# taz.de -- Vor wichtiger Abstimmung: Neuer Widerstand gegen Mercosur
> Im EU-Parlament regt sich neuer Widerstand gegen das Handelsabkommen. Es
> könnte die Umsetzung verzögern – doch die Kommission will das verhindern.
(IMG) Bild: Auch in Spanien gehen die Menschen auf die Straße, um gegen das Mercosur-Abkommen zu protestieren
Der Streit über das [1][europäische Freihandelsabkommen] mit den
südamerikanischen [2][Mercosur]-Staaten reißt nicht ab. Während die
EU-Spitze den Deal am Samstag in Uruguay unterzeichnen will, regt sich im
Europaparlament neuer Widerstand. Er könnte die Umsetzung des Abkommens
verzögern, aber auch eine Machtprobe innerhalb der EU-Institutionen
auslösen.
Am Mittwoch entscheiden die Abgeordneten bei ihrer Plenartagung in
Straßburg, ob sie ein Gutachten des Europäischen Gerichtshofs zur
Vereinbarkeit des Abkommens mit den EU-Verträgen einholen wollen. Wenn sie
sich für eine rechtliche Überprüfung durch den EuGH entscheiden, würde das
die Ratifizierung um mindestens ein Jahr verzögern.
Das will die EU-Kommission jedoch verhindern. Für sie hat Mercosur höchste
Priorität. Angesichts der protektionistischen Politik in den USA und China
habe der Deal geopolitische und geoökonomische Bedeutung, betont die
Brüsseler Behörde. Die EU müsse Flagge zeigen und sich mehr denn je für
einen regelbasierten Handel einsetzen.
Behördenchefin Ursula von der Leyen scheint sogar bereit, dafür das
Parlament zu brüskieren – und den Mercosur-Deal anzuwenden, noch bevor er
von den Abgeordneten gebilligt wurde. Man müsse nicht unbedingt auf das
Parlament warten, heißt es in Brüssel. Schließlich würden auch andere
Handelsabkommen umgesetzt, obwohl sie noch nicht endgültig ratifiziert
wurden.
## Parlamentsvotum erst im Februar oder März
Das bringt sogar liberale Abgeordnete auf die Palme, die von der Leyen
normalerweise unterstützen. „Die Kommission und der Ministerrat wollen
Mercosur durchdrücken“, warnt Pascal Canfin, ein französischer Liberaler.
„Das Parlament kann das nicht akzeptieren!“ Die Fraktionschefin der
Liberalen, Valérie Hayer, forderte die Kommission auf, das Votum des
Parlaments abzuwarten. Alles andere wäre ein Schlag gegen die Demokratie.
Das Parlamentsvotum ist allerdings erst im Februar oder März geplant – aus
Sicht der EU-Kommission, die in der Handelspolitik das Sagen hat, viel zu
spät. Außerdem ist eine Mehrheit alles andere als sicher. Nicht nur viele
französische Abgeordnete haben Vorbehalte gegen den Mercosur-Deal;
Frankreich hatte mit [3][Rücksicht auf die Landwirte] im Ministerrat mit
Nein gestimmt.
Widerstand gibt es auch in Polen, Österreich, Belgien und Irland. Sogar aus
Deutschland sind nicht alle Stimmen sicher. Die deutschen Grünen haben bis
zuletzt gegen das Abkommen argumentiert, weil sie um Umwelt- und
Klimaschutz fürchten. Nun sprechen sie sich für eine Anrufung des EuGH aus
– wie sie bei einem Parlamentsvotum abstimmen würden, ist unklar.
Die Mehrheitsverhältnisse sind sehr knapp. Konservative, Sozialdemokraten
und Liberale kommen zwar rechnerisch auf eine Mehrheit, doch sie liegt nur
40 Stimmen über der nötigen Schwelle. Wenn 20 Parlamentarier von der Stange
gehen, könnte das Abkommen im Europaparlament scheitern. Da es auch im
Mehrheitslager viele Gegner von Mercosur gibt, ist der Ausgang ungewiss.
Klar ist nur eins: Wie bei vielen anderen EU-Gesetzen wird von der Leyen
auch diesmal auf rechte und rechtsextreme Stimmen angewiesen sein – einen
„politisch korrekten“ Deal wird es bei Mercosur nicht mehr geben. Im
schlimmsten Fall droht sogar ein demokratisches Debakel – wenn die
EU-Kommission das Parlament übergeht und einfach Fakten schafft.
16 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Eric Bonse
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