# taz.de -- EU-Mercosur-Handelsabkommen: Rindfleisch gegen Autos
       
       > Das Abkommen zwischen EU und Mercosur-Block soll am Samstag in Paraguay
       > unterzeichnet werden. Worum geht es? Die wichtigsten Fragen und
       > Antworten.
       
 (IMG) Bild: Eine Rinderfarm in Conde: Brasilien ist eines der südamerikanischen Länder der Wirtschaftsgemeinschaft Mercosur
       
       ## Ganz von vorne: Wer gehört zum Mercosur?
       
       [1][Mercosur] leitet sich von „Mercado Común del Sur“ ab, spanisch für
       „Gemeinsamer Markt des Südens“. So nennt sich die Wirtschaftsgemeinschaft
       der südamerikanischen Länder Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay.
       Venezuela gehörte zwischenzeitig dazu, wurde aber wegen Demokratiedefiziten
       suspendiert. Ende 2023 trat auch Bolivien bei, das Land ist aber nicht Teil
       des Freihandelsabkommens mit der EU. Schon 1999 haben der Mercosur und die
       Europäische Union ihre Verhandlungen über ein gemeinsames
       Freihandelsabkommen begonnen.
       
       ## Worum geht es im Mercosur-Abkommen?
       
       Mit dem Freihandelsabkommen zwischen dem Mercosur und der EU wollen die
       beiden Wirtschaftszonen untereinander den Großteil ihres Warenverkehrs von
       Zöllen befreien. Konkret sollen 92 Prozent der Zölle in den
       südamerikanischen Ländern auf EU-Waren wegfallen und 91 Prozent der Zölle
       in der EU. Das Abkommen würde mit über 700 Millionen EinwohnerInnen die
       größte Freihandelszone der Welt begründen.
       
       Es geht um eine gemeinsame Wirtschaftszone, in der der Warenverkehr
       weitgehend von Zöllen befreit werden soll. Seit 2014 ist der Handel
       zwischen den beiden Blöcken um 36 Prozent gestiegen.
       
       ## Um welche Waren geht es?
       
       Grob gesagt geht es um Rindfleisch gegen Autos. Die Landwirtschaft nimmt
       einen großen Teil der Debatten um das Mercosur-Abkommen ein. Die EU
       exportiert Handelswaren wie Autos und Autoteile, Maschinen, Chemikalien,
       Arzneimittel, aber auch Wein oder Käse in die Mercosur-Länder. Diese
       verkaufen dagegen Fleisch, Soja, Obst und Kaffee in die EU.
       
       Wenn die Zölle auf diese Produkte sinken, könnten sie auch für hiesige
       VerbraucherInnen günstiger werden. Ressourcen wie Lithium etwa, das für den
       Bau von Batterien gebraucht wird, könnte die EU ebenfalls günstiger
       importieren. Letztlich soll das Mercosur-Abkommen den Warenaustausch
       zwischen den beiden Handelszonen um vier Milliarden Euro jährlich
       vergünstigen.
       
       ## Warum haben die Verhandlungen Jahrzehnte gedauert?
       
       Das Abkommen ist umstritten. Eine breite Front von Umweltorganisationen,
       LandwirtInnen und EU-Staaten ist strikt gegen den liberalisierten Handel
       mit dem Mercosur. Ihre Motive sind unterschiedlich, die Kritik an dem
       Handelsabkommen zieht sich aber besonders an Agrarprodukten auf.
       
       Umweltverbände wie Greenpeace sehen in dem Abkommen eine Gefahr für den
       Natur- und Klimaschutz. Besonders der Fleischexport macht einen großen Teil
       der Waren aus dem Mercosur aus. Die Nichtregierungsorganisation füchtet,
       dass dieser klima- und umweltschädliche Wirtschaftszweig noch zusätzlich
       wachsen könnte. Greenpeace sieht [2][den größten Regenwald der Erde, den
       Amazonas, in Gefahr]. Der liegt zum großen Teil im Gebiet des Mercosur und
       ist bereits heute durch die Rinderwirtschaft stark bedroht, weil Bäume für
       Ackerfläche gerodet werden.
       
       Die NGO erwartet außerdem einen intensivierten Handel mit Pestiziden und
       Plastik aus der EU. Das Mercosur-Abkommen könne auch das Ziel des Pariser
       Klimaschutzabkommens gefährden, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen.
       Wachstum klimaschädlicher Sektoren, mehr Transporte und etwa der Handel von
       Waren wie Verbrennerautos könnten die Klimakrise weiter anheizen.
       
       LandwirtInnen in der EU fürchten dagegen fallende Preise für ihre
       Erzeugnisse. Landwirtschaftliche Betriebe aus dem Mercosur könnten demnach
       hiesige BäuerInnen ausstechen, weil sie in größeren Mengen und damit
       günstiger produzierten. Der Deutsche Bauernverband kritisiert niedrige
       Klima-, Umwelt- und Tierwohlstandards, die Agrarbetriebe in der EU
       benachteiligten, da sie hier an hiesige Standards gebunden seien.
       
