# taz.de -- Verfassungsausschuss über Vulkangruppen: „Feuer hinterlässt nur selten Spuren“
       
       > Zum Sabotageakt des Stromnetzes in Südberlin äußert sich der
       > Verfassungsschutz zurückhaltend. Das Ausbleiben von Neuigkeiten schadet
       > seinem Image.
       
 (IMG) Bild: Auch weiterhin bleiben gesicherte Informationen zum Sabotageakt in Zehlendorf rar
       
       Der Anschlag auf das Stromnetz Südberlins vom 3. Januar wirft viele Fragen
       auf. Um diese zu beantworten, tagte am Montagnachmittag der Ausschuss für
       Verfassungsschutz im Abgeordnetenhaus. Diskutiert wurden zwei Anfragen.
       Eine stammt von CDU und SPD und fragt nach dem „Kenntnisstand des
       Tätermilieus“. Die andere ist eine Grünen-Anfrage zur „Bedrohungslage für
       Berlins kritische Infrastrukturen durch Anschläge und Sabotageaktionen aus
       dem In- und Ausland“.
       
       Das Bedürfnis der Öffentlichkeit nach neuen Erkenntnissen, Fakten und
       Beweisen ist hoch. Doch gesicherte Informationen bleiben auch weiterhin
       rar. Die Antworten, die der Sprecher des Verfassungsschutzes dem Ausschuss
       gab, entsprechen weitestgehend den bisher bekannten Ansätzen in den Medien.
       
       Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes handle es sich bei den Saboteuren
       des Zehlendorfer Stromnetzes „um linke Ökoanarchisten, die mit ihren
       Aktionen Gewalt propagieren“. Diese „machen den Kapitalismus gleichsam
       verantwortlich für globale Krisen und Klimakatastrophen“ sowie „den
       vermeintlichen Wiederanstieg des Faschismus“. Sie treten mit
       Bekennerschreiben an die Öffentlichkeit und bezeichnen sich dort als
       Vulkangruppen – der Verfassungsschutz verweise auf sie bewusst „im Plural“.
       
       Verschiedene Akteure sabotieren unter dieser Bezeichnung seit rund fünfzehn
       Jahren wiederholt Strom-, Schienen- und Telekommunikationsnetzwerke mit
       „kinetischen Mitteln“, also mit Feuer. Die ausbleibenden Erfolge in den
       mehrjährigen Untersuchungen erklärt sich der Sprecher durch das „hohe Maß
       an Professionalität und Klandestinität“, das die Gruppen aufweisen. Er fügt
       an: „Feuer hinterlässt nur selten Spuren.“
       
       Der Mangel an Informationen konsterniert die anwesenden Politiker:innen.
       Wiederholt schießen sie mit Fragensalven durch den Raum: Was sind etwa die
       Kommunikationswege der Vulkangruppen? Mit welchen anderen Gruppierungen
       stehen sie in Kontakt? Wie rekrutieren sie neue Mitglieder? Gibt es
       Erkenntnisse zu ihrem sozioökonomischen Hintergrund? Linken-Politiker
       Niklas Schrader bemerkt: „Man kann dem Verfassungsschutz ja einiges
       vorwerfen, aber nicht, dass er Linksextremismus vernachlässigt.“
       
       ## Sonderorganisation für Sonderauswertung
       
       Der Sprecher will „erst mal gar nichts dazu sagen“ und betont, dass die
       meisten dieser Fragen „ermittlungsrelevant“ seien. Es sei daher im
       Interesse der Allgemeinheit, sie auch weiterhin unbeantwortet zu lassen,
       damit die Ermittlungen „so ruhig, so gut und so besonnen wie möglich
       fortgesetzt werden können“. Da die Ermittlungen mittlerweile in den Händen
       des Bundeskriminalamts liegen, müsse der Generalbundesanwalt entscheiden,
       wie er damit die Öffentlichkeit unterrichten möchte. Dagegen ließ der
       Verfassungsschutz wissen, dass er in dieser Sache nun eine
       „Sonderorganisation“ für eine Sonderauswertung gebildet habe.
       
       Dem bisher letzten Schreiben einer Vulkangruppe vom 12. Januar lässt sich
       längst deren Reaktion auf die Ermittlungen entnehmen: „Sollen die Bullen
       doch 100 Ermittlungsansätze prüfen. Während sie lesen, sägen wir.“
       
       19 Jan 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Nathan Pulver
       
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