# taz.de -- „Wir haben es satt“-Demo in Berlin: Haltung für Tierhaltung
> Unter dem Motto „Haltung zeigen“ haben Tausende in Berlin für Tierwohl
> und eine Agrarwende demonstriert. Auch das Mercosur-Abkommen war Thema.
(IMG) Bild: Hatte auch im dichten Gedränge mehr Platz als die Tiere in der Massentierhaltung: ein aufgeblasenes Schwein auf der Demo, 17. 1. 2026
taz | Eine gigantische Sau hatte sich am Samstagmittag unter die Menschen
gemischt, die sich vor dem Brandenburger Tor versammelten. Das etwa drei
Meter große Tier war von Greenpeace aufgeblasen worden. Der Platz des 18.
März war gut besucht. Trotzdem hatte dieses übergroße Schwein dort wohl
immer noch mehr Platz als seine lebendigen Vettern und Cousinen in der
Massentierhaltung.
Tierwohl war unter dem Motto „Haltung zeigen“ das Hauptanliegen der 16.
„Wir haben es satt“-Demonstration. Ein Bündnis aus rund 60 Verbänden hatte
für eine sozial gerechte und ökologische Landwirtschaft vor dem
Brandenburger Tor protestiert. Laut Schätzungen der VeranstalterInnen
nahmen 8.000 Demonstrierende teil. Nach Angaben der Polizei waren es 2800.
Vorfälle habe es keine gegeben.
Die Teilnehmerin Mirjam Anschütz ist Landwirtin. Sie sagt: „Bei uns in
Sachsen-Anhalt hat sich ein australischer Investor 20.000 Hektar gesichert.
Ich selbst hatte große Probleme, für meinen Betrieb nur wenige Hektar zu
bekommen.“ Die Pferde-Landwirtin kreuzte an diesem Samstagnachmittag selbst
als Pferd auf. Ihr braunes Ganzkörperkostüm endete in einer Kapuze mit
Plüschpferdekopf.
Sie war damit keine Exotin. Nicht nur wegen des aufgeblasenen Schweins:
Einige der Teilnehmenden kamen ebenfalls in Tierkostümen, etwa als Bienen,
Frösche oder Ziegenböcke.
## Landwirtschaftsminister Alois Rainer in der Kritik
Der Protest für nachhaltige Landwirtschaft hatte dieses Jahr gutes Timing.
Er fand anlässlich [1][des 100. Jubiläums der „Grünen Woche“] statt, einer
der größten Landwirtschaftsmessen weltweit. Zudem unterschrieb am selben
Tag EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen das viel kritisierte
Freihandelsabkommen der EU mit den Mercosur-Staaten in Paraguay.
In Berlin richteten sich die Reden am Mittag immer wieder gegen die
schwarz-rote Bundesregierung. Insbesondere Landwirtschaftsminister Alois
Rainer (CSU) stand in der Kritik dafür, dass er eine staatliche
Tierschutzkennzeichnung verschleppe und die Förderung für bessere
Tierhaltung gestrichen habe.
Generell positionierte sich der Protest, an dem sich unter anderem
Organisationen wie der BUND, die Deutsche Umwelthilfe oder Slow Food
beteiligten, für eine gemeinwohlorientierte Landwirtschaft. Forderungen des
Bündnisses sind etwa, Agrarförderung nur an bäuerliche Betriebe statt an
Konzerne auszuzahlen, Haltungsformen und Gentechnik transparent zu
kennzeichnen und an Umwelt-, Klima- und Tierwohlstandards festzuhalten.
Im Demonstrationsaufruf heißt es: „Jedes Jahr schließen rund 2.600
landwirtschaftliche Betriebe.“ Ähnlich sei es im Lebensmittelhandwerk, etwa
bei Bäckereien. Zugleich seien die Lebensmittelpreise seit 2021 um 30
Prozent gestiegen.
17 Jan 2026
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(DIR) Tim Feldmann
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