       ## Was ist dran an der Kritik?
       
       In Nachverhandlungen haben die Vertragsparteien die Ziele des Pariser
       Klimaschutzabkommens aufgenommen, dem sie sich allerdings ohnehin
       verschrieben haben. Brasilien hat sich gesetzlich verpflichtet, illegale
       Abholzung zu bekämpfen.
       
       Das Freihandelsabkommen schützt über 340 Lebensmittel europäischer
       ErzeugerInnen. Sie werden als traditionelle Erzeugnisse bestimmter Regionen
       als Marke privilegiert. Zudem haben die VertragspartnerInnen die Einfuhren
       mancher Erzeugnisse gedeckelt. Rindfleisch aus dem Mercosur ist
       beispielsweise bis zu einer Obergrenze von 99.000 Tonnen mit einem Zoll von
       7,5 Prozent belegt. Darüber steigt der Tarif wieder. Nach Angaben der EU
       solle der Rindfleisch-Import hiesige ErzeugerInnen nur geringfügig
       beeinflussen und die Entwaldung im Mercosur gar nicht befördern.
       
       BefürworterInnen argumentieren, dass ein solches Abkommen besonders unter
       der protektionistischen US-Regierung die wirtschaftliche Selbstbestimmung
       Europas befördere. Außerdem seien Umwelt- und Klimavorgaben besser im
       Rahmen eines gemeinsamen Abkommen durchsetzbar.
       
       KritikerInnen führen dagegen ins Feld, dass das Abkommen den Export klima-
       und gesundheitsschädlicher Güter wie etwa Verbrennerautos oder chemische
       Güter befeuern könnte.
       
       ## Warum streitet die EU?
       
       Kürzlich haben sich die EU-Staaten mit der nötigen Mehrheit auf das
       Abkommen geeinigt – aber gegen Frankreich, Polen, Österreich, Ungarn und
       Irland. Das ging durch einen Trick: Die EU-Kommission hat das Abkommen in
       zwei Teile aufspalten lassen – den Handel, für den allein die EU zuständig
       ist, und die politischen Vereinbarungen. So konnte der Handelsteil mit
       einer qualifizierten Mehrheit beschlossen werden und erforderte keine
       Einstimmigkeit. Immer noch nicht zugestimmt hat aber das EU-Parlament. Dass
       die EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen das Abkommen dennoch schon
       mal unterschreiben will, [3][erzürnt manche Abgeordnete sehr].
       
       ## Warum nach 26 Jahren Verhandlungen plötzlich so eilig?
       
       Dass die Verhandlungen gerade jetzt voranschreiten, ist auch der Geopolitik
       geschuldet. US-Präsident Donald Trump setzt Länder weltweit mit Zöllen
       unter Druck. EU und Mercosur suchen deshalb stabile Partnerschaften,
       abseits von den Vereinigten Staaten.
       
       Zugleich konkurrieren die Europäer in Südamerika mit Wettstreitern wie
       China, das heute schon Brasiliens größter Handelspartner ist. Beim Zugang
       zu Rohstoffen böte der Mercosur eine Alternative zu europäischen
       Abhängigkeiten von China oder den USA.
       
       17 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Mercosur/!t5295520
 (DIR) [2] /Amazonas-Regenwald-kippt/!6130319
 (DIR) [3] /Vor-wichtiger-Abstimmung/!6146254
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Tim Feldmann
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Mercosur
 (DIR) Europäische Union
 (DIR) Freihandel
 (DIR) Welthandel
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Schwerpunkt Bio-Landwirtschaft
 (DIR) Freihandel
 (DIR) Freihandel
 (DIR) Mercosur
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) „Wir haben es satt“-Demo in Berlin: Haltung für Tierhaltung
       
       Unter dem Motto „Haltung zeigen“ haben Tausende in Berlin für Tierwohl und
       eine Agrarwende demonstriert. Auch das Mercosur-Abkommen war Thema.
       
 (DIR) Thilo Bode über das Mercosur-Abkommen: „Aus der Zeit gefallen“
       
       Der Welthandel kann neu gestaltet werden, so Foodwatch-Gründer und
       langjähriger Greenpeace-Chef Thilo Bode. Nachhaltiger Wettbewerb sei
       möglich, trotz Trump.
       
 (DIR) EU-Mercosur-Abkommen: EU-Staaten stimmen Handelsvertrag zu
       
       Deutschland freut sich, Frankreich ist sauer, Italien schwenkte um: Bei
       einer Sitzung der Ständigen Vertreter kam die qualifizierte Mehrheit
       zustande.
       
 (DIR) EU-Mercosur-Abkommen: Rat der EU-Länder stimmt Freihandelsabkommen zu
       
       Die Botschafter der 27 EU-Mitgliedstaaten geben grünes Licht für das
       Mercosur-Abkommen. Es könnte bereits am Montag in Paraguay unterzeichnet
       werden.