# taz.de -- Hilfe beim Berliner Stromausfall: Engagement, das Leben rettet
       
       > Dass der Blackout bislang keine Toten forderte, ist kein Zufall. Es liegt
       > an guter Vorbereitung und dem hohen Einsatz von Hilfs- und Pflegekräften.
       
 (IMG) Bild: Gut organisiert: Rettungssanitäter evakuieren während des Stromausfalls eine bettlägrige Berlinerin aus einer Notunterkunft
       
       Während der [1][Blackout im Berliner Südwesten] für viele
       Anwohner:innen höchstens ein abenteuerliches Ärgernis ist, stellt er
       für einige eine echte Bedrohung für Leib und Leben dar: bettlägrige
       Menschen, die auf Pflege angewiesen sind, Patient:innen in
       Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, aber auch Personen, die sich
       aufgrund psychischer Erkrankungen schwerer in der Ausnahmesituation
       zurechtfinden.
       
       Dass der andauernde Stromausfall bei eisigen Temperaturen bislang so
       glimpflich verläuft, liegt vor allem daran, dass betroffene Einrichtungen
       und Organisationen gut auf den Ernstfall vorbereitet waren. So versorgt das
       Technische Hilfswerk (THW) Einrichtungen mit Notstromaggregaten. „Seit
       Samstag sind täglich Elektrikfachberater mit der Feuerwehr unterwegs, um
       die Sachlage zu bewerten und mögliche Unterstützungsmaßnahmen zu prüfen“,
       erklärt THW-Sprecherin Barbara Schwarzwälder.
       
       Darunter waren auch die vier betroffenen Krankenhäuser in dem Gebiet. Doch
       die hatten bereits am Samstagabend wieder Strom. Die dort eingesetzten
       Notstromersatzanlagen habe das THW anschließend abgebaut und zu
       Pflegeheimen, Notunterkünften sowie eine Tierklinik verlegt, erklärt
       Schwarzwälder. Mittlerweile sind alle 74 Senioren- und Pflegeeinrichtungen
       wieder am Netz. Trotzdem mussten in den ersten beiden Tagen
       Patient:innen evakuiert werden.
       
       Besonders die ambulanten Pflegedienste, die Menschen in ihren eigenen
       Wohnungen behandeln, tun alles, um die Sicherheit ihrer Patient:innen
       zu gewährleisten.
       
       Die größte Herausforderung sei gewesen, die Patient*innen zu erreichen,
       berichtet eine Mitarbeiterin eines Pflegedienstes in Zehlendorf. „Das
       Telefon funktionierte nicht, die Türklingel funktionierte nicht und einen
       Schlüssel zur Wohnung haben wir nicht. Daher mussten wir teilweise
       versuchen, über Nachbarn und Angehörige mit den Patient:innen in
       Kontakt zu treten.“ Das größte Risiko zu dieser Zeit sei jedoch gewesen,
       dass sich die Patient:innen nicht selbst bemerkbar machen konnten. Wenn
       sie beispielsweise gestürzt waren, funktionierte auch das Hausnotsystem
       nicht.
       
       Viele seien von der Diakonie und von der Feuerwehr aus ihrem Zuhause
       evakuiert worden, berichtet die Mitarbeiterin. Dennoch habe es in dieser
       Zeit nur einen einzigen Notfall in Verbindung mit dem Stromausfall gegeben:
       eine Person ohne Angehörige.
       
       Besonders gefährdet seien Menschen ohne soziales Netz, sagt auch
       Diakonie-Sprecherin Jenny Pieper-Kempf: „Das größte Problem besteht in so
       einer Situation darin, dass man keine Informationen über den Zustand der
       Person bekommt, weder über Angehörige noch über Nachbarn.“
       
       Für die Mitarbeiter:innen gab es während dieser Tage viel
       organisatorischen Extraaufwand, berichtet Pieper-Kempf. „Wir mussten
       Generatoren besorgen und Lampen auftreiben.“ Außerdem hätten sich auch die
       vom Stromausfall betroffenen Mitarbeiter:innen irgendwo duschen und
       sich wärmen müssen. Von [2][Unterstützung durch den Berliner Senat] wisse
       sie nichts.
       
