# taz.de -- EU-Mercosur-Abkommen: Warum Polen den Freihandelsdeal ablehnt
> Polens bauernfreundliche Regierung lehnt den Vertrag ab. Tritt er doch in
> Kraft, will sie Geld für ihre Landwirte.
(IMG) Bild: Tausende von polnischen Landwirten protestieren in Warschau gegen die Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens, am 9.1.2026
„Wir lehnen das geplante [1][Freihandelsabkommen mit der Mercosur-Gruppe]
ab“, sagte der polnische Agrarminister Stefan Krajewski der taz auf der
Agrarmesse Grüne Woche in Berlin. Der Deal zwischen der Europäischen Union
und der südamerikanischen Mercosur-Staatengruppe soll am Samstag in
Paraguay unterzeichnet werden.
Krajewski forderte für den Fall des Inkrafttretens höhere Subventionen für
Europas Bauern: „Es muss genug Geld geben für die Nahrungssicherheit in
Europa“, forderte Krajewski. Die Höhe der polnischen Forderungen dafür
wolle er zunächst nicht öffentlich nennen.
Er verstehe, dass andere Branchen von dem Abkommen profitieren würden, aber
den Landwirten in Europa müssten ihre möglichen Verluste durch die
Konkurrenz mit den großen Agrarproduzenten Südamerikas kompensiert werden.
Krajewski von der konservativen Polnischen Volkspartei, die im Volksmund
wegen ihrer vornehmlich ländlichen Verankerung Bauernpartei genannt wird,
nannte „vollkommen andere Produktionskosten, nicht eingehaltene
EU-Standards etwa beim Tierwohl und den Einsatz von Pestiziden, die in
Europa aus dem Verkehr gezogen wurden“, als Gründe für Polens Ablehnung des
größten Freihandelsabkommens der Welt.
Durch Nachverhandlungen im EU-Beschlussverfahren ist es möglich geworden,
Entschädigungen an Landwirte zu zahlen. Dadurch hatte die EU-Kommission
Italien zur Zustimmung gewinnen und das Abkommen mit den Mercosur-Ländern
nach 25 Jahren Verhandlungen mehrheitlich unter Dach und Fach bringen
können. Polen stimmte mit Frankreich, Österreich, Ungarn und Irland
trotzdem dagegen.
## Polens Agrarbetriebe sind im Schnitt kleiner als deutsche
Polen ist mit 53,5 Milliarden Euro (2024) der drittgrößte Exporteur von
landwirtschaftlichen Produkten in der EU. Die polnischen Agrarexporte gehen
zu drei Vierteln in die EU (am meisten nach Deutschland), ein Viertel wird
außerhalb verkauft. Deutschlands Nachbar ist der größte Produzent von
Äpfeln in Europa und führend auch bei der Produktion Hühner- und
Schweinefleisch, sowie der weltweit größte Erzeuger von Champions.
Die zumeist familiär betriebenen fast 1,5 Millionen Bauernhöfe in Polen
sind mit einer durchschnittlichen Größe von 11,6 Hektar deutlich kleiner
als die 276.000 deutschen Höfe mit einer durchschnittlichen Größe von 61
Hektar. Der Anteil der Landwirtschaft am gesamten Bruttoinlandsprodukt ist
mit drei Prozent mehr als dreimal so hoch wie in Deutschland. Trotz des
relativ geringen BIP-Anteils ist die Landwirtschaft sozial wichtig in
ländlichen Regionen und politisch stark in Warschau vertreten.
So hatten die Proteste und Blockaden polnischer Landwirte an der Grenze zur
Ukraine dazu geführt, dass die EU im Oktober vorigen Jahres deutlich
veränderte Zollfrei-Quoten für die Ukraine vereinbarte. Krajewski verlangte
für den Fall des ukrainischen EU-Beitritts, „dass die Ukraine sämtliche
Normen der EU erfüllen muss, wenn sie Mitglied wird“. In der Ukraine, der
flächenmäßig größten Landwirtschaft Europas, macht der Anteil des
Agrarsektors am BIP sieben Prozent aus.
Es gibt wissenschaftliche Prognosen, die nahelegen, [2][dass die
Landwirtschaft der Europäischen Union unter dem Handelsabkommen mit dem
Mercosur kaum leiden wird]. Die EU würde nach Inkrafttreten der
Zollsenkungen beispielsweise nur 1,5 Prozent weniger Geflügelfleisch und 1
Prozent weniger Rindfleisch produzieren, zeigt eine [3][Modellrechnung des
bundeseigenen Thünen-Agrarforschungsinstituts].
17 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Mercosur/!t5295520
(DIR) [2] /Handelsabkommen-mit-Suedamerika-Staaten/!6143715
(DIR) [3] https://literatur.thuenen.de/digbib_extern/dn069862.pdf
## AUTOREN
(DIR) Mathias Brüggmann
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