# taz.de -- Schneesturm und Extremwetter: Bitte, „Elli“ – schnei mich ein
> Das Sturmtief sorgt für Schulausfälle, es droht Chaos auf den Straßen.
> Was die einen verängstigt, ist für andere ein Segen.
(IMG) Bild: Hamburg, Januar 2026: „Bitte Elli, schnei mich ein“
Die US-amerikanische Ostküste erfasste im Jahr 1888 ein Schneesturm von
einem Ausmaß, das sonst eher in Katastrophenfilmen zu sehen ist: In wenigen
Tagen fielen 1,5 Meter (!) Schnee, dazu bliesen eisige Winde.
Weil der „[1][Great Blizzard of 1888]“ für viele Menschen nicht nur
ungemütlich, sondern tödlich verlief, herrscht in den USA seitdem eine
gewisse Schneesturmneurose. Als ich 2017 dort studierte, gab die Stadt New
York einmal eine Blizzardwarnung heraus. Schulen und Universitäten blieben
geschlossen, der Nahverkehr eingeschränkt. Am nächsten Tag fielen
vielleicht 15 Zentimeter Schnee. Trotzdem blieb eine der geschäftigsten
Städte der Welt mit ihren knapp acht Millionen Einwohner*innen effektiv
lahmgelegt.
Statt zur Arbeit gingen die New Yorker*innen Iglus im Park bauen. Das Wohl
der Leute war dabei nebensächlich, wie ich später lernte. Vielmehr
verzichteten Unternehmen auf Produktivität, um nicht für die zu erwartenden
Versicherungskosten durch [2][Arbeitswegunfälle] aufkommen zu müssen.
Welch meteorologische Schwachstelle im System, dachte ich. Getrübt wurde
meine revolutionäre Begeisterung zurück in Deutschland, wo Eltern ihre
Kinder zur Not auf Skiern in die Schule schicken würden und der Stolz
darüber, sich selbst immer noch rechtzeitig an den Arbeitsplatz geprügelt
zu haben, bei extremen Temperaturen nur weiter zu wachsen schien.
## Schon Verspätung kann bestraft werden
Bis jetzt? Diese Woche verschaffte [3][Sturmtief „Elli“] Deutschland
Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Celsius. In Hamburg und Bremen
blieben Schulen ob der Witterung geschlossen. Die Deutsche Bahn kündigte
„Einschränkungen im Fernverkehr“ an, blieb aber eine Erklärung schuldig,
inwieweit diese vom gegenwärtigen „Normalbetrieb“ abweichen.
[4][„Darf ich jetzt einfach zu Hause bleiben?“, fragte das Magazin] Der
Spiegel und gab prompt die Antwort qua Arbeitsrecht: Natürlich nicht. Für
jede verspätet angetretene Minute dürfe der Arbeitgeber „normalerweise“ den
Lohn kürzen. Und wer Deutschland kennt, der weiß: Kein Horror ist singulär
genug, als dass er hier nicht als irgendwie „normal“ verstanden werden
könnte.
Auch 2026 rettet uns also niemand vor der Arbeit. Dafür bietet das
Sturmtief für [5][Linke] die seltene Gelegenheit, doch mal einen Wunsch an
den Himmel zu richten: Bitte, „Elli“ – schnei mich ein.
9 Jan 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=2LrLwmZzZAg
(DIR) [2] /Verursacher-von-Verkehrsunfaellen/!6138783
(DIR) [3] https://www.tagesschau.de/wissen/klima/erwartungen-sturmtief-elli-100.html
(DIR) [4] https://www.spiegel.de/karriere/arbeitsrecht-winter-wetter-schnee-und-glaette-darf-ich-jetzt-einfach-zu-hause-bleiben-a-a163c825-c1c5-4db4-998b-f0c55405c331
(DIR) [5] /Zehntausende-ohne-Strom-und-Waerme/!6142876
## AUTOREN
(DIR) Konstantin Nowotny
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