       Die Diakonie stellt sich darauf ein, dass es solche Situationen in Zukunft
       häufiger geben wird. Dafür fordert Pieper-Kempf von den Behörden
       Krisenkonzepte. „Dieses Mal hat es ein weniger dicht besiedeltes,
       wohlhabendes Viertel getroffen. Das könnte nächstes Mal anders sein.“ Dann
       wären auch mehr Menschenleben direkt gefährdet.
       
       Auch die „Perspektive Zehlendorf“ traf der Stromausfall nicht
       unvorbereitet. Der gemeindepsychiatrische Träger bietet seit über 50 Jahren
       ambulante Betreuung für psychisch erkrankte Menschen an. Nach dem
       russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine stellte man sich auf einen
       flächendeckenden Stromausfall ein. „Deshalb haben wir einen Blackout-Plan
       für unsere Einrichtungen erstellt“, erzählt Vereinsvorstand Ulrich Seeger.
       Dazu gehören Tagesstätten sowie Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten,
       wie eine Kantine.
       
       Nachdem am Samstagabend alle Einrichtungen vom Stromausfall betroffen
       waren, habe der Verein den Krisenmodus aktiviert. MitarbeiterInnen
       besuchten die Einrichtungen, um sie mit Taschenlampen, Decken und
       Mahlzeiten zu versorgen, die man nicht erwärmen muss.
       
       ## Keine Angst, sondern Solidarität
       
       „Unsere KlientInnen sind alle psychisch erkrankt, die meisten schwer“, sagt
       Seeger. Nach seinen Schilderungen war es nicht die Angst, die unter den
       KlientInnen vorherrschte, sondern ein großer Zusammenhalt. Die
       Bereitschaft, sich untereinander zu kümmern, sei groß. „Trotzdem war es
       notwendig und gut, dass am Samstagabend unsere MitarbeiterInnen vor Ort
       waren“, meint Seeger.
       
       Nachdem der Verein am Sonntag bei Steglitz-Zehlendorfs
       Gesundheitsstadträtin Carolina Böhm (SPD) für zwei Einrichtungen um
       Unterstützung gebeten hatte, bot die Feuerwehr an, KlientInnen in andere
       Einrichtungen zu fahren. „Wir haben auch Menschen mit Psychosen, für die es
       schwierig ist, in Massenunterkünfte zu gehen“, erklärt Seeger. Die
       KlientInnen hätten das Angebot abgelehnt, ihnen gehe es besser in ihren
       Einrichtungen. Am Montagmorgen konnten die Einrichtungen wieder an das
       Stromnetz angeschlossen werden. Aktuell fehlt nur noch bei zwei weiteren
       Einrichtungen der Regelstrom.
       
       Eine Klientin könne aufgrund ihrer psychischen Erkrankung dauerhaft nur
       durch die geschlossene Tür kommunizieren. „Da haben wir dann Decke und
       Taschenlampe vor die Tür gelegt“, erzählt Ulrich Seeger. Trotz
       Krisensituation habe die Klientin auch mit eingeschränkter Kommunikation
       das Hilfsangebot angenommen, nachdem die Mitarbeitenden den Türbereich
       verlassen hatten.
       
       Seeger zieht eine positive Bilanz: „Wir haben uns nicht alleine gefühlt,
       sondern sehr unterstützt durch Bezirk, Feuerwehr und das Engagement unserer
       MitarbeiterInnen.“ Mit den KlientInnen hätten sie zudem andere
       Einrichtungen aufgesucht, die Möglichkeiten zum Aufwärmen geboten haben.
       Eine große Sorge bleibt dennoch: Wenn der Stromausfall noch länger anhalten
       würde, würde die Stimmung kippen.
       
       6 Jan 2026
       
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