markus Lanz [1][plädiert
Günther dafür, den „Feinden der Demokratie“ offen gegenüberzutreten]. Er
spricht sich für ein AfD-Verbotsverfahren aus und kritisiert die großen
Techkonzerne, die über Plattformen wie X und Tiktok die Debattenkultur im
Land beeinflussten. Günther erwähnt Schleswig-Holsteins Vorstoß, in allen
Behörden nur deutsche und europäische Software statt US-Produkte wie
Microsoft oder Palantir einzusetzen. Und er kann sich eine „Techabgabe“
vorstellen, um damit Journalismus zu fördern.
Zum Schutz von Jugendlichen vor Cybermobbing und Gewalt lobt er [2][den
Vorstoß Australiens], Social Media für unter 16-Jährige zu verbieten. Zu
viele Menschen, selbst Abgeordnete seiner eigenen Partei, würden sich auf
ungeprüfte und oft falsche Informationen aus dem Netz stützen und sie
weiterverbreiten, beklagt Günther. Er erwähnt als Beispiele die Juristin
Frauke Brosius-Gersdorf, die nach einer bodenlosen Kampagne gegen sie ihre
Kandidatur für das Bundesverfassungsgericht zurückgezogen hatte, und
Portale wie den rechten Kanal Nius, dessen Berichterstattung er
„faktenfrei“ nennt.
Am Ende fasst Lanz zusammen: „Sie wollen das regulieren, zensieren,
verbieten?“ Ohne zu erklären, was er mit „das“ meint. „Ja“, sagt Günther,
ohne es seinerseits zu präzisieren. Und das Netz explodiert. Bei Nius
spricht von einer „Kriegserklärung an die freie Presse“, selbst der
Deutsche Journalisten-Verband (DJV) zeigt sich „schockiert über die
Forderung nach Zensurmaßnahmen“.
## Kein Zensurbefürworter
Klar ist, dass Günthers „Ja“ nicht die optimale Antwort auf eine so
zugespitzte Frage war. Aus dem Gesamtkontext aber und mit Kenntnis von
Daniel Günthers Positionen lässt sich sagen, dass er niemand ist, der
Zensur befürwortet. Und auch wenn er Nius als qualitätsfern kritisiert –
anders als seine Parteifreundin Julia Klöckner, die das rechte Portal im
vergangenen Jahr mit der taz gleichsetzte –, hat er nicht gesagt, dass er
es verbieten wolle.
Er selbst hat am Folgetag erklärt, dass sich sein Ja auf ein Verbot von
Social Media für Jüngere bezog. Solche Verbote sowie Maßnahmen gegen Hass
und Hetze sind für die US-Regierung und Techunternehmer wie Elon Musk
[3][zwar durchaus Zensur], passen aber zu deutschen und europäischen
Vorstellungen von Jugend- und Persönlichkeitsschutz.
Das Lustige am Skandal ist, dass er genau die Elemente enthält, die Daniel
Günther kritisiert hat: Eine Aussage wird aus dem Zusammenhang gerissen,
skandalisiert und durch sämtliche Kanäle gejagt, bis am Ende ein
Riesenschreck durchs Netz geistert und das eigentliche Anliegen vergessen
wird.
Das ist in diesem Fall traurig, denn Günther hat durchaus vernünftige Dinge
gesagt. Seine Kritik richtete sich übrigens auch an die, die sofort auf
jeden Kampagnenzug aufspringen. Auch wenn die Formulierung nicht in allen
Punkten optimal war: Seine Positionierung ist ein frisches Lüftchen von der
Kieler Förde, das wir gut gebrauchen können.
16 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Esther Geisslinger
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durch „Berliner Zeitung“ und „Welt“.