# taz.de -- Eisglätte im Abgeordnetenhaus: Alle vereint gegen die CDU
> Dass die Opposition das Eischaos zur Großkritik am Senat nutzt, war
> erwartbar. Die SPD aber toppt das und legt CDU-Senatorin Bonde den
> Rücktritt nahe.
(IMG) Bild: Die Eisglätte als dominierendes Thema der vergangenen Wochen beschäftigte am Donnerstag auch das Abgeordnetenhaus
Niklas Schenker von der Linksfraktion fehlen normalerweise nie die Worte,
wenn es darum geht, den schwarz-roten Senat zu kritisieren. Am
Donnerstagnachmittag aber räumte er ein: „Das kann ich gar nicht mehr
toppen.“
Voran gegangen war nämlich ein kaum verhülltes Misstrauensvotum gegenüber
Verkehrs- und Umweltsenatorin Ute Bonde (CDU) – und zwar nicht von einem
Oppositionskollegen, sondern von der mitregierenden SPD.
„Ich frage mich, ob Sie richtig in diesem Amt sind“, sagte der
SPD-Abgeordnete Tino Schopf in einer Debatte über [1][die Eisglätte der
vergangenen Wochen]. Wegen ihres fortgesetzten Rufens nach einer
Magnetschwebebahn sah Schopf Bonde eher als „Marketingchefin für das
Bauunternehmen Max Bögl“ – die bayerische Firmengruppe baut solche Bahnen.
Es sollte in der Debatte eigentlich konkret darum gehen, Lehren aus dem
suboptimalen Umgang mit der Glätte zu ziehen. Mehrere Redner verwiesen auf
die vervielfachte Zahl von winterbedingten Verletzungen, die in
Krankenhäusern registriert wurden. Die Koalitionsfraktionen CDU und SPD
hatten darum kurzfristig den Entwurf einer Änderung des
Straßenreinigungsgesetzes vorgelegt.
Zudem formulierten sie genau wie Grüne, Linkspartei und AfD sogenannte
Entschließungsanträge – Anträge, die den Senat zu einem bestimmten Handeln
auffordern. Im Kern geht es der Koalition darum, Tausalz in Ausnahmefällen
zuzulassen und Hauseigentümer, die Eis und Schnee nicht beseitigen, stärker
in Haftung zu nehmen. Genaueres will mal aber erst auswerten.
## Grüne: Mit CDU funktioniert nichts
Dass es die Oppositionsfraktionen nicht bei einer Analyse von Fehlern im
Umgang mit der Eisglätte belassen würden, war zu erwarten – gerade mit
Blick auf die Abgeordnetenhauswahl in rund acht Monaten. Tatsächlich
hielten sowohl Grüne als auch Linkspartei und AfD vor allem dem Regierenden
Bürgermeister Kai Wegner (CDU) Missmanagement vor. Der Linken-Abgeordnete
Schenker, der dann doch noch ausreichend Worte der Kritik fand, folgerte
daraus: „Ich glaube, Kai Wegner ist der schlechteste Bürgermeister, den
Berlin je gesehen hat.“
Die Grüne Oda Hassepaß wiederum erinnerte an Wegners Wahlkampfversprechen
von 2023, Berlin sicherer zu machen und besser funktionieren zu lassen.
„Nur eins ist sicher“, sagte Hassepaß, „nichts funktioniert, wenn die CDU
regiert.“ Dass sie die mitregierende SPD nicht auch ansprach, ließ sich
durchaus in Richtung einer künftigen Koalition aus Linkspartei, Grünen und
SPD nach der Wahl am 20. September werten.
Dass auch der SPD-Abgeordnete Schopf nicht gerade Lobreden auf Wegners
Verkehrs- und Umweltsenatorin Ute Bonde halten würde, war nach Äußerungen
von ihm am Vortag zu erwarten. In einer Ausschusssitzung hatte Schopf die
Vorschläge Bondes, die Urban Tech Republic [2][am Exflughafen Tegel] per
Magnetschwebebahn mit Spandau zu verbinden, „irritierend“ genannt. Bereits
im August hatte er Bonde gegenüber dem Tagesspiegel als „Marionette“ und
[3][„Erfüllungsgehilfin“ von CDU-Fraktionschef Dirk Stettner bezeichnet].
Aber so weit zu gehen, ein Mitglied der eigenen Regierung nicht am
richtigen Platze zu sehen, kam unerwartet und ist in der jüngeren
Vergangenheit der Berliner Landespolitik beispiellos. Zuletzt stand ein
Regierungsmitglied in den eigenen Reihen derart in der Kritik, als die
mitregierenden Grünen und Linken den damaligen SPD-Senator Andreas Geisel
für das Chaos bei der Wahl 2021 verantwortlich machten.
Schopf hatte seiner Quasi-Rücktrittsforderung den Vorwurf voran geschickt,
dass Bonde in ihrer Arbeit falsche Schwerpunkte gesetzt habe. Winter – und
damit die Zeit möglicher Eisglätte – sei es seit Dezember, hielt der
SPD-Mann der Senatorin vor. Doch statt sich damit zu beschäftigen, habe
Bonde in jenem Monat [4][eine dritte Start- und Landebahn am Flughafen BER
gefordert] und damit sogar Brandenburger CDU-Parteikollegen verärgert.
## Neue Idee für Magnetschwebebahn
Und anschließend hatte Bonde aus Schopfs Sicht offenbar nichts Besseres zu
tun gehabt, als das von ihr schon mal angesprochene, viel belächelte und
beendet geglaubte [5][Thema einer Magnetschwebebahn wiederzubeleben]. Noch
am Vormittag der Parlamentssitzung, kaum drei Stunden vor der Rederunde zur
Eisglätte, hatte Bonde eine Magnetschwebebahn zwischen dem Exflughafen und
Spandau als besser geeignet als eine Tram bewertet. Im vergangenen Sommer
wollte sie [6][auf diese Weise das Charlottenburger ICC und den BER
verbinden].
„Berlin schlittert durch den Winter, und Sie bauen Luftschlösser“,
schlussfolgerte der SPDler Schopf, „Sie sind nicht die Senatorin für
Wünsch-Dir-was.“
12 Feb 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Eisregen-in-Berlin/!6148755
(DIR) [2] /Ehemaliger-Flughafen-Tegel/!6122526
(DIR) [3] https://www.tagesspiegel.de/berlin/koalitionsstreit-um-tempo-50-spd-politiker-nennt-berlins-verkehrssenatorin-bonde-marionette-14205272.html
(DIR) [4] /Neue-Diskussion-ueber-BER/!6138846
(DIR) [5] /S-Bahn-Chaos-in-Berlin/!6105180
(DIR) [6] /S-Bahn-Chaos-in-Berlin/!6105180
## AUTOREN
(DIR) Stefan Alberti
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