# taz.de -- Stromausfall in Berlin: Auch in der Krise dürfen Politiker*innen Pausen machen
       
       > Rücktrittsforderungen gegen Kai Wegner wegen seines Tennis-Matchs sind
       > überzogen. Er hat die Krise gut bewältigt, Vor-Ort-Termine sind nur
       > Polit-Show.
       
 (IMG) Bild: Im Bürgerkontakt: Kai Wegner (links) am letzten Sonntag in einer Notunterkunft im Südwesten Berlins
       
       Bei einem Stromausfall hilft es niemandem, wenn [1][ranghohe
       Politiker*innen dort Tee oder Taschenlampen] verteilen. Ganz im
       Gegenteil: Solche Termine können gerade am Anfang wichtige Arbeiten
       behindern. Denn Politiker*innen kommen ja nicht dorthin, weil sie
       tatsächlich anpacken könnten. Sie kommen, weil sie der Presse hübsche
       Kümmerer-Bilder liefern wollen. Wenn die Fotografen das noch einfangen
       sollen, unterbricht so ein Vor-Ort-Termin die Tatkraft von
       Bauarbeiter*innen und Krisendiensten eigentlich nur.
       
       Nein, der Platz und die Verantwortung von Politiker*innen in einer
       akuten Krise ist dort, wo sie ihre Arbeit machen. Im Fall des Regierenden
       Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) also [2][am Wochenende in seinem
       Homeoffice], aus dem er am Samstag mit der Bundesebene telefonierte. Unter
       anderem.
       
       Dass er von dort die Hilfsmöglichkeiten auslotete und
       Unterstützungsangebote einholte, das führte nach [3][Darstellung des Senats
       dazu, dass dann zügig die Bundeswehr einstieg und etwa die
       Notstromaggregate] mit Diesel versorgte. Für die Verantwortlichen vor Ort
       war er durchgehend erreichbar.
       
       Auch Spitzenpolitiker*innen haben an einem Arbeitstag ein Anrecht
       auf eine Pause. Und sie haben auch das Recht, die Pausen so zu gestalten,
       dass sie ihnen guttun. Gerade weil sie in einer Krisensituation auch
       konstant funktionieren müssen. Wer sich [4][nun darüber echauffiert, dass
       der Regierende Bürgermeister eine Stunde mit Tennis] verbracht hat, legt an
       die Gestaltung der privaten Zeit und an das Verhalten eines Politikers sehr
       hohe Maßstäbe an. Es sind dazu noch Maßstäbe, die rein moralisierend
       begründet sind. Jeder sollte sich die Frage stellen, ob er*sie auch das
       eigene Verhalten anhand solcher Maßstäbe beurteilen würde.
       
       ## Maßstäbe, die spalten sollen
       
       Dass die Maßstäbe moralisierend sind, ist kein Zufall. Die Tennis-Debatte,
       die gerade politische Gegner*innen Wegner jetzt anhängen, muss im
       Zusammenhang mit einem gesellschaftlichen Klima gesehen werden. Es ist ein
       Klima, in dem [5][vor allem Rechte keine Gelegenheit auslassen, um
       spaltend] auf Vertreter*innen demokratischer Institutionen
       einzudreschen. Sie versuchen, etwa Politiker*innen bei jeder
       Gelegenheit unmöglich zu machen, um damit die Demokratie zu zerstören. Ein
       gutes Mittel dagegen ist, dieses Spiel nicht mitzuspielen.
       
       Wem es wirklich um die Menschen geht, der kann mit Großzügigkeit sagen: In
       der Kommunikation nach außen hat der Regierende Bürgermeister etwas
       ungelenk agiert, aber am Ende ist seine Tennis-Stunde doch eine Lappalie.
       
       Denn wichtig, um Wegners Verhalten in der Krise zu beurteilen, ist vor
       allem das Ergebnis. Und das ist: Die betroffenen Stadtteile sind [6][dank
       des Einsatzes von Tausenden Freiwilligen] und dank [7][steter Hilfe aus der
       Politik, die die staatlichen Strukturen organisiert hat], relativ
       glimpflich durch die Krise gekommen.
       
       8 Jan 2026
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uta Schleiermacher
       
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