# taz.de -- Nach Stromausfall in Berlin: Mehr Kabelbrücken und Powerbanks
       
       > Nach dem Stromausfall in Berlin verschärft sich die Debatte, wie die
       > Versorgung sicherer werden kann. Fragen und Antworten zum Thema
       > Resilienz.
       
 (IMG) Bild: Auf einer Seite in der Zone des Stromausfalls: Der Mexikoplatz in Berlin-Zehlendorf am 5. Januar 2026
       
       Die Stromwirtschaft betont stets ihre „n-1-Sicherheit“. Damit ist gemeint,
       dass sie beim Ausfall einer Komponente – zum Beispiel einer Stromleitung
       oder eines Umspannwerks – die Versorgung weiterhin in vollem Umfang
       aufrechterhalten kann. Hat die [1][Stromwirtschaft in Berlin das Prinzip
       missachtet]? 
       
       Das ist eine Frage der Sichtweise. Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin
       interpretiert das n-1-Prinzip in seinem Netz als erfüllt. Allerdings komme
       dieses „leider an seine Grenzen“, wenn fünf Kabel gleichzeitig beschädigt
       werden, sagt Firmensprecher Henrik Beuster.
       
       Doch diese Betrachtungsweise erweist sich als nicht zielführend, wenn – wie
       es hier der Fall war – alle fünf Hochspannungskabel über dieselbe
       Kabelbrücke führen. „Das ist keine echte Redundanz“, sagt Manuel Atug,
       Gründer der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen (AG Kritis), „hier
       wurde das n-1-Prinzip unzureichend adressiert.“ Erforderlich sei vielmehr
       eine sogenannte Georedundanz. Das heißt: Infrastrukturen, die sich
       gegenseitig beim Ausfall einer Komponente ersetzen sollen, müssten auch
       eine räumliche Distanz aufweisen.
       
       „Im Fall von Berlin hätte man überhaupt mehrfache Kabelanbindungen und
       diese dann zwingend über räumlich getrennte Brücken führen müssen“, sagt
       Atug. Dass die Berliner Landespolitik stattdessen nun über mehr
       Kameraüberwachung spreche statt über die grundsätzlichen Defizite der
       Infrastruktur, zeige ihre politische Hilflosigkeit. Berlin vernachlässige
       die Redundanz der Infrastruktur „fast überall“.
       
       Der Verlauf der Kabeltrassen lässt sich auf öffentlich zugänglichen Karten
       einsehen. Ist dieser offene Umgang mit Infrastrukturdaten ein Problem? 
       
       Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat genau das
       nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz thematisiert. Regelungen, die
       Strom- und Gasnetzbetreiber verpflichten, ihre Infrastruktur für jedermann
       „quasi auf dem Silbertablett“ präsentieren zu müssen, stünden im
       Widerspruch zum Ziel, kritische Infrastruktur physisch zu schützen.
       Webangebote, die „systematisch Leistungsdaten oder Geolokationen kritischer
       Anlagen bereitstellen“, müssten reduziert werden, so der BDEW.
       
       Sicherheitsexperte Atug widerspricht: Transparenz sei wichtig. Durch die
       genaue Kenntnis von Stromtrassen würden im Gegenteil Zerstörungen von
       Kabeln durch Unfälle, etwa bei Tiefbauarbeiten, verhindert. Der
       BDEW-Vorstoß sei nur ökonomisch begründet, weil Transparenz für die
       Unternehmen Aufwand bedeute. Er lenke zudem vom eigentlichen Problem ab:
       „Unfälle und Naturereignisse wie im Ahrtal interessieren sich nicht für
       online verfügbare Daten – unabhängig von der Transparenz brauchen wir
       zwingend die Redundanz und ein funktionales Krisenmanagement“, sagt Atug.
       
       Wie können auch Privathaushalte einen Beitrag zur Resilienz in Sachen
       Stromversorgung leisten? 
       
       Photovoltaikanlagen mit Speichern können eine große Hilfe sein, denn sie
       lassen sich so auslegen, dass sie beim Netzausfall die
       Ersatzstromversorgung des Hauses übernehmen können. Heute sind die meisten
       Anlagen dazu noch nicht in der Lage, denn die verbauten Wechselrichter
       brauchen in der weit überwiegenden Mehrzahl noch die taktgebende
       Netzspannung für den Betrieb. Daher liefern heute die meisten Anlagen
       keinen Strom mehr fürs Hausnetz, wenn das Netz ausfällt.
       
       Die gute Nachricht: Der sogenannte Inselbetrieb wird beim Bau neuer
       PV-Anlagen von Kunden immer öfter gewünscht. Jeder, der auf diese Weise bei
       einem Netzausfall zumindest etwas Strom verfügbar hat, entlastet die Helfer
       und kann zugleich selbst zum Helfer werden.
       
       Was können Verbraucher jenseits einer eigenen Solaranlage tun? 
       
       Auch wer keine Solaranlage auf dem Dach hat, kann sich das Leben im Fall
       eines Stromausfalls durch einfache Vorsorge zumindest etwas erleichtern.
       Zum Beispiel muss ein leerer Handyakku beim Netzausfall wirklich nicht sein
       – wer eine geladene Powerbank in Reserve hat, hat eine Sorge weniger. „In
       einer Demokratie hat jeder auch eine Eigenverantwortung“, sagt Atug und
       rät, in einer ruhigen Minute einen unaufgeregten Blick in die
       Notfallbroschüre des [2][Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und
       Katastrophenhilfe (BBK)] zu werfen. Diese listet auf, was man zur eigenen
       Versorgungssicherheit stets zu Hause greifbar haben sollte.
       
       8 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Berliner-Stromausfall/!6143442
 (DIR) [2] https://www.bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Vorsorge/Stromausfall/stromausfall_node.html
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Bernward Janzing
       
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