# taz.de -- Aufarbeitung des Stromausfalls: Das Stromnetz entflechten
       
       > Berlins Innensenatorin warnt vor möglichen weiteren Anschlägen. Stromnetz
       > Berlin war bereits dabei, die vom Anschlag zerstörte Kabelbrücke
       > umzubauen.
       
 (IMG) Bild: Seite an Seite, aber auch mit Kritik aneinander: Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD)
       
       Ja, die Kabelbrücke, an der ein Brandanschlag für einen tagelangen
       Stromausfall sorgte, war ein „neuralgischer Punkt“ in Berlins Stromnetz.
       Damit war diese Stelle besonders anfällig für Sabotage und Anschläge. Das
       bestätigt Erik Landeck, Geschäftsführer von Stromnetz Berlin am Montag im
       Innenausschuss des Abgeordnetenhauses. Und er bestätigt auch, dass es nicht
       der einzige so verwundbare Punkt in Berlins Stromnetz ist. „Wir analysieren
       regelmäßig unser Netz in Hinblick auf solche Punkte“, sagt er. An der
       Kabelbrücke habe es bereits seit einiger Zeit ein laufendes Projekt
       gegeben, um die Leitungen zu entflechten.
       
       Stromnetz Berlin guckt sich die eigenen Leitungen laut Landeck ausdrücklich
       vor dem Hintergrund einer „veränderten Sicherheitslage“ an. „Die Kriterien
       in der Vergangenheit waren nicht auf solche Anschläge ausgelegt“, sagte er.
       „Sie sollten im Wesentlichen technische Störungen handhabbar machen.“ Die
       Brücke über den Teltowkanal, an der Unbekannte am Samstag vor einer Woche
       ein Feuer gelegt und einen Kurzschluss verursacht hatten, sei in den 1970er
       Jahren gebaut worden. Damals hatte man sowohl das Kabel für den Strom als
       auch das Kabel, auf das im Falle eine Störung der Strom umgeleitet werden
       sollte, nebeneinander verlegt.
       
       Das Zauberwort hier ist „Georedundanz“. Es bedeutet, dass die [1][Leitung,
       die bei einem Fehler im System übernehmen soll, auch auf einer anderen
       Trasse verläuft]. Dass dies bei der Kabelbrücke nicht der Fall war,
       beantworte auch die Frage, wie ein Anschlag an nur einem Netzpunkt solche
       Folgen haben konnte, sagt Landeck. Und er versichert: „Diese Punkte kennen
       wir.“ Schon jetzt arbeiteten sie „mit umfangreichen Maßnahmen“ daran, das
       Stromnetz sicherer zu machen, und das „nicht erst seit dem Anschlag im
       September“. Bereits jetzt schon würden alle Netzknotenpunkte mit
       Videotechnik überwacht – bald soll dies auch bei allen Umspannwerken der
       Fall sein. Dazu kommen Sicherheitsdienste.
       
       Landeck sagt, dass Stromnetz Berlin an der Brücke bereits Ende 2024 eine
       Leitung herausgelöst hatte. Die zweite sollte folgen. „Wir hatten schon 50
       Prozent des neuralgischen Punkts entschärft“, sagt er. Doch es brauche
       Zeit, Mittel und Genehmigungen für Bauarbeiten in öffentlichem und privatem
       Raum, um solche Punkte wirklich vor Anschlägen und Sabotage zu sichern.
       „Ich habe daraus gelernt: [2][Der Fokus sollte auf der Sicherheit liegen],
       Genehmigungen dürfen nicht so lange dauern“, fordert er.
       
       ## Spranger fordert mehr Geld
       
       Innensenatorin Iris Spranger (SPD) warnte derweil im Innenausschuss [3][vor
       der Möglichkeit weiterer Anschläge]. „Mit ihrem Ziel, Bevölkerung und
       Gesellschaft zu verunsichern, sind die Terroristen klar gescheitert“, sagte
       Spranger. „Das heißt nicht, dass sie es nicht wieder versuchen könnten.“ Um
       vor zukünftigen Krisen besser gewappnet zu sein, forderte sie mehr Geld.
       Aktuell gebe Berlin drei Euro pro Kopf für den Katastrophenschutz aus,
       nötig wären aber fünf. Auch etwa für Massendatenauswertung brauche es mehr
       Geld. „Nur mit finanziellen Mitteln sind entscheidende Fortschritte zu
       machen“, sagt sie.
       
       Spranger kündigte Änderungen am Freiheitsinformationsgesetz an, von dem
       kritische Infrastruktur dringend ausgenommen werden müsse. Sie werde sich
       dafür einsetzen, die bisher „eng gesetzten Grenzen für den Einsatz von
       verdeckten Ermittlern und Vertrauenspersonen anzupassen“.
       
       In Richtung der Bezirke sagte sie, dass diese dringend ihre
       Katastrophenschutz-Leuchttürme bereitstellen müssten, für die sogar schon
       Geld geflossen sei. Solche Leuchttürme sind Anlaufstellen, an denen die
       Bevölkerung in der Krise versorgt werden könne. Von 45 geplanten
       Leuchttürmen seien erst 14 einsatzbereit. Als Innensenatorin brauche sie
       hier dringend „Eingriffsrecht“ gegenüber den Bezirken.
       
       ## Großschadenslage zu spät?
       
       Kritik daran, dass sie die Großschadenslage zu spät ausgerufen hätte, wies
       sie von sich. „Wir haben am Samstag bereits in den Strukturen einer
       Großschadenslage gearbeitet“, sagt Spranger. Schon ab Samstag habe sie
       entsprechende Lagebesprechungen einberufen.
       
       Vasili Franco (Grüne) bekräftigt hingegen, dass [4][die Großschadenslage
       deutlich früher hätte ausgerufen] werden müssen. Er bedauerte auch, dass
       der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Montag nicht in den
       Ausschuss kam. Wegner hat stattdessen für Donnerstag eine
       Regierungserklärung angekündigt. Seine Teilnahme am Ausschuss „hätte eine
       Befragung ermöglicht, das ist im Plenum nicht möglich“, kritisiert Franco.
       
       Niklas Schrader (Linke) bemängelt im Ausschuss, die Strukturen des
       Katastrophenschutzes hätten „nicht so schnell und reibungslos gegriffen,
       wie wir uns das wünschen“. Schwächen habe die Struktur vor allem bei
       vulnerablen Gruppen, Pflegebedürftige in Unterkünften. Der Senat sei in der
       Pflicht, das aufzuarbeiten. „Was wir bis jetzt erlebt haben, ist [5][eher
       eine Diskussion über Tennis-Spiel und eine gegenseitige beginnende
       Schuldzuweisun]g, wer wann verantwortlich war, dass die Großschadenslage zu
       spät ausgerufen wurde“, sagt Schrader. „Das finde ich unwürdig vor dem
       Hintergrund der Bedeutung des Anschlags.“
       
       Er fordert eine „klare Fehleranalyse“. Denn: „Es wird nicht das letzte Mal
       sein. Es gibt [6][Menschen, die in dieser Stadt gewillt sind, Anschläge auf
       die kritische Infrastruktur] zu machen und dabei in Kauf nehmen, dass
       Menschen geschädigt werden und in Gefahr geraten“, sagt Schrader. Das sei
       selbstverständlich durch nichts zu rechtfertigen.
       
       12 Jan 2026
       
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