# taz.de -- CSU-Klausurtagung: Gruppenbild mit Kanzler
> In Kloster Seeon macht sich die CSU stets auf die Suche – weniger nach
> politischen Lösungen als nach der eigenen Rolle. Jetzt sucht auch noch
> Söder.
(IMG) Bild: Lobeshymnen: Bundeskanzler Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder in Kloster Seeon
Friedrich Merz in Seeon: Es ist eine Premiere, noch nie hat ein
Bundeskanzler die CSU-Klausurtagung in Kloster Seeon besucht. Zuletzt war
Angela Merkel vor zehn Jahren zu Gast bei der CSU-Landesgruppe, doch das
war noch in der früheren Tagungsstätte Wildbad Kreuth. Das damals infolge
ihrer Flüchtlingspolitik eisige Verhältnis zwischen Merkel und der noch von
Horst Seehofer angeführten CSU sollte sich in den kommenden Jahren
allerdings nur wenig bessern, sodass die Kanzlerin von weiteren Besuchen
der CSU-Bundestagsabgeordneten in deren Heimat absah.
Die Gespräche sind offenbar intensiv, erst eine Stunde später als geplant
treten Merz, CSU-Chef Markus Söder und Gastgeber Alexander Hoffmann, der
Chef der CSU-Landesgruppe, an die Plexiglaspulte im Torbogen des ehemaligen
Klosters. Die beiden CSU-Politiker sind voll des Lobes für den Kanzler: Man
habe „[1][in schwierigen Zeiten genau den richtigen Bundeskanzler] für
dieses Land“, sagt Hoffmann. „Wir sind froh, dass du Bundeskanzler bist“,
ergänzt Söder und packt noch einmal sein Bonmot der letzten Tage aus: Merz
sei „unser Trumpf bei Trump“.
Auch sonst bringt das Abschlussstatement nach zwei Tagen Klausur wenig
Neues. So geht es etwa um den Krieg in der Ukraine – Merz hat den
CSU-Parlamentariern gerade von seinen Gesprächen beim Treffen der
„Koalition der Willigen“ in Paris berichtet – und auch um die Frage eines
möglichen Einsatzes deutscher Soldaten für eine Friedenssicherung in der
Ukraine.
Merz sagt, ein Interesse Russlands an einem Waffenstillstand sei nicht zu
erkennen, und fordert deshalb: „Wir müssen den Preis für diesen Krieg
weiter erhöhen.“ Gleichzeitig stellt der Kanzler klar, es sei niemals die
Rede davon gewesen, dass deutsche Soldaten in den laufenden Konflikt
geschickt werden könnten. „[2][Wir sprechen über Sicherheitsgarantien nach
einem Waffenstillstand.]“
## Momentaufnahme des christsozialen Seelenzustands
Genauso wie Söder betont Merz die Dringlichkeit wirtschaftspolitischer
Reformen. Der CSU-Forderung, die Unternehmenssteuerreform von 2028 schon
auf dieses Jahr vorzuziehen, will sich der CDU-Chef so allerdings nicht
anschließen. Es komme auf die Spielräume im Haushalt an. Wichtig jedenfalls
sei eine möglichst schnelle Entlastung der Unternehmen, vor allem des
Mittelstands. Dazu gehörten nicht nur Steuersenkungen.
Eine tatsächliche realpolitische Bedeutung kommt der alljährlichen
Klausurtagung im Chiemgau freilich trotz des hohen Besuches nicht zu. Das
Treffen ist vielmehr immer ein bisschen eine Mischung aus
Selbstfindungsseminar und Medienspektakel mit hochkarätigen Gästen, ein
christsozialer Prolog des politischen Jahrs. Dem Betrachter bietet sich
dabei eine blitzlichternde Momentaufnahme des christsozialen
Seelenzustands.
Schon zum Auftakt am Dienstag lobte Söder seinen neuen Landesgruppenchef
für das entfachte „Medienfeuer“. In der Tat hatte der schon vorab ein
30-seitiges Beschlusspapier unter die Leute gebracht, das – selbst im
Vergleich zu früheren Jahren – eine sehr beeindruckende Bandbreite an
Themen enthielt: Zwölfjährigen will die CSU demnach künftig den Prozess
machen, 16-Jährigen den Führerschein geben, die telefonische
Krankschreibung will sie abschaffen und den 3D-Druck im All vorantreiben
und, und, und … Dazu kommen die akuten Themen wie Steuersenkungen oder
Migration.
Dass viele der Forderungen wie etwa der Bau von Mini-AKWs mit der SPD,
einige auch mit der CDU nicht umzusetzen sein würden – geschenkt. Es geht
in Seeon nicht um tatsächliche politische Zielsetzungen, es geht um eine
Selbstpositionierung.
## Wo steht Söder?
Für einen stellt sich die Frage nach dieser Selbstpositionierung indes
gleich in doppelter Hinsicht: Parteichef Söder muss seine CSU zum einen in
der Bundesregierung verorten. „Wir sind die politische Stimme der Vernunft,
der Stabilitätsblock im Bundestag und Motor dieser Bundesregierung“, heißt
es im Positionspapier seiner Berliner Truppe großspurig.
Zum anderen fragen sich aber – wenigstens in Bayern und besonders seiner
eigenen Partei – immer mehr: Wo steht eigentlich Söder selbst? Klar, an der
Spitze seiner Partei. Hier ist er noch immer völlig unangefochten. Aber
davon abgesehen, kommt der bayerische Ministerpräsident seit der
Bundestagswahl merklich ins Schlingern, was die eigene Verortung anbelangt.
Es gab ja schon die verschiedensten Images, die Söder genussvoll pflegte:
„Söder, der Grünenfresser“, war bis zur Bundestagswahl eines seiner
liebsten. Doch das verfängt nach dem Regierungswechsel natürlich kaum noch.
„Söder, der Kanzler der Herzen“, war ein anderes. Immer mal durchblicken
lassen, dass er eigentlich der bessere und beliebtere Kanzlerkandidat
gewesen wäre – als Armin Laschet sowieso, aber eigentlich auch als Merz –,
war lange eine beliebte Übung.
Seit Merz tatsächlich Kanzler ist, verkneift sich Söder jedoch fast jede
Spitze gegen den CDU-Mann, betont vielmehr den Schulterschluss. Schon
lange, so unterstreicht er, habe es kein so gutes Miteinander mehr zwischen
den beiden Chefs der Unionsparteien gegeben, wie zwischen Merz und ihm.
## Eine normale Partei?
Bleibt „Söder, der Entertainer“. Diese Rolle spielte er 2025 besonders
intensiv – bis hin zu Gesangsauftritten, die vielen Christsozialen die
Fremdscham ins Gesicht trieben. Seit Söder allerdings – vielleicht auch
deshalb – beim Parteitag im Dezember mit einem historisch schlechten
Ergebnis zum CSU-Chef wiedergewählt wurde, scheint auch sein übertrieben
albernes Auftreten der Vergangenheit anzugehören.
Keiner der bisherigen Anzüge mag mehr so recht passen. Neuerdings probiert
Söder deshalb den des seriösen Politikers an. Nicht jeder wird sich
vorstellen können, dass er diesem Mann passt. Aber Söder ist
wandlungsfähig. Nur: Wo bleibt dann der Markenkern?
Sicher: Die CSU kam zuletzt immer noch auf Wahlergebnisse, von denen man in
der Schwesterpartei nur träumt. Aber auch in Bayern setzt die AfD ihren
Siegeszug fort. Die Zeiten der absoluten Mehrheit sind ohnehin längst
vorbei. Daheim in Bayern ist Söder schon in der zweiten Legislaturperiode
auf die Freien Wähler als Koalitionspartner angewiesen.
„Ist die CSU etwa eine ganz normale Partei“, fragt die Augsburger
Allgemeine bereits und spricht von 2026 als möglichem „[3][Schicksalsjahr
für die Partei]“. Wie es das Schicksal tatsächlich mit der CSU meint, wird
sich als Nächstes am 8. März zeigen. Dann sind Kommunalwahlen in Bayern.
8 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=n8f0YkvPg4w
(DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=IHauakBInik
(DIR) [3] https://www.augsburger-allgemeine.de/politik/meinung-warum-in-kloster-seeon-fuer-die-csu-so-viel-auf-dem-spiel-steht-113098878
## AUTOREN
(DIR) Dominik Baur
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