# taz.de -- „Ratschlag Zivilgesellschaft“: Die Nachbarschaft stärken
       
       > Ein Zusammenschluss fordert eine verbesserte Zusammenarbeit zwischen
       > Zivilgesellschaft und Behörden. So könnten Krisen besser bewältigt
       > werden.
       
 (IMG) Bild: Da fehlt ein Notstromaggregat!
       
       Anfang Januar hat ein [1][Stromausfall infolge eines Brandanschlags] auf
       das Berliner Stromnetz Zehntausende Haushalte und die öffentliche
       Infrastruktur lahmgelegt. Deutlich zeigte sich, wie verwundbar die Berliner
       Infrastruktur wirklich ist. Jetzt fordert der „Ratschlag
       Zivilgesellschaft“, ein Zusammenschluss aus elf Institutionen, eine bessere
       Zusammenarbeit zwischen öffentlichem Katastrophenschutz und
       bürgerschaftlicher Solidarität, um zukünftige Krisen zu bewältigen. Am
       Montag ist der Ratschlag im Rahmen eines Pressegesprächs erstmals an die
       Öffentlichkeit getreten. In einem Forderungspapier wurden konkrete
       Vorschläge für die Politik erarbeitet.
       
       Der Zusammenschluss hat laut eigenen Angaben eine Reichweite von rund 7.000
       Personen. Über zwei Treffen wurde bei der [2][Stiftung Zukunft] diskutiert,
       wie bürgerschaftliches Engagement besser vernetzt werden kann. Beteiligt
       sind unter anderem Vertreter:innen des Stadtteilzentrums Steglitz e.
       V., von Kitaträgern und Schulen sowie der Senatsverwaltung für Inneres und
       Sport Berlin.
       
       „Der Stromausfall im Januar hat gezeigt, Berlin muss seinen
       Katastrophenschutz anders aufstellen“, sagt Beate Stoffers,
       Vorstandssprecherin und Geschäftsführerin der Stiftung Zukunft. „Die
       zivilgesellschaftliche Seite wird zu wenig beleuchtet. Zivilgesellschaft
       kann mehr, muss aber auch mit einbezogen werden“, erklärt Stoffers.
       
       Vor allem müsse die Kommunikation innerhalb der Nachbarschaft verbessert
       werden, sodass Bürger:innen in Krisenzeiten besser über vorhandene
       Angebote informiert seien, meint Markus Schönbauer, Geschäftsführer des
       Vereins Mittelhof. „Nachbarschaft ist stärker als man denkt“, sagt er.
       Wichtig sei, dass Menschen wüssten, an wen sie sich in Krisensituationen
       wenden könnten.
       
       ## Wissen, wer unsere Nachbar:innen sind
       
       Ein Ziel des Ratschlages sei es dementsprechend auch, Nachbarschaft zu
       fördern. „Es gibt Kieze, da kennt sich so gut wie keiner mehr“, sagt
       Stoffers. Aus diesem Grund plane die Stiftung Zukunft die öffentliche
       Kampagne „Lerne deine Nachbarn kennen“. Die Gesellschaft werde in Krisen
       gestärkt, „wenn wir die Menschen kennenlernen, die bei uns im Haus wohnen
       und arbeiten“, sagt sie. Aktuell fehlten dem Vorhaben jedoch die
       finanziellen Mittel.
       
       Schon vor dem Stromausfall im Januar gab es Situationen, die laut Stoffers
       offengelegt hätten, wie verletzlich die Berliner Infrastruktur ist,
       darunter die Stromausfälle in Treptow-Köpenick Anfang 2019 und im November
       vorigen Jahres. Auch extreme Kälte, Glatteis und Hitze stellten Situationen
       dar, die es in Zukunft zu bewältigen gelte. Dazu seien im Juni sogenannte
       „Kiezresilienztage“ angedacht, an denen sich nachbarschaftliche Strukturen
       gegenseitig vorstellen könnten.
       
       Auch „Kiezboxen“, ein Pilotprojekt der Initiative Digitale Transformation,
       sollen im Rahmen der Kiezresilienztage vorgestellt werden. Dabei handle es
       sich um autarke Kommunikationssysteme, erklärt Stoffers, die nicht auf die
       zentrale Stromlieferung angewiesen seien und somit im Notfall die
       Kommunikation in Kiezen aufrechterhalten könnten.
       
       30 Mar 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Razzia-nach-Stromanschlag/!6165350
 (DIR) [2] https://www.stiftungzukunftberlin.eu/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Martha Lippert
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Stromausfall
 (DIR) Zivilgesellschaft
 (DIR) Nachbarschaft
 (DIR) Krisenmanagement
 (DIR) Kai Wegner
 (DIR) Stromnetz
 (DIR) Reden wir darüber
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Krisenmanagement im Stromausfall: Deutliche Kritik an Wegners Entschuldigung
       
       In der Tennisaffäre bedauert der Regierende Bürgermeister „kommunikative
       Fehler“. Von der Opposition hagelt es Kritik.
       
 (DIR) Razzia nach Stromanschlag in Berlin: Auf der Suche nach Beweisen
       
       Die Polizei durchsucht nach einem Anschlag im Technologiepark Adlershof
       mehr als ein Dutzend Objekte. Ermittelt wird gegen vier Verdächtige,
       Haftbefehle gibt es keine.
       
 (DIR) Krisenkommunikation des Berliner Senats: Erst weitflächiger Stromausfall, dann politischer Blackout
       
       Statt rechtzeitig bei den Menschen zu sein, spielt der Regierende
       Bürgermeister Wegner lieber Tennis. Und offenbart sein Un-Talent für
       politische PR.