# taz.de -- Vorbereitung auf den Schneesturm: Brot war ausverkauft
       
       > Am Vortag der befürchteten Schneekatastrophe kauften viele Menschen die
       > Regale leer. Der Staat empfiehlt Vorratskauf auch. Für Arme ist das
       > schwierig.
       
 (IMG) Bild: Eingeschneit und leere Regale: Winter in Hamburg
       
       Donnerstagabend gegen 18 Uhr – die Medien warnten vor [1][Schneetief
       „Elli“] mit bis zu 15 Zentimetern [2][Neuschnee], und der Bürgermeister
       appellierte an die Menschen, am Folgetag möglichst daheim zu bleiben – sind
       beim Bäcker an der Scharbeutzer Straße in Hamburg-Rahlstedt alle Körbe
       leer. „Brot gibt es nicht“, sagt die Verkäuferin im weißen Kittel. Kein
       Problem, gleich um die Ecke liegt der Eingang des Edeka. Und der hat immer
       Brot, abgepackt im Regal. Immer?
       
       Nein. Diesmal nicht. Nicht nur die Gemüsekörbe sind leergeflöht, auch das
       fünfstöckige Brotregal ist leer. Es gibt noch ein paar Päckchen Schwarzbrot
       am Rand, aber kein Feinbrot, keine Aufbackbrötchen, keinen Toast. Im Rewe
       in Hamburg-Niendorf am Abend ein ähnliches Bild. Das sechsstöckige
       Brotregal ist leer. Auf den nackten Holzlatten liegt nichts. Wer ein
       Mehlprodukt kaufen will, kann vielleicht noch eine Tüte Zimtschnecken aus
       dem Nebenregal einpacken. In anderen Supermärkten wie Aldi sollen auch
       frische Produkte gefehlt haben. Davon berichten Kunden im Netz.
       
       Gab es hier Lieferengpässe? Oder gab es [3][Panikkäufe]? „Vermeiden Sie
       unnötige Wege und aufschiebbare Termine“, hatte Hamburgs Bürgermeister
       Peter Tschentscher (SPD) [4][per Videobotschaft gemahnt]. Klar, dass man
       dann vorher noch einkaufen geht. Tipps für die Lebensmittelbevorratung gibt
       der Senat selber nicht. „Wir können aber grundsätzlich den [5][Flyer des
       Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe] sehr empfehlen,
       der alltagsnah viele gute Hinweise gibt“, sagt Sprecher Dennis Heinert. Die
       Seite sei auch auf [6][Hamburg.de] verlinkt. „Empfohlen wird das dauerhafte
       Anlegen von Vorräten für idealerweise zehn Tage, aber auch Vorräte für drei
       Tage helfen schon sehr.“
       
       Sodann verweist er auf einen Kalkulator dafür, was man braucht. Ein
       Zwei-Personen-Haushalt sollte für zehn Tage zum Beispiel 6,6 Kilo Brot,
       Getreideprodukte und Kartoffeln, 8 Kilo Gemüse in Konserven und frische
       Zwiebeln, 5 Kilo Obstkonserven, Nüsse und Trockenfrüchte, 40 Liter
       Getränke, 5 Kilo H-Milch und Hartkäse, 2,4 Kilo Fleisch- und Fischkonserven
       und 0,66 Kilo Öl und Fette vorrätig halten.
       
       ## Einschränkungen bei Obst und Gemüse?
       
       „Essen und Trinken bevorraten“ könne „in vielen Situationen hilfreich
       sein“, heißt es in dem besagten Flyer. Unter anderem bei einem
       [7][plötzlichen Stromausfall] oder eben „[8][extremen Wetterlagen]“.
       
       Die taz fragte bei Lebensmittelketten nach, wie sie die Lage sehen.
       Rewe-Nord erklärte, man habe „präventiv“ Zusatzkapazitäten aufgebaut und
       habe deshalb keine Probleme, weder beim Personal für die Schichten noch bei
       der Belieferung der Lager mit Waren. „Vereinzelte Ausfälle können schnell
       kompensiert werden“, sagt Unternehmenssprecherin Rebecca Lehners. Dass es
       eine gesteigerte Bevorratung der Haushalte gäbe, könne die Handelsgruppe
       „nicht feststellen“.
       
       Dagegen sagt Edeka-Nord-Sprecherin Gina Liebe: „Wir stellen seit Anfang der
       Woche fest, dass viele Kunden ihre Einkäufe vorgezogen haben.“ Die
       Versorgungslage sei zwar gut, aber wegen der Witterung könne es zu
       Einschränkungen bei Obst und Gemüse und „Streichungen bei einzelnen
       Frische-Artikeln“ kommen. „Vereinzelt“ könne es wegen des Wetters auch zur
       verzögerten Belieferung der Märkte kommen.
       
       Auch die Aldi-Nord KG, die wir nach Märkten in den Hamburger Stadtteilen
       Altona und Rahlstedt fragten, erklärte: „Wir haben in den von Ihnen
       angesprochenen Aldi-Märken festgestellt, dass die Kundinnen und Kunden dem
       Rat gefolgt sind, sich auf die Wetterlage vorzubereiten.“ Einzelne
       Warengruppen seien deshalb „stärker gefragt als üblich“, so Sprecher Thiemo
       Epping. „Wir haben aber schnell reagiert und konnten kurzfristig neue Ware
       zuteilen.“
       
       Die Hamburger Linke-Politikerin Olga Fritzsche sieht in dieser Bevorratung
       ein grundsätzliches Problem. „Es werden wieder [9][wie während Corona] auch
       Klopapier und Nudeln auf Vorrat gekauft“, sagt sie. „Aber wenn die Leute
       jetzt hamstern, haben die Menschen das Nachsehen, die sich das nicht
       leisten können. Die sitzen dann zu Hause und haben nichts.“ Die
       Sozialpolitikerin fordert, dass es zumindest für Menschen, die auf
       Sozialleistungen angewiesen sind, für die vom Katastrophenschutz
       empfohlenen Vorräte einen „Zuschuss“ geben müsse.
       
       Am Freitagmittag waren übrigens zumindest in Hamburgs Osten von den 15
       Zentimetern Schnee erst 3 gefallen. Ein Kommentator im Radio erklärte, man
       habe hier keine Schneekatastrophe, sondern schlicht Winter. Und das
       Brotregal beim Edeka in Rahlstedt war wieder randvoll.
       
       9 Jan 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Warnung-vor-Extremwetter/!6144009
 (DIR) [2] /Schneechaos-in-Norddeutschland/!6143932
 (DIR) [3] https://www.derwesten.de/verbraucher/hamsterkauf-supermarkt-aldi-edeka-kaufland-kassen-id301938760.html
 (DIR) [4] https://www.hamburg.de/politik-und-verwaltung/behoerden/senatskanzlei/aktuelles/pressemeldungen/wetterlage-in-hamburg-1133022
 (DIR) [5] https://www.hamburg.de/resource/blob/1132196/1b24b5278e8faf866534b1c734188883/bbk-vorsorgen-fuer-krisen-und-katastrophen-data.pdf
 (DIR) [6] https://www.hamburg.de/
 (DIR) [7] /Anschlag-auf-das-Berliner-Stromnetz/!6142727
 (DIR) [8] /Sturmtief-Elli/!6143820
 (DIR) [9] /Hamstern-in-Coronazeiten/!5721253
       
       ## AUTOREN
       
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