# taz.de -- Krisenkommunikation des Berliner Senats: Erst weitflächiger Stromausfall, dann politischer Blackout
       
       > Statt rechtzeitig bei den Menschen zu sein, spielt der Regierende
       > Bürgermeister Wegner lieber Tennis. Und offenbart sein Un-Talent für
       > politische PR.
       
 (IMG) Bild: Augen zu und durch: für Kai Wegner könnte es bald vorbei sein mit dem Regieren
       
       Als [1][alles vorbei war und der Strom nach tagelangem Blackout wieder
       floss], schickte das Land Berlin seinen Bürger:innen eine
       Notfallnachricht auf ihre Smartphones: „Extreme Gefahr. WARNUNG MITTEL.
       Achtung! Warnung, Stromausfall für Berlin.“ Äh, wie jetzt? Schon wieder?
       Fieberhaft suchten die Empfänger:innen im Netz nach Informationen – und
       fanden nichts: kein weiterer Stromausfall. Was also war das? Wohlwollend
       könnte man sagen: Topp, der Senat warnt die Menschen. Too little, too late,
       aber immerhin weiß Kai Wegner als Regierender Bürgermeister, was zu tun
       ist.
       
       Leider trifft genau das Gegenteil zu. Ein besseres Aushängeschild für einen
       desaströsen Umgang mit dem Blackout und eine katastrophale Kommunikation
       des Senats kann es gar nicht geben. Nicht nur, dass die kryptisch
       formulierte Pushnachricht zu einer Zeit kam, als es gar nichts mehr zu
       warnen gab, lieferte sich Wegner auch noch selbst ans Messer. Als die
       Menschen im Südwesten auf Hilfe warteten, spielte ihr Bürgermeister Tennis.
       [2][Nichts gegen sportive Politiker:innen], aber in einer Notlage wie
       dieser müssen sie vor Ort sein – und vor allem vorsichtig mit dem, wann sie
       was wie sagen. Ist jemand erst einmal der Lüge überführt – und das trifft
       für Wegner und den Zeitpunkt seines Tennisspiels zu –, könnte es bald
       vorbei sein mit dem Regieren.
       
       Vorbei sein könnte es mit Wegners Karriere allerdings auch, weil er
       offenbar nicht einmal ein Gefühl für seine eigene Wählerklientel besitzt.
       Der Südwesten Berlins ist parteipolitisch so schwarz wie die Ecke während
       des Blackouts. Hat Wegner keine PR-Beratung? Wenigstens einen Coach, der
       ihm so was sagt wie: „Mensch, Kai, die Leute da im Südwesten, das sind
       deine Leute, die brauchen dich. Du musst mitfühlend und zugewandt sein, mit
       ihnen sprechen, so von Bürgermeister zu Bürgerin. Am besten teilst du
       Decken und Kaffee aus, so was kommt gut an.“
       
       Vielleicht zeigt der Coach Wegner auch ein paar Fotos und sagt: „Schau mal,
       so macht man das!“ Auf den Bildern sieht man Matthias Platzeck, der 1997
       als „Deichgraf“ das Oderhochwasser managte – in TV-trächtigen
       Gummistiefeln. Oder Ernst Albrecht, der als niedersächsischer
       CDU-Ministerpräsident in den 1980er Jahren vietnamesische Boatpeople ins
       Land holte. Am besten zeigt er ihm aber Bilder von [3][Anne Spiegel. Die
       Grüne hatte es 2021 als Umweltministerin in Rheinland-Pfalz] versäumt,
       während der Flutkatastrophe im Ahrtal rechtzeitig in der Krisenregion zu
       sein. Sie hatte nur Zeit für eine Stippvisite, fuhr lieber in den Urlaub –
       und musste später zurücktreten.
       
       Vielleicht würde der Coach dann sagen: „Siehste, Kai, so was kommt von so
       was.“ Und ihm raten, nicht mehr rumzueiern und lieber Fehler zuzugeben. Am
       besten mit einem Fünkchen ehrlichen Humors. Ein kleiner Witz kann eine
       verfahrene Situation schon mal ein bisschen retten. Aber Wegner sagt eher
       so Sätze wie: „Ich habe nicht die Füße hochgelegt.“ Bei solchem Talent für
       politische und erst recht menschliche Kommunikation hat es auch der beste
       Coach schwer.
       
       9 Jan 2026
       